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Kriegt mein Kind WhatsApp? Diese Frage müssen sich gerade jetzt zu Schulbeginn viele Eltern fragen. Die Antwort ist nicht immer leicht. 

Kinder und Handys

Was Eltern über WhatsApp wissen sollten

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München – Oh je, der 13-Jährige quengelt wieder: Er will keine Süßigkeiten, nicht mehr Taschengeld. Er will: WhatsApp. Wer nun sagt, das kommt nicht in die (Schul-)Tüte, braucht starke Nerven. Wir erklären zum Schulbeginn gewisse Regeln.

Vor kurzem erreichte unsere Redaktion der Hilferuf eines verzweifelten Vaters: „Unser Sohn, vor kurzem 13 geworden, 8. Klasse, hat ein gutes Smartphone, aber kein WhatsApp. Wohl