Wettlauf um UNESCO-Status: Was wird Weltkulturerbe?

Passau/Bayreuth - Neuschwanstein, Passau oder Rothenburg - wer schafft die Ernennung zum Weltkulturerbe? Demnächst muss das Kunstministerium neue Kandidaten für den begehrten Unesco-Titel auswählen. Schon jetzt zeigen Städte wie Passau, Rothenburg ob der Tauber und Nürnberg Interesse.

Die Aspiranten müssen dabei einen langen Atem beweisen: Das Verfahren kann nicht nur Jahre, sondern sogar Jahrzehnte dauern.

Zunächst einmal wird in Bayreuth gefiebert: Im kommenden Februar wird die Bundesrepublik das dortige Opernhaus, eine Architekturperle des 18. Jahrhunderts, offiziell bei der Unesco vorschlagen. Ein Jahr später wird dann voraussichtlich das zuständige Gremium über das Barocktheater in der Wagner-Stadt abstimmen. Die 1748 fertiggestellte Oper ist das letzte bayerische Denkmal auf der aktuellen deutschen Vorschlagsliste. In den nächsten Jahren müssen noch einige Kandidaten aus anderen Bundesländern abgearbeitet werden, die Liste reicht voraussichtlich bis 2018.

Für die Zeit danach werden neue Kandidaten gesucht. „Bis Herbst 2012 soll jedes Bundesland zwei Vorschläge vorlegen“, erklärt Susanne Raab vom bayerischen Kunstministerium. In Passau arbeitet die Verwaltung derzeit an einer Bewerbung. Bislang ist aber unklar, ob die gesamte historische Altstadt oder nur der Stephansdom vorgeschlagen werden soll. Mit Bayerns Generalkonservator Egon Johannes Greipl, selbst in der niederbayerischen Dreiflüssestadt geboren, hat Passau jedenfalls schon einen prominenten Fürsprecher. Passau sei „mehr welterbeverdächtig als manches, was schon auf der Liste steht“, sagt Greipl. Wie in Passau wurde auch in Rothenburg ob der Tauber schon in den 90er Jahren über eine Bewerbung diskutiert. „Wir werden unseren Hut in den Ring werfen“, kündigt Oberbürgermeister Walter Hartl an, schränkt aber ein: „Die Chancen dürften eher dünn sein, wurde uns signalisiert.“ Hintergrund ist, dass die Unesco die klassischen europäischen Altstadt-Bewerbungen nicht mehr allzu gerne sieht - zu viele mittelalterliche Städte stehen schon auf der Welterbeliste. Bessere Chancen könnte Nürnberg haben. Die Stadt will den Saal 600 in ihrem Justizpalast als Welterbe sehen. In dem Nürnberger Gerichtssaal fanden nach dem Zweiten Weltkrieg die Prozesse gegen die NS-Kriegsverbrecher statt.

Auch Neuschwanstein ist potenzieller Anwärter - die Königsschlösser von Ludwig II. könnten Weltkulturerbe-Ensemble werden. Ob das klappt, ist aber ungewiss. lby

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