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Völlig zugeschneit: Das Kärlingerhaus am Funtensee in den Berchtesgardener Alpen.

Saisonstart vermasselt

Hüttenwirte kämpfen gegen Schneemassen - Alpenverein mit Warnung an Wanderer

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Am Wochenende lockt bestes Wanderwetter. Doch die sommerlichen Temperaturen im Tal trügen. Viele Hüttenwirte müssen wegen der Schneemassen ihren Saisonstart verschieben. Der Alpenverein warnt ausdrücklich vor Touren im Hochgebirge.

München – Die vergangenen Wochen hat Stefan Müller kräftig geschuftet. „Der Schnee ist hart wie Beton. Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon mal so heftig war“, sagt der Wirt der Hochlandhütte bei Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Die Hütte auf 1630 Metern wird eigentlich mit dem Helikopter versorgt. Doch dafür musste erst einmal ein Landeplatz freigeschaufelt werden. „Unsere erste Lieferung war dann eine Schneefräse“, sagt Müller. Zweieinhalb Wochen waren die Wirtsleute damit beschäftigt, ihre Hütte für Wanderer wieder zugänglich zu machen. Jetzt ist es geschafft, ab dem heutigen Samstag ist die Hochlandhütte wieder geöffnet. „Zumindest über den 260er-Wanderweg sind wir jetzt erreichbar“, sagt Müller.

Im Hochgebirge liegt noch ungewöhnlich viel Schnee für die Jahreszeit

Er ist dem Schnee noch rechtzeitig Herr geworden. Doch viele Hütten in Bayern und besonders in Österreich und Südtirol müssen in diesem Jahr ihren Saisonstart verschieben. Denn die kräftigen Regenfälle der vergangenen Wochen kamen im Hochgebirge fast ausschließlich als Schnee vom Himmel. „Bei vielen Hütten geht es heuer zwei Wochen später los“, sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein. „Das ist schon sehr ungewöhnlich.“

Schneeschaufeln an der Hochlandhütte Ende Mai.

Vor allem oberhalb von 1500 Metern liegt noch extrem viel Schnee für diese Jahreszeit und daran werden auch die sommerlichen Temperaturen am Wochenende nichts ändern. An der Zugspitze wurden zuletzt über 6,5 Meter Schnee gemessen. In der Nacht zum Freitag hat es schon wieder geschneit. Es herrschten leichte Minusgrade.

Wanderungen im Hochgebirge kaum möglich 

Auch am Kärlingerhaus in den Berchtesgadener Alpen liegen auf gut 1600 Metern noch drei Meter Schnee. „Unerfahrene Bergsportler sollten unbedingt unterhalb der Schneegrenze bleiben“, mahnt Bucher. Auch für Erfahrene ist die Überquerung von Schneefeldern eine gefährliche Herausforderung. „Wanderungen im Hochgebirge sind momentan eigentlich kaum möglich“, warnt Bucher.

Hütten vom Schnee beschädigt und unerreichbar

In Österreich und Südtirol ist die Lage der Höhe entsprechend noch komplizierter. Wie der Österreichische Alpenverein mitteilt, sind Dutzende Hütten in mittleren und hohen Lagen, die eigentlich schon Ende Mai oder Anfang Juni den Betrieb aufnehmen wollten, noch nicht erreichbar. Viele Hütten wurden zudem von den Schneemassen massiv beschädigt. So ist etwa die beliebte Totalphütte in Vorarlberg von einer Staublawine fast komplett zerstört worden. Sie soll für 2,5 Millionen Euro wieder aufgebaut werden.

Der Timmelsjoch-Grenzpass vom Tiroler Ötztal ins Südtiroler Passeiertal bleibt wegen der hohen Lawinengefahr an diesem Wochenende noch geschlossen. Die Lawinenkommission rechnet laut ORF mit einer Öffnung frühestens Mitte der Woche – das wäre so spät wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auf der Toni-Demetz-Hütte, die auf 2685 Metern in der Langkofelscharte der Dolomiten liegt, reichte der Schnee bis über die Fenster im ersten Stock. Da war reichlich Muskelkraft von Nöten, um die Haustüre freizubekommen.

Wanderer sollten nur absolut sicherere Touren planen

Wen trotz allem aber die Wanderlust packt, der sollte sich dringend vorab bei seiner Zielhütte telefonisch über die Schneelage informieren, rät der Alpenverein. Gute Ausrüstung und eine sichere Tourenplanung seien angesichts dieser Verhältnisse noch wichtiger als sonst. Eine laufend aktualisierte Übersicht mit den Öffnungsterminen aller DAV-Hütten gibt es unter www.alpenverein.de.

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Der Mai war bisher sehr kühl, doch schon bald wird die 30-Grad-Marke geknackt –trotzdem könnte es ungemütlich werden.

Auf Touren in den Hochalpen kommt es immer öfter zu schweren Unfällen . Der Deutsche Alpenverein sieht in dem Klimawandel eine der Ursachen.

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