Wetter-Achterbahn: So war der Frühling

München - Regen, Trockenheit, Regen, Trockenheit. Der Frühling in Bayern war ein Frühling der Extreme. Im Freistaat ist Deutschlands heißester und nassester Ort. Pünktlich zum Beginn des meteorologischen Sommers ziehen wir eine (Un-)Wetter-Bilanz.

Des einen Freud, des andern Leid. Während in den letzten Wochen viele Bauern ihre Felder mühsam bewässern mussten, weil lange Zeit einfach kein Regen fallen wollte, freuten sich die Allgäuer Armin Gross und Markus Rainalter über das Wetter.

Die beiden Freunde, die seit heuer im Ostallgäu auf 860 Metern Höhe den höchsten Weinberg Deutschlands betreiben, sind stolz auf ihre rund 50 Rebstöcke: „Keinerlei Frostschäden, die Reben treiben schon gut aus“, sagt Reinalter. Die milden Temperaturen verwöhnen geradezu die Allgäuer Traube.

Dagegen klingt der Leiter des Deutschen Wetterdienstes in München schon fast pessimistisch: „Der Frühling war insgesamt zu warm“, sagt Volker Wünsche. „In vielen Gebieten Bayerns teilweise um drei Grad Celsius.“ Gleichzeitig war Bayern aber auch eine der kältesten Regionen Deutschlands – mit durchschnittlich 9,7 Grad. Und das, obwohl das Quecksilber am 26. Mai in Regensburg mit 31,3° Grad auf den deutschlandweit höchsten Wert kletterte. Als wäre dies nicht schon paradox genug, sorgt auch der Niederschlag für Verwirrung: Bayern war mit 131 Litern pro Quadratmeter das nasseste Bundesland und Reit im Winkl (Landkreis Traunstein) mit 319 Litern Regen der niederschlagsreichste deutsche Ort. Obwohl etwa der Raum München dieses Jahr viel zu trocken war. „Das langjährige Mittel für die Niederschlagssumme für die Monate März, April und Mai liegt hier bei 246 Litern. Gefallen sind aber nur rund 187 Liter. Das ist rund ein Viertel weniger“, berichtet Volker Wünsche. Das führte auch dazu, dass im Freistaat lange Zeit Waldbrandgefahrenstufe vier herrschte. Feuerwehren löschten dutzende Waldbrände, die Feuerbeobachter in ihren Flugzeugen schoben Überstunden. Der DWD erfasste 752 Sonnenstunden, normal wären 462 gewesen.

Wie geht das alles denn zusammen? Klimawandel? Bei solchen Schlagworten sind Wissenschaftler, insbesondere Meteorologen, sehr vorsichtig. Volker Rühe sagt: „Zumindest passt dieser Witterungsabschnitt, was die Temperatur anbelangt, in den langfristigen Trend der globalen Temperaturzunahme.“ Landwirte und Gartenbesitzer hätten sich sicherlich mehr Regen gewünscht. Ausschlaggebend für die Witterung in diesem Frühling war dem Chef-Meteorologen zufolge die Tatsache, dass immer wieder Hochdruckgebiete mit trockenen Luftmassen hereindrückten. Tiefdruckgebiete gestalteten das Wetter seltener und wären oft nur in abgeschwächter Form wetterwirksam gewesen.

Auf die Eine-Million-Euro-Frage, wie das Wetter im Sommer wird, sagt Wünsche: „Von dem zu trockenen Frühling lassen sich keine Schlussfolgerungen auf den kommenden Sommer ziehen.“ Schade.

Immerhin – die Allgäuer Weinbauern bleiben optimistisch. Markus Reinalter und Armin Gross haben auf ihrem Weinberg vor kurzem noch einmal 30 Rebstöcke dazugepflanzt. „Weil viele sonst gar nicht sehen, dass hier ein Weinberg steht“, sagt Reinalter.

Für den ersten Junitag kündigt der Deutsche Wetterdienst bereits Schauer und Gewitter an.

Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © dpa

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