Expertin im Interview

Heute 30, morgen 15 Grad: Das macht der Wetterirrsinn mit uns

München - Frühsommer für einen halben Tag: Temperaturen von bis zu 30 Grad sind für heute Vormittag angesagt - doch am Nachmittag wird es ungemütlich. So kommt unser Körper mit den Wetterkapriolen klar.

Es wird ein kurzes Gastspiel, das sich die Sonne in Bayern gibt: Die Meteorologen rechnen am heutigen Dienstag mit Höchstwerten von bis zu 28 Grad. „Im Chiemgau könnte es sogar bis zu 30 Grad warm werden“, sagt ein Sprecher des Deutschen Wetterdiensts. „Es wird wohl der bisher heißeste Tag des Jahres werden.“

Allerdings kein „supersonniger“ Tag, betont der Meteorologe. Es wird auch vormittags leicht bewölkt sein, mit blauem Himmel ist eher nicht zu rechnen. Dass das Thermometer Anfang Mai auf Werte um 30 Grad steigt, ist laut der Meteorologen aber nichts Ungewöhnliches. 2003 wurden in München am 5. Mai beispielsweise 31,8 Grad gemessen.

Das schöne Wetter hält diesmal aber leider nicht lange an. Denn auf die warme Luft, die aus Nordafrika nach Bayern getrieben wird, folgt direkt eine Kaltfront. Und die sorgt dafür, dass schon am Nachmittag und Abend Schauer und Gewitter über Bayern ziehen. Die Meteorologen erwarten südlich der Donau Regen und Sturmböen, es könnte auch zu lokalen Unwettern kommen.

Die Aussichten für die kommenden Tage sind erstmal nicht viel besser. „Mittwoch bleibt es regnerisch“, kündigt der Meteorologe an. Erst am Freitag könnte das Thermometer wieder auf mehr als 20 Grad klettern. Auch am Wochenende bleibt es wechselhaft, der freundlichste Tag wird vermutlich der Sonntag – der Muttertag.

Darum machen uns extreme Temperaturschwankungen zu schaffen

Die Medizin-Meteorologin Angelika Grätz erklärt, warum uns extreme Temperaturschwankungen zu schaffen machen – und wie wir es uns mit Wetterwechseln ein bisschen leichter machen können.

Wie wetterfühlig sind die Deutschen?

Es gibt bisher keine verlässliche Statistik dazu. Erwiesen ist aber, dass extreme Wetterumschwünge für alte und chronisch kranke Menschen belastend sind.

Müssten wir als Mitteleuropäer nicht schon an ständige Wetterwechsel gewöhnt sein? 

Nein, gewöhnen können wir uns daran nicht. Temperaturwechsel haben viel Einfluss auf bestimmte Körpereigenschaften. Wenn ich gesund bin, macht mir der Wetterumschwung weniger zu schaffen. Aber ich spüre natürlich, dass mein Körper mehr arbeiten muss. Wer geschwächt ist, spricht viel schneller von Wetterfühligkeit.

Was passiert in unserem Körper durch extreme Temperaturwechsel?  Wir reagieren einfach intensiver. Wer sowieso zu Kopfschmerzen neigt, wird noch mehr darunter leiden. Wer einen schlechten Schlaf hat, schläft noch schlechter. Das ist also sehr individuell. Das Wetter macht uns definitiv nicht krank – es verstärkt nur die Symptome.

Medizin-Meteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst.

Schieben wir es manchmal zu schnell aufs Wetter, wenn wir uns schlapp fühlen? Manchmal suchen wir wirklich nach einem Sündenbock. Wer sich nicht so viele Gedanken über Wetterschwankungen macht, wird auch nicht so viel merken. Ein Beispiel: Wenn wir im Winter bei der Kälte draußen spazieren gehen und danach ins Warme kommen, reagiert der Körper auch. Wenn er friert, konzentriert er das Blut im Körperkern, wird es wärmer, gibt er das Blut wieder nach außen ab. Dadurch sinkt der Blutdruck – und wir werden schlagartig müde.

Was ist für uns leichter zu ertragen: Extreme Wetterwechsel oder wochenlang Grau in Grau?

Für den Normalbürger bestimmt die Wetterwechsel. Helligkeit und ein paar Sonnenstrahlen sind wichtig für uns. Für mich wäre die Vorstellung schrecklich, den ganzen Winter auf den Kanarischen Inseln zu verbringen. Ich leide lieber, um mich über einen Wetterumschwung dann richtig freuen zu können. Und ich glaube, das geht vielen Mitteleuropäern so.

Was setzt dem Körper am meisten zu?

Die zwei Extreme Hitze und Kälte. Und die Wechsel von einem ins andere. Heute wird es nicht nur deutlich wärmer als die letzten Tage – sondern auch schwül. Dadurch gibt der Körper noch schlechter Wärme ab. Außerdem neigen wir nach dem Winter noch dazu, uns ein bisschen zu warm anzuziehen.

Sind Wetterumschwünge im Frühling deshalb schwieriger zu verkraften als im Sommer? 

Nein. Wenn die Temperatur im Sommer plötzlich stark ansteigt, dann gleich in viel extremere Temperaturen. Damit kommen wir noch viel schlechter klar. 25 Grad empfinden wir als sehr angenehm.

Haben Sie einen Tipp, wie man sich Wetterwechsel etwas angenehmer gestalten kann?

Wichtig ist es, sich richtig zu kleiden. Wer weiß, dass er wetterfühlig ist, sollte seinen Organismus im Vorfeld etwas trainieren. Das heißt, gelegentlich Spaziergänge machen. Damit der Körper sich langsam an wärmere Tage gewöhnen kann. Ein guter Fitnesszustand ist natürlich hilfreich. Um am wichtigsten ist: viel Wasser trinken.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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