Wetterprophet Jägerhuber hat es geahnt

Darum hat der Juli Rekordpotenzial

München - Sonne satt: Der Juli 2013 strengt sich mächtig an, einen Rekord zu brechen. Er könnte der trockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Wetterprophet Jägerhuber wundert das nicht.

Es war höchste Zeit für Yasmine. Das Azorenhoch hat endlich den Sommer nach Bayern gebracht. Und zwar einen Sommer, wie ihn sich jeder wünscht: mit Temperaturen um angenehme 30 Grad. Ohne Schauer, ohne Gewitter. „Das ist ungewöhnlich, aber nicht unmöglich“, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. Denn Yasmine treibt trockene Luft aus dem Norden nach Süddeutschland. „Das ist Luft, die sich erst hier in der Sonne aufwärmt, überhaupt nicht schwül ist und daher kaum gewitteranfällig.“

Sommer 2013: Jetzt kommt die Hitze-Peitsche

Und diese nordische Luft sorgt dafür, dass der Juli 2013 einen Rekord brechen könnte, verrät Jung, denn: Das Regensoll für den ganzen Monat ist in Oberbayern erst zu drei Prozent erfüllt – obwohl schon die Hälfte des Monats vorbei ist. „Im Schnitt sind nur drei Liter Regen pro Quadratmeter gefallen“, sagt Jung. Damit könnte der Juli 2013 der trockenste Monat seit November 2011 werden – und der war der zweitrockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

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In Starnberg gibt es einen Mann, den all das nicht überrascht. Josef Jägerhuber ist Wetterprophet – er beobachtet das Wetter seit 1960 und wertet seine Aufzeichnungen regelmäßig aus. Der 87-Jährige hat festgestellt: Das Wetter wiederholt sich – etwa alle sieben Jahre. Schon zu Beginn des Jahres hat er eine ungemütliche zweite Mai-Hälfte und einen niederschlagsreichen Juni vorausgesagt. Wie vor 14 Jahren bei dem Hochwasser 1999. Oder wie bei den Überschwemmungen 2005. Auch den sonnenreichen Juli hat der Starnberger schon vor Monaten erahnt. „Die Siebenschläferregel haut dieses Jahr hin“, sagt Jägerhuber zufrieden. So wie das Wetter Ende Juni und Anfang Juli ist, bleibt es sieben Wochen lang. Es ist nicht die einzige Bauernregel, die sich immer wieder bestätigt, betont der 87-Jährige. „Die Bauern waren gute Beobachter, sie hatten ja nichts als die Natur.“

Und nun sind sie neben den Hobbygärtnern diejenigen, die am meisten unter dem trockenen Juli leiden. Zwar ist der Grundwasserspiegel nach dem Starkregen im Mai und Juni noch recht hoch, doch die obersten Erdbodenschichten sind sehr ausgetrocknet – und genau die sind es, die für die meisten Kulturen besonders wichtig sind. Auch die Waldbrandgefahr ist durch die Trockenheit sehr hoch. In weiten Teilen Bayerns weist der fünfstufige Gefahrenindex des Deutschen Wetterdiensts derzeit Stufe vier aus. Und auch in den nächsten Tagen ist nicht mit Niederschlägen zu rechnen, kündigt Meteorologe Jung an. „Es geht sommerlich warm bis heiß weiter. Azorenhoch Yasmine hält weiter die Stellung und erstmal sämtliche Regenwolken von uns fern.“ Mindestens bis nächsten Mittwoch bleibt Regen in Bayern die absolute Ausnahme.

Diese Tage sollte man genießen: Denn wenn Wetterprophet Josef Jägerhuber auch in der zweiten Jahreshälfte recht behält, wird der August regenreich. „In ein paar Wochen beginnt der Herbst mit vielen Regentagen und kühlen Temperaturen“, sagt er. Zumindest einen Trost hat Jägerhuber aber doch: „Ich bin sicher, wir kriegen dieses Jahr einen goldenen Oktober."

VON KATRIN WOITSCH

Rubriklistenbild: © dpa

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