+
Völlige Flaute herrscht derzeit im Betrieb von Monika Schweigert am Wörthsee. Wegen des miesen Wetters musste sie zahlreiche Segelkurse absagen. Auch Leihboote bleiben derzeit an Land. Noch so eine Saison, sagt die Mitinhaberin einer Sportsegelschule, würden sie nicht überstehen.

Gewinner und Verlierer des Sauwetters

Kältester Frühling seit über 40 Jahren

München - Am kommenden Samstag ist meteorologischer Sommerbeginn. Davon ist aber noch herzlich wenig zu spüren. Ein Überblick über Gewinner und Verlierer.

Der laut Wetterexperten kälteste Frühling seit über 40 Jahren schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Manche Unternehmer sehen gar ihre Existenz bedroht.

So wird das Wetter die nächsten Tage

Besserung ist für die nächsten Tage laut Anna Gröbel von wetter.com nicht in Sicht. „Nur am Dienstag wird es etwas freundlicher. Das ist aber von kurzer Dauer. Abends kann es schon wieder gewittern“, sagt die Meteorologin. Es könnte sogar die 20 Grad-Marke geknackt werden. „Am Mittwoch kommt aber schon wieder der nächste Schlag: Regen, Kälte und maximal zehn bis zwölf Grad“, informiert Gröbel. Das triste Wetter vom Wochenende wiederholt sich dann. „Schmuddelwetter vom Feinsten.“ Auch danach sieht es nicht wirklich besser aus. „Richtig Sommer ist das dann auch nicht. Maximal 16 bis 17 Grad und immer wieder Regen“, sagt Gröbel. Langfristig kann die Meteorologin wenigstens etwas Hoffnung machen. „Es gibt Tendenzen, dass es im Juni besser wird“, sagt Gröbel. Am zweiten Juni-Wochenende stabilisiert sich das Wetter dann möglicherweise. „Irgendwann muss es ja schließlich Sommer werden.“

Landwirtschaft

Martin Wiesheu ist Landwirt in München-Johanneskirchen. Er baut Winterweizen, Sommergerste, Kartoffeln und Silomais an. Der Regen beunruhigt ihn nicht sonderlich. „Aber die Kälte und die fehlende Sonne machen dem Mais zu schaffen.“ Der ist um diese Zeit normalerweise schon weiter. „Mais ist eine Sonnenpflanze, die Wärme braucht“, sagt Wiesheu. Was das Getreide angeht, ist der Landwirt entspannt. „Das hat sich ganz gut entwickelt. Wir liegen maximal acht Tage zurück.“ Verzögern wird sich die Ernte der Frühkartoffeln. „Die holen wir sonst Mitte Juni aus der Erde. Heuer wird es erst in der ersten Juliwoche losgehen“, sagt Martin Wiesheu. Das Wetter ist ärgerlich, findet er, „aber wir können es eben nicht ändern“.

Gartencenter

Im Mai werden eigentlich Balkon- und Terrassenblumen gepflanzt. Doch Blumenliebhaber sind derzeit zurückhaltend. Das bekommen auch die Gartencenter zu spüren. „Das Wetter ist schon ungut fürs Geschäft“, berichtet Andreas Rupprechter vom Gartencenter Seebauer. „Die Leute kaufen aber trotzdem ihre Blumen. Nur bei ganz schlechtem Wetter sind sie zurückhaltender“, sagt Rupprechter. Die Sommerbepflanzungen verschieben sich durch die kalte Witterung um etwa zwei Wochen.

