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Sessellift ins Glück: Wintersportler im Skigebiet der Zugspitze auf dem Weg zum Gipfel. Viele von ihnen übernachten in Garmisch-Partenkirchen, allerdings bleiben die Touristen immer kürzer. Früher übernachteten sie im Schnitt mehr als fünf Tage, heute sind es noch knapp drei Tage.

BR-Winterstudie

Skigebiete vor großen Herausforderungen: Schnee von morgen

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München - Eine gigantische BR-Winterstudie zeigt, welche bayerischen Skiorte für eine Zukunft mit weniger Schnee gerüstet sind.

Es ist eine gewaltige Studie, die jetzt erstmals vorliegt. Der Bayerische Rundfunk hat detaillierte Klima- und Tourismusdaten zu 101 Gemeinden im Voralpenraum ausgewertet – von Schönau am Königssee über Kreuth, Oberammergau bis nach Oberstaufen. Das Ergebnis ist ein umfassendes Bild der Wintersportregion Bayern. Einige Überraschungen stecken dabei hinter den Daten: Die Schneehöhen, das ist bekannt, sinken in ganz Bayern, allerdings gibt es Gebiete, die in letzter Zeit einen regelrechten Boom zu verzeichnen haben, während andere drastisch verloren haben. Vor allem die Übernachtungszahlen im Einzugsgebiet von München haben in den vergangenen 20 Jahren stärker abgenommen als im gesamten bayerischen Alpenraum.

Sämtliche Grafiken finden sich im Internet unter: schnee-von-morgen.br.de

Wir werfen an dieser Stelle Schlaglichter auf besonders interessante bayerische Wintersportorte.

Garmisch-Partenkirchen – nur noch halb so viel Schnee

Den Winter 1980 werden sie im 719 Meter hoch gelegenen Garmisch-Partenkirchen nie vergessen – durchschnittlich 39,7 Zentimeter Schnee hatten sie damals im Winterhalbjahr. Ein absoluter Rekordwert in den letzten Jahrzehnten. Zuletzt waren es nur noch Durchschnittswerte von 7,6 Zentimetern (2014) und 2,4 Zentimetern (2013). Im langfristigen Trend hat die Schneemenge seit 1961 um 49 Prozent abgenommen (siehe Grafik unten). Gleichzeitig ist die Temperatur im Winterhalbjahr um 1,4 Grad gestiegen.

Es wird wärmer, und der Schnee bleibt aus – aber viele Touristen bleiben Garmisch-Partenkirchen trotzdem treu. Letztes Jahr gab es 371 906 Übernachtungen im Winterhalbjahr, das sind zum Beispiel sieben Prozent mehr als 1982. Allerdings übernachteten die Wintersportfans 1982 im Schnitt noch über fünf Tage in der Marktgemeinde, zuletzt waren es nur noch knapp drei. Der Skiurlaub in der Region Garmisch-Partenkirchen wird ganz offensichtlich kürzer. Ein Trend, der auch für die Nachbarorte Grainau, Krün, Farchant und Wallgau gilt.

Balderschwang – eine Erfolgsgeschichte im Allgäu

Das Örtchen Balderschwang im Allgäu hat gerade mal 318 Einwohner, aber davon darf man sich nicht blenden lassen. Die Gemeinde im Landkreis Oberallgäu ist eine Erfolgsgeschichte. Die Balderschwanger haben nicht nur den höchstgelegenen Ortskern (1044 Meter), sondern bei ihnen ist auch ein kleines Wintermärchen passiert.

Die Zahl der Übernachtungsgäste ist im Vergleich mit dem Jahr 1982 um 237 Prozent gestiegen, im letzten Winterhalbjahr kamen 20 836 Ski- und Schneebegeisterte zum Übernachten in das Dorf. Die Zahl der Übernachtungen hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt. Obwohl im gesamten Alpenraum die Zahl der Übernachtungen eher rückläufig ist.

Was macht Balderschwang besser als andere Skiorte? Konrad Kienle (CSU) ist Bürgermeister des Dorfes. Er sagte dem BR: „Es wird immer extremer – entweder viel Schnee oder kein Schnee.“ Und: „Wir müssen mit dem Wetter leben – und wenn wir hier bleiben wollen, dann müssen wir diese Herausforderung annehmen.“ Balderschwang hat sein Glück in neuen Tourismuszweigen gefunden. „Es ist immer ganz wichtig, dass man nicht nur auf ein Pferd setzt“, sagt Kienle. Das so einfache wie erfolgversprechende Konzept heißt: Vielfalt. Geführte Winterwanderung, ein ausgewiesener Naturpark, regionale Schmankerl wie Almkäse, Alpenkuren, Handwerksmärkte. Hier im Allgäu setzen sie auf Tourismuskonzepte, die mit und ohne Schnee funktionieren. Klar, viele kommen zum Skifahren her, aber auch immer mehr Gäste, die die Natur genießen wollen. Der Bürgermeister sagt: Es sei gut, wenn man auf einem Stuhl sitzt, der fünf Beine hat – „denn dann kann man eines wegschlagen“.

Reit im Winkl – immer weniger Übernachtungen

Reit im Winkl im Landkreis Traunstein ist einer der bekanntesten bayerischen Wintersportorte. Ein Großteil der Einwohner lebt vom Tourismus, insgesamt gibt es in der Gemeinde rund 5000 Gästebetten. Jeder schlechte Winter trifft den Ort hart. Zwei Trends machen dem 685 Meter hoch gelegenen Luftkurort momentan zu schaffen. Erstens: der Rückgang an Übernachtungen. Im Winterhalbjahr 2014 waren es 205 805 Übernachtungen, in den 1980er-Jahren kamen deutlich mehr Touristen. Und auch in den 1990er-Jahren hatten die Gemeinde weit über 250 000 Übernachtungen pro Winterhalbjahr. Damals kamen viele Gäste aus den neuen Bundesländern in den berühmten Wintersportort.

