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Münchens West Coast Swing-Tänzer der ersten Stunde: Sylvi Tröger und Dirk Haage.

Porträt

„Westi“ der ersten Stunde

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Ja, West Coast Swing stammt aus Amerika. Nein, es handelt sich dabei um keinen klassischen Standard-Tanz. In Deutschland begeistern sich immer mehr Menschen an diesem fast zwanglosen Stil. Die Münchnerin Sylvi Tröger ist ein „Westi“ der ersten Stunde.

„Es ist der Tanz der Tänzer“, schwärmt die 40-jährige Tanzlehrerin. „Paar-Tanz“ trifft es überhaupt nicht, obwohl auch beim West Coast Swing (WCS) zwei Menschen miteinander agieren. Okay, es gibt Grundschritte, der große Rest aber ist: Improvisation, Gefühl, Rhythmus. Sylvi Tröger beschreibt es so: „Jeder Tanz ist mit jedem Partner etwas Neues. Als ob man jemanden bei einem intensiven Gespräch kennenlernt. Jeder gibt alles, was er zu geben hat.“ Mal geschmeidig und ruhig, mal ruckartig und wild – der Figurenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt.

Wer die Grundhaltung und -schritte verinnerlicht hat, kann sich frei mit dem Partner bewegen. Der wechselt bei klassischen WCS-Partys nach jedem Lied. Die Tanzfläche leert sich schnell, um nach wenigen Sekunden wieder voll zu sein – mit komplett neuen Paaren, oftmals zwei Menschen, die sich zuvor noch nie gesehen haben. „Social-Partys“ werden die WCS-Veranstaltungen deshalb genannt, Berührungsängste oder gar Vorurteile gibt’s hier nicht. Egal ob ein Anfänger mit einer Fortgeschrittenen tanzt oder umgekehrt – beim WCS steht das gemeinsame Erleben und Spaßhaben an oberster Stelle. Der Bessere lässt sich auf den Schwächeren ein, stellt ihn nicht bloß, sondern genießt die Musik und die Bewegungen. Mit dem Partner und für sich.

Wenn Sylvi Tröger über ihre große Liebe spricht, zaubert sich schnell ein Lächeln auf ihr Gesicht. Im Hintergrund läuft WCS-Sound, weicher Soul und Swing. „Ich will meine Leidenschaft weitergeben“, das ist ihr Antrieb. Deshalb hat sie am vergangenen Wochenende einmal mehr Workshops besucht, bei den WCS-Bavarian-Open in München mit 370 Teilnehmern aus 28 Ländern, deshalb reist sie in der Weltgeschichte umher zu Veranstaltungen und Treffen, um den West Coast Swing nicht nur weiter zu lernen, nein, sie verinnerlicht ihn.

Vor etwa vier Jahren ist die heute 40-Jährige durch Zufall beim Eurodance-Festival in Freiburg auf WCS gestoßen. In München kannte diese Tanzform bis dahin so gut wie niemand. „Die ersten Workshops fanden mit ein paar Leuten in einem abgeranzten Kellerraum statt. West Coast Swing war damals Underground“, erinnert sie sich. Tanzlehrer Dirk Haage hatte ihn in die Landeshauptstadt gebracht, nach dem ersten Kurs stand für Sylvi Tröger fest: „Das will ich lernen!“ Wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hat, zieht sie es durch. So wie damals, als sie zwölf Jahre alt war und mit einer Freundin im Dachgeschoss die Choreografien samt Hebefigur aus dem Film „Dirty Dancing“ nachgetanzt hat. Nach dem Abitur absolvierte sie die Tanzlehrer-Ausbildung.

Mittlerweile gibt Tröger selbst WCS-Kurse und -Workshops, zusätzlich zu Standard- und lateinamerikanischen Tanz. Sie hat auf Standard- und Latein-Turnieren aller Art getanzt, heute hält sich dieses Engagement in Grenzen. „Weil mir da die Improvisation fehlt.“ Als Basis für WCS seien die Standard-Tänze in Ordnung, aber – kurze Pause, Sylvi Tröger schließt die Augen, atmet tief durch, lächelt – und sagt: „West Coast Swing ist der Tanz der Tänzer, weil man sich kreativ verwirklichen kann.“

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