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Heißer geht’s nicht: Stefan Klosta steht im Biergarten Forsthaus Kasten am Grill, Freundin Nadine Malherbe bereitet Salate zu – diesen Sommer mehr denn je.

Bayern erzählen ihre Hitze-Erfahrungen

Stefan aus Namibia: "Eine solche Hitze habe ich noch nie erlebt"

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    Katrin Woitsch
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München - Schwitz, trief, kleb – dieser Sommer hat die Menschen im Freistaat ganz schön viel Flüssigkeit gekostet. Zum Herbstanfang am 1. September hat der Münchner Merkur einige Bayern gefragt, wie sie die heißen Monate erlebt haben.

Wetter in Bayern: Aufrecht im Wasser

Der schnellste Mann weltweit – zumindest auf dem Brett. Connor Baxter aus Hawaii ist in der Standup-Paddler-Szene eine Berühmtheit. Im Juni war er zu Besuch am Starnberger See.

Ganz neu ist die Sportart nicht, aber die vergangenen Monate waren vielleicht sowas wie der Durchbruch fürs Standup Paddling. „Das war für die ganze Branche ein Traumsommer“, sagt Eliane Droemer, 42. Sie ist Inhaberin des „SUP Club Starnberg“ im Wasserpark des Starnberger Sees, verleiht Paddel-Boards und bietet Kurse an. Eins ist mal klar: In diesem Jahr standen die Leute bei ihr Schlange. Droemer glaubt, dass sie allein am Starnberger See an die 1000 Menschen fürs Standup Paddling gewinnen konnte, Sechsjährige, 70-Jährige, Familien, „auch viele, die sonst kaum Sport machen“.

Den Kollegen an den anderen Seen ging’s ähnlich, sagt Droemer. Der Sommer bot sich übrigens auch an, ein paar Variationen des Paddelns auszuprobieren. Manche machten Yoga auf ihren Boards, andere Pilates. Ähm, und warum muss man sich dafür auf ein Brett legen und auf den See paddeln? „Auf dem Wasser“, sagt Droemer, „arbeitet die ganze Zeit die Tiefenmuskulatur, um die Balance zu halten.“ Training und Hitze – SUP-Yogis schwitzten also doppelt. Dass es ab morgen kühler werden soll, lässt Droemers kalt. „Wir haben Neoprenanzüge.“ Die halten auch warm.

Wetter in Bayern: Retten was geht

Nach zwei eher schlaffen Bade-Sommern hat es die Bayern in diesem Jahr wieder ans Wasser gezogen. Nur als Anhaltspunkt: Das Strandbad des Wasserparks am Starnberger See haben nach Angaben der Stadt Starnberg heuer schon 65 000 Menschen besucht. Im Rekordsommer 2003 waren es insgesamt rund 50.000.

Für alles gerüstet: Rettungsschwimmer Peter Knoblich hatte heuer ziemlich viel zu tun. Den Sommer konnte er trotzdem genießen.

Menschen en masse – Peter Knoblich, 46, kann ein Liedchen davon singen. Er ist Rettungsschwimmer bei der Wasserwacht Wolfratshausen, ehrenamtlich natürlich, und ist an Isar, Loisach und Starnberger See im Einsatz. Ein besonderes Problem waren Wespenstiche. 45 an einem Tag seien keine Seltenheit gewesen, sagt Knoblich. Oft waren auch Allergiker dabei. „Wir hatten in diesem Jahr auch viele Badeunfälle“, sagt der 46-Jährige, einige gingen glücklicher aus als erwartet. Vor einigen Wochen suchten Knoblich und seine Kollegen Stundenlang nach einem Vermissten mit Rollator. „Als wir schon aufgeben wollten, bellte der Spürhund.“ Der Mann lag in einem Gebüsch – und überlebte.

Trotz vieler Einsätze konnte Knoblich den Sommer am See (oder am Fluss) genießen. „Mit dem Schiff über den See zu fahren, ist immer schön. Und es ist ein gutes Gefühl, im Fall der Fälle helfen zu können.“

Wetter in Bayern: Schwitzen am Grill

Stefan Klosta stammt aus Namibia. „Ich weiß, was Hitze ist“, sagt er. „Aber sowas wie diesen Sommer habe ich noch nicht erlebt.“ Der 28-Jährige hat mehr geschwitzt als die meisten anderen in Bayern. Das liegt an seinem Job. Er arbeitet im Biergarten des Forsthauses Kasten im Kreis München – und zwar am Grill. „Es gab Tage, die waren einfach der Wahnsinn“, erzählt er. Stundenlanges Spareribs-Wenden. „Ich bin ein absoluter Sommer-Mensch“, sagt Klosta. „Aber an diesen Sommer musste ich mich erstmal gewöhnen.“

Die Späßchen, die er mit den Biergarten-Gästen macht, haben ein bisschen von der Hitze abgelenkt, verrät er. Und noch etwas hat es Stefan Klosta leicht gemacht, in die Arbeit zu gehen: Seine Freundin Nadine Malherbe (20) arbeitet im selben Biergarten. Sie ist für die kalte Küche zuständig – und hat wohl noch nie so viele Salate gemacht wie diesen Sommer. „Ich hatte jeden Tag alle Hände voll zu tun“, sagt sie. Es gab schließlich kaum Tage ohne Biergarten-Wetter.

Wer nun aber vermutet, dass die beiden privat um jeden Biergarten einen großen Bogen machen, der liegt gründlich falsch. „Wir haben unsere freien Tage ausgiebig genutzt, um auch die andere Seite auszukosten – und uns in einem Biergarten bedienen zu lassen.“

Wetter in Bayern: Deutlich zu warm

Dieser Sommer war sogar für Meteorologen außergewöhnlich. Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sagt: „Er ist deutlich zu warm ausgefallen.“ Das lässt sich exemplarisch an den Messwerten der Stadt München sehen: Mit 22,6 Grad Durchschnittstemperatur im Juli und 21,8 Grad im August waren beide Sommermonate jeweils um 4,7 Grad zu heiß. Nur der Rekordsommer 2003 ließ die Bayern noch mehr schwitzen. Noch eindrucksvoller ist die Zahl an Tagen mit mehr als 30 Grad. Während es im Juli und August über die Jahre je zwei solcher Tage gab, waren es heuer 13 (Juli), beziehungsweise 17 (August). „Das ist die höchste Zahl heißer Tagen, die mir bekannt ist“, sagt Wünsche.

Seit Jahren steigt die Zahl an heißen Tagen. In diesem Jahr hat das in manchen Gebieten Bayerns zu großer Trockenheit geführt. Franken hat es besonders getroffen, aber auch Oberbayern blieb nicht verschont. So fielen in München mit 42,8 Liter pro Quadratmeter nur 37,4 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge. Wünsche sagt: „Man kann schon fast von Trockenperioden sprechen.“

Grund für die Hitzewellen waren Tiefdruckgebiete über Westeuropa, die heiße Luft aus Spanien und Afrika nach Bayern gebracht haben. Spätestens ab Mittwoch ist damit erstmal Schluss. Dann pendeln sich die Temperaturen bei 15 bis 21 Grad ein. Ironie des Wettergottes: Für einen September ist das etwas zu kühl.  

Mit dem meteorologischen Herbstanfang am 1. September kommt auch das kühlere Wetter nach Bayern: Bis zu 15 Grad Temperatursturz sind möglich. Die kommenden Wochen versprechen aber angenehme Temperaturen - ein Wohlfühlherbst soll es nach ersten Prognosen werden.

mmä/kwo

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