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Wie wird der Winter 2021 in Bayern? Experte legt sich auf eine Aussage fest

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Ein Zug der Bayerischen Oberland steckt im Schneechaos-Winter 2018/2019 fest.
Ein Zug der Bayerischen Oberland steckt im Schneechaos-Winter 2018/2019 fest. Tendenziell werden die Winter in Bayern immer milder, wie die DWD-Statistik zeigt. Die ganze Grafik finden Sie weiter unten. © DWD/Andreas Leder

Schneechaos, klirrende Kälte oder doch Nieselregen? Wie der Winter 2021/2022 in Bayern wird, lässt sich im Herbst nicht ernsthaft sagen. Aber es gibt eine Tendenz.

München - Es ist schon ein bisschen dreist, im September einfach bei Bayerns Chefmeteorologen Dr. Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) anzurufen und nach dem Winter zu fragen. „Wir sind fernab davon, jetzt irgendwelche verlässlichen Vorhersagen zu geben“, sagt der auch kühl. Und dann taut er doch ein bisschen auf und erklärt anschaulich, warum sogar während des Winters, eine konkrete Schneevorhersage ans Unmögliche grenzt.

Wie wird der Winter in Bayern? Schneechaos-Jahr zeigt, wie schwer eine Vorhersage ist

Beispiel Schneechaos 2018/2019. Wir erinnern uns. Teile des Bayerischen Waldes aber vor allem die bayerischen Alpen und das Oberland sind in meterhohen Schneebergen versunken*. Der Verkehr kam komplett zum Erliegen. Ortschaften waren teils von der Außenwelt abgeschnitten. Mehrere Landkreise lösten den Katastrophenfall aus. Das THW und die freiwilligen Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Vor allem Dächer mussten abgeräumt werden, damit sie unter den Schneemassen nicht einstürzten. Lawinen donnerten über Straßen und Skigebiete. Besonders kurios: Viele chronisch unter Schneemangel leidenden Skigebiete in den bayerischen Alpen mussten im Schneechaos-Winter schließen. Es war einfach zu viel Schnee.

Eingeschneit und vereist: eine BOB während des Katastrophenfalls im Januar 2019 im Landkreis Miesbach.
Eingeschneit und vereist: eine BOB während des Katastrophenfalls im Januar 2019 im Landkreis Miesbach. „Wenige Grad entscheiden über Schnee oder Regen.“ © Andreas Leder

Wenige Kilometer nördlich in München konnten viele die Aufregung gar nicht so nachvollziehen. Denn da regnete es ein bisschen und sonst passierte nichts. „Zwei bis drei Grad machen den Unterschied aus“, sagt DWD-Meteorologe Wolz. Zwei bis drei Grad unterscheiden zwischen historischem Schneechaos und Nieselregen. „Gerade im Winter kann sich die Großwetterlage sehr schnell ändern. Diese starken Schneefälle waren damals vier bis sechs Wochen vorher auch nicht erkennbar.“

Schneechaos 2019: Einsatzkräfte schaufeln das Dach der Turnhalle des Tölzer Gymnasiums ab.
Insgesamt 3347 Kräfte waren während des K-Falls im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Einsatz – auf dem Foto schaufeln sie das Dach der Turnhalle des Tölzer Gymnasiums ab. © Bock/Archiv

Eine Aussage also vom September aus für den kommenden Winter zu machen, das überlässt Wolz deshalb lieber anderen. Ob nun anhand einer Königskerze im Garten* oder dem Polarwirbel überm Nordpol.* Selbsternante Schnee-Propheten gibt es ja zuhauf.

Rückblick: Vergangene zehn Winter in Bayern waren viel zu warm

Zurückblicken könne man natürlich. Und da sieht man auf einen Blick: Die bayerischen Winter werden immer wärmer. Und das schon seit den 1980er Jahren.

Seit Jahren viel zu mild und immer milder werdend: Die Winter in Bayern gemessen am Klimareferenzniveau 1961 bis 1990. © DWD

2011 war ein Winter zum letzten Mal etwas kälter als der Schnitt. Seit zehn Jahren geht es mit den Temperaturen dagegen im Trend bergauf. Jeder Winter in den vergangenen Jahren war zu mild. Viel zu mild.

Winter in Bayern 2021/2022 wird wahrscheinlich wieder viel zu mild sein

Der Winter 2021/2022 in Bayern wird also aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls zu mild. „Wenn ich jetzt auf einen kalten Winter setzen würde, würde ich gegen den Trend wetten“, sagt Experte Wolz. Möglich sei freilich alles, aber laut Statistik ist ein milder Winter wahrscheinlicher. Ferner werden die Winter immer kürzer und fangen immer später im Jahr an. Über die Schneemenge sagt das wiederum wenig aus. „Auch der Schneechaos-Winter war viel zu mild“, erinnert Wolz.

So kann es also auch in wenigen Monaten wieder sein, dass die bayerischen Berge im Schnee versinken, während in München nur der Regen leise nieselt. Bei derart hohen Temperaturen im Winter machen wenige Grad um den Gefrierpunkt den Unterschied. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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