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Ein Prosit auf den wärmsten November seit 230 Jahren. Dieses Bild entstand am 5.11.2011 am Chinesischen Turm.

Wetter 2011: Der Klima-Schock

Hohenpeißenberg - Am Hohen Peißenberg steht die älteste Bergwetterstation der Welt. Seit 1781 wird dort das Wetter aufgezeichnet - noch nie haben Meteorologen ein so warmes Jahr erlebt wie heuer: 2011 bricht alle Rekorde, den größten Anteil hat der Monat November.

Mitten in den Sommerferien, am 11. August, startete unsere Zeitung eine Umfrage: „Verdirbt Ihnen das Wetter die Laune?“ fragten wir Passanten. Ein Mann antwortete: „Der Sommer ist versaut, das Wetter ist schlecht.“ Eine Frau sagte: „Das Wetter nervt schon - vor allem am Wochenende: Alle Sommerfeste müssen abgesagt werden.“ Gewitter, Platzregen, kühle Temperaturen: So haben viele den Sommer und irgendwie auch das ganze Jahr in Erinnerung - doch die trügt. Gewaltig sogar. Denn das Jahr 2011 war das wärmste in Oberbayern seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

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So wird das Wetter an Silvester

Das hat Meteorologe Wolfgang Fricke auf der ältesten Bergwetterstation der Welt, auf dem Hohen Peißenberg im Kreis Weilheim-Schongau, festgestellt. Dort wird das Wetter seit 1781 beobachtet, damals wie heute mit Hilfe von Quecksilber - die Daten von früher sind also zuverlässig. Monat für Monat hat Fricke in diesem Jahr Rekorde verzeichnet. „Das war schon extrem“, sagt Fricke. Einige Besonderheiten:

Wie wird das Wetter?

Zur Wettervorhersage

In fast allen Monaten lag die Durchschnittstemperatur über dem langjährigen Mittel. Besonders warm waren April und November, die gleich 5,1 beziehungsweise 4,0 Grad über dem Durchschnitt lagen. Schon am ersten Aprilwochenende drängten die Hobby-Gärtner in die Gartencenter, Straßencafés waren voll, Temperaturen von bis zu 26 Grad bescherten bereits den einen oder anderen Sonnenbrand. Und der Goldene Herbst, der im Oktober begonnen hatte, wollte im November gar nicht enden: Bei milden Temperaturen ging auch die Wandersaison in die Verlängerung, einige Hüttenwirte, die um diese Zeit normalerweise schon längst zusperren, freuten sich über Zusatzgeschäft. Auch der Dezember ist bislang zu warm gewesen - an den verbleibenden drei Tagen wird der Schnitt nicht mehr deutlich gesenkt werden. Ursache für diese Wärme, sagt Meteorologe Fricke, war eine Häufung von Wetterlagen mit viel Sonnenschein: Im Frühjahr schien die Sonne 50 Prozent häufiger als normal, im November sogar doppelt so lange wie im Durchschnitt. „Im Oktober und November hatten wir mehr Sonnenschein als im Juni und Juli“, sagt der Experte.

Am längsten schien die Sonne im August (fast 271 Stunden) - doch die größte Abweichung im Vergleich zum Durchschnitt brachte der sonnige November mit sich: In diesem Monat verzeichneten die Meteorologen auf dem Hohenpeißenberg 190,6 Sonnenstunden. Das ist ein Plus von 105 Prozent.

Wärme plus Sonne - und in manchen Monaten arg wenig Regen: Das setzte der Natur ziemlich zu. Im April sehnten sich die Landwirte nach Niederschlag. Weil es nur etwa ein Drittel der üblichen Menge geregnet hatte, drohten Ernteeinbußen. Nach einem Sommer mit zahlreichen heftigen Gewittern mit Stürmen und Hagel, aber keinen übermäßig großen Regenmengen war der Wald im Herbst staubtrocken. Der November mit nur 0,2 Millimeter Niederschlag toppte das noch - dieser Monat war laut Fricke sowohl der trockenste November als auch der trockenste Monat überhaupt seit 1781. Fischer beklagten in einigen Bächen kritische Tiefstwerte, die Brandgefahr stieg im Lauf des Monats massiv an. Waldbrände wie der am Sylvensteinspeicher im Kreis Bad Tölz -Wolfratshausen stellte die Feuerwehren vor große Herausforderungen.

2011 - das wärmste bayerische Jahr aller Zeiten. Liegt das am Klimawandel? „Der Trend zur Erwärmung geht weiter“, sagt Fricke. Das sei zwar kein wasserdichter Beweis für den Klimawandel, aber doch ein Anzeichen. „Wir sorgen uns“, sagt der Wetterexperte, „aber wir haben keine Panik.“ Seit 1781 werden am Hohen Peißenberg Wetterbeobachtungen gemacht, die wärmsten Jahre waren alle in jüngster Vergangenheit: 1994, 2000, 2003 und jetzt eben das Rekordjahr 2011, das mit einer durchschnittlichen Temperatur von 8,5 Grad um 2 Grad über dem langjährigen Mittel liegt und 0,3 Grad wärmer als das bisher wärmste Jahr ist. „Das ist schon kräftig“, sagt Fricke.

Übrigens war es nicht nur im oberbayerischen Bergland überdurchschnittlich warm: Der Wetterdienst wird am heutigen Donnerstag seine Jahresbilanz für ganz Deutschland veröffentlichen. Die Temperaturen lagen mehr als ein Grad über dem Schnitt. Damit zählt 2011 bundesweit zu den zehn wärmsten Jahren seit 1881.

Carina Lechner

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