Nach der Pleite

Wettlauf um die Marke Oberbayern beginnt

München - Es wird eine Schicksalswoche für Oberbayerns Tourismus. Zwei Lager wollen nach der Pleite des alten Verbands einen neuen gründen. Es droht ein skurriler Wettlauf.

Das Geld reicht nicht mehr für eine belegte Semmel. Wenn der Tourismusverband München-Oberbayern, einst Deutschlands größter und stolzester, am 6. November zur Sitzung lädt, müssen die Teilnehmer ihr Mittagessen bitte selber zahlen. Und unabhängig vom Speiseplan sollen sie eine unangenehme Suppe auslöffeln.

Während der Ermittlungen wegen Subventionsbetrugs ist der Verband in die Pleite gerutscht. Im Vorfeld des Treffens von Vorstand und später allen Mitgliedern in Bad Aibling wirbt die bisherige Vizechefin Gabriele Weishäupl für eine schnelle Gründung einer Plattform für einen Nachfolgeverband. Im Dezember wird die Geschäftsstelle wohl aufgelöst, damit verschwinden Internet-Auftritt, Telefonnummern, Mitarbeiterstamm. „Die Lücke sollte nicht zu groß sein“, mahnt die langjährige Münchner Tourismuschefin. Form und Führung der neuen Organisation sollen damit nicht festgelegt werden, aber die Richtung soll klar sein. Es geht immerhin in Oberbayern um eine Branche mit über 12 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Weishäupl wurde, so sagt sie, vom Wirtschaftsministerium explizit gebeten, kurzfristig den Übergang zu gestalten. Laut Protokoll der Juli-Vorstandssitzung schlug sie auch ein Bürgermeister ohne Widerspruch dafür vor, den schnellen Neuanfang voranzutreiben. Im Team mit Ex-Schatzmeister Hermann Steinmaßl und einem Tegernseer Tourismus-Funktionär erklärte sie sich bereit. „Wir bilden die Brücke bis zum 6. November“, sagt Weishäupl.

Ob das klappt, ist offen. Eine Gruppe um mehrere CSU-Landräte und Abgeordnete stellt sich gegen Weishäupl und Steinmaßl, bezweifelt ihr Mandat und plant eine eigene Gründung. Auch Grünen-Fraktionschef Martin Runge lässt per Anfrage prüfen, ob das Ministerium wirklich Weishäupl beauftragte. Schon am heutigen Mittwoch lädt der CSU-Abgeordnete Klaus Stöttner eine Runde mit Hotelverband und Handelskammer in den Landtag. „Ich habe das Mandat der Landräte, die Verbände dazuzuholen und einen Weg zu formulieren. Ich koordiniere diesen neuen Weg.“ Betonung auf dem „Ich“. Von Weishäupls Termin hält er wenig: Da seien parallel eine Tourismus-Veranstaltung in Berlin und der Leonhardi-Ritt. Da dürften die wichtigsten Mitspieler anderweitig zu tun haben.

Gespaltene Branche, zwei neue Verbände? Womöglich steht hinter dem Wettlauf die Machtfrage, wer im Wahljahr 2013 den Titel eines Tourismuschefs führen kann. Wobei Weishäupl anmerkt, sie habe „keine Ambitionen, in der neuen Organisation Führungsaufgaben zu übernehmen“. Sie warnt, eine Doppelstruktur wäre „Vergeudung von Kräften“. Ihr Wunsch sei, dass sich die Beteiligten „an diesem Tag besinnen auf das Spitzenprodukt Oberbayern“.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa

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