Bootsverleih

Mehr als nur frustrierend ist das schlechte Wetter für Monika Schweigert. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten leitet sie eine Sportschifffartschule am Wörthsee (Landkreis Starnberg). Das Wetter bereitet ihr zunehmend Sorgen. „Es ist echt eine Katastrophe“, sagt sie. Für diese Woche hat sie sämtliche Kinderkurse absagen müssen. „Wir können nicht ins Wasser. Es hat elf Grad, da kann man ja eher noch Skifahren gehen“, berichtet Schweigert. Boote will erst recht niemand ausleihen. „Nur ein paar hartgesottene Hobbyangler waren bislang hier.“

Einen Rest Optimismus hat sich Schweigert noch bewahrt. „Wir machen das ja schon lange und hoffen, dass wir den Sommer über die Bühne bringen.“ Noch so ein Jahr könnte sie aber in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. „Das überstehen wir nicht. Dann müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen.“

Hallenbäder

Nutznießer des Schmuddelwetters sind unter anderen die Erlebnisbäder. Das Alpamare in Bad Tölz hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Geschäftsführer Anton Höfter einen Besucheranstieg von 20 Prozent zu verzeichnen. „Uns haben schon Urlauber aus Italien angerufen und gesagt: hier am Gardasee macht es keinen Spaß. Wir fahren lieber wieder nach Tölz.“

Museen

Klarer Gewinner des trüben Wetters sind die Museen. „Ich finde das Wetter großartig“, sagt Pressesprecher Bernhard Weidemann vom Deutschen Museum. Die Besucherzahlen sind deutlich höher als bei sonnigem Wetter. „Allerdings tendiert es zur Zeit auch dahin, sehr voll zu werden“, räumt Weidemann ein.

Seenschifffahrt

Schifferl fahren auf den bayerischen Seen ist ein beliebter Zeitvertreib. Aber die Kälte schreckt ab. „Bei uns bedeutet das schon Einschränkungen“, sagt Walter Stürzl, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. „Schlechtes Wetter im Mai ist aber noch lange nicht so schlimm wie im Juni oder Juli.“

Biergärten

Die bieten derzeit einen traurigen Anblick. Dennoch: „Die Stimmung ist bei uns noch nicht am Boden“, sagt Josephine Hafner von Haberl Gastronomie , die in München mehrere Biergärten betreibt. „Wir erledigen einfach andere Arbeiten. Garnituren streichen oder die Lager aufräumen“, sagt Hafner. Wenn dann doch endlich der Sommer Einzug hält, ist alles bestens vorbereitet.

Berghütten

Eine Portion Höhensonne und traumhaftes Bergpanorama auf der Berghütte? Weit gefehlt. „Unsere Gäste machen eher Schneeballschlachten“, berichtet Johanna Volpert von der Oberen Maxlraineralm am Spitzingsee (Kreis Miesbach). Dort liegen knapp 40 Zentimeter Schnee. Die Folge: „Im Tagesbetrieb ist bei uns gerade gar nichts los.“

Andreas Huber

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streifenwagen kracht frontal gegen Hausmauer - Fahrer schwer verletzt
Auf dem Weg zu einem Einsatz in Schweinfurt ist ein Polizist mit dem Streifenwagen frontal gegen eine Hausmauer geprallt und schwer verletzt worden.
Streifenwagen kracht frontal gegen Hausmauer - Fahrer schwer verletzt
Dachstuhl eines Bauernhaus brennt - sechs Verletzte
Bei einem Dachstuhlbrand in Helmbrechts (Landkreis Hof) sind sechs Menschen leicht verletzt worden.
Dachstuhl eines Bauernhaus brennt - sechs Verletzte
Stille Nacht: Immer mehr Kirchenchöre in Bayern verstummen
Immer weniger Menschen wollen in Kirchenchören singen - und nach der Einschätzung von Kirchenmusikern ist das nicht das einzige Problem.
Stille Nacht: Immer mehr Kirchenchöre in Bayern verstummen
Lawinen-Ticker: Bis 30 Zentimeter Neuschnee - hier droht Lawinengefahr
Lawinen sind der absolute Alptraum für Wintersportler. In unserem Ticker verraten wir Ihnen, wie sich die Lage an den bayerischen Ausflugszielen aktuell darstellt.
Lawinen-Ticker: Bis 30 Zentimeter Neuschnee - hier droht Lawinengefahr

Kommentare