Meteorologe erklärt

Frühling im Februar: "Extreme sind normal"

München - Temperaturen von rund 20 Grad lockten die Menschen in München am Samstag hinaus in Cafés, Parks und Biergärten. Meteorologen sprechen vom wärmsten 15. Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Das Jahr 1975 war wettertechnisch gesehen kein gutes: Der Winter viel zu mild, präsentierten sich Frühjahr und Sommer nass und kalt. Showmaster Rudi Carrell schließlich inspirierte die Kälte so sehr, dass er folgende Zeilen dichtete: „Wir brauchten früher keine große Reise. Wir wurden braun auf Borkum und auf Sylt. Doch heute sind die Braunen nur noch Weiße. Denn hier wird man ja doch nur tiefgekühlt.“ Der Titel dieses Schlagers wird heute noch immer mal wieder bemüht: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“

Dass auch der diesjährige Sommer angesichts des warmen Winters sibirisch wird, mag man beim Deutschen Wetterdienst (DWD) noch nicht bestätigen. Im Gegenteil, weiß Meteorologe Christian Freuer: „Es kam auch schon häufig vor, dass auf warme Winter eher heiße als kühle Sommer folgten.“

Überhaupt, warnt Freuer, solle man den diesjährigen Winter noch nicht abschreiben. „In Nord- und Osteuropa liegt noch extrem kalte Luft.“ Wenn der sogenannte Westwindimpuls nachlasse, „kann’s hier nochmal richtig kalt werden“. Die richtig großen Schneefälle seien in den vergangenen Jahren ohnehin häufig erst im Frühjahr gekommen.

Frühling im Februar: Die Bilder unserer Leser

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Klar, das gibt auch Freuer zu, passiere es nicht so häufig, dass sich „ein eingefahrenes Wettermuster so lange hält wie in diesem Jahr“. Allerdings seien die am Samstag gemessenen 19,4 Grad eben nur ein Extremwert, „und Extreme sind normal“. So habe der DWD am 12. Januar 1993 in München etwa 18,9 Grad gemessen, und Anfang Februar 2004 sei das Thermometer auf 19,1 Grad geklettert. „Der Föhn macht hier in Süddeutschland einfach Dinge möglich, die es andernorts nicht gibt“, sagt Meteorologe Freuer, der von Berufswegen und als Norddeutscher sowieso immer wieder über die Münchner Wetterlagen ins Staunen gerät.

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In den kommenden Tagen immerhin wird das Wetter wenn schon nicht winterlicher, so doch zumindest wechselhafter. Die Westwindwetterlage, die Freuer zufolge für die milden Temperaturen sorgt, geht zwar weiter; das Thermometer wird aber nicht mehr über die Sechs-Grad-Marke steigen.

Trotz aller Erkenntnisse über den Klimawandel warnt DWD-Experte Freuer daher vor zu einfachen Schlussfolgerungen: „Wenn Menschen von den wärmsten Wetterlagen seit Menschengedenken sprechen, meinen sie meistens nur vorgestern.“

Stefanie Zipfer

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