Die zweite Negativentwicklung: die Touristen bleiben immer kürzer. 1982 dauerte ein durchschnittlicher Winterurlaub in Reit im Winkl über zehn Tage, im Jahr 2000 waren es noch acht Tage, 2014 nur noch knapp fünf Tage.

Vor Ort wissen die Verantwortlichen, dass Gemeinden wie Balderschwang einen Vorsprung haben, was vielfältigen, nachhaltigen Wintertourismus betrifft. Josef Heigenhauser (Freie Wähler) ist der Bürgermeister von Reit im Winkl. Er sagt: „Da hat uns das Allgäu bestimmt einiges voraus. Sie haben es geschafft, eine Marke zu bilden. Das hat unsere Tourismusregion nicht geschafft, das muss man ganz klar sagen.“ Ein Beispiel: Es gab die Idee, auf einer Alm eine Schaukäserei zu eröffnen, um Touristen völlig unabhängig vom Schnee anzulocken. Der örtliche Vorsitzende des Bauernverbands sagte dem BR, dass er keinen Berufskollegen überzeugen konnte, bei so einem Projekt miteinzusteigen. So bleibt Reit im Winkl weiter abhängig vom Schnee. Eine riskante Strategie in Zeiten der Klimaerwärmung.

Wendelstein – weniger Schneetage im Jahr

1964 hat es auf dem Wendelstein alleine im Winterhalbjahr an 181 Tagen geschneit, 1986 waren es noch 179 Tage. Aber auch vor dem 1838 Meter hohen Berg im Mangfallgebirge macht der Klimawandel nicht halt. 2006 hat es nur noch an 141 Tagen geschneit, 2008 an 168 Tagen und 2010 an 141 Tagen. Auch die Schneehöhe hat seit 1961 um 53 Prozent abgenommen. Im Schnitt liegen im Winterhalbjahr auf dem Wendelstein knapp 30 Zentimeter Schnee, Tendenz weiter fallend. Der Wendelstein ist ein reines Naturschneegebiet. Durch die Daten lassen sich Rückschlüsse auf die benachbarten Skigebiete Spitzingsee und Sudelfeld ziehen, wo zusätzlich fleißig mit Schneekanonen beschneit wird.

Bernau – Magnet am Chiemsee

1982, so hat alles angefangen, kamen gerade mal 1770 Übernachtungsgäste im Winterhalbjahr nach Bernau am Chiemsee. Im Jahr darauf waren es schon 2871. Es ist der Beginn eines kleinen, aber feinen Booms – Bernau zieht die Touristen auch im Winter nach Oberbayern. 1990 kamen 5785 Übernachtungsgäste, 2001 waren es über 6000 und zuletzt im Jahr 2014 sogar 6417 Übernachtungsgäste. Auch die Zahl der Übernachtungen hat sich in den letzten drei Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Im gleichen Zeitraum hat zum Beispiel die Nachbargemeinde Grassau 13 Prozent an Übernachtungen verloren.

Bad Reichenhall – eine Stadt wird wärmer

Bad Reichenhall, die Kurstadt im Berchtesgadener Land, ist besonders von der Klimaerwärmung betroffen. Die Durchschnittstemperatur im Winterhalbjahr hat seit 1961 um satte 2,5 Grad zugenommen. Zuletzt lag die Durchschnittstemperatur bei über 3 Grad, 1997 hatte es im Schnitt sogar 5,2 Grad. Der letzte Winter, in dem es durchschnittliche Temperaturen unter 0 Grad hatte, liegt auch in Bad Reichenhall lange zurück: 1962 lag die Durchschnittstemperatur bei minus 1,3 Grad. Die Kreisstadt an der Grenze zu Österreich hatte zuletzt 158 449 Übernachtungen im Winter 2014, das sind 30 000 Übernachtungen weniger als in den 1980er-Jahren, aber ungefähr genau so viele wie in den 1990-Jahren. In dieser Hinsicht ist Bad Reichenhall konstant, aber ein anderer Trend erwischt die Hoteliers und die Vermieter von Ferienwohnungen auch hier: Der Winterurlaub wird kürzer. Vor 20 Jahren blieb ein Gast über fünf Tage, in den letzten Jahren im Schnitt nur noch drei Tage.

Bad Tölz – Flaute in der Kurstadt

Glaubt man der BR-Studie, dann ist Bad Tölz einer der größten Verlierer der letzten Jahrzehnte, wenn es um Winterurlaub geht. Ende der 1980er-Jahren gab es in dem Kurort alleine im Winterhalbjahr jährlich um die 300 000 Übernachtungen, im Rekordjahr 1994 sogar fast 434 000. Doch dann folgte ein Einbruch, der seinesgleichen sucht. 1997 gab es nur noch 182 000 Übernachtungen, 2008 waren es 109 000. Zuletzt gab es einen leichten Aufwärtstrend. Allerdings sind die tollen Jahre längst vorbei. Es gab Jahre (1986), da verbrachten die Gäste im Schnitt fast 18 Tage in der Kurstadt Bad Tölz, um eine Anwendung auf die nächste folgen zu lassen. 2000 betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Winterhalbjahr gut sieben Tage, zuletzt waren’s noch 4,6 Tage.

Da ist jetzt allerdings wahrscheinlich nicht der Winter daran schuld, sondern die Tatsache, dass Bad Tölz inzwischen nicht mehr zum Dauer-Urlaub einlädt, sondern zur Durchreise.

Hier können Sie die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte selbst nachvollziehen: 

Das interaktive Recherchetool des BR für die Tourismus- und Klimadaten im bayerischen Alpenraum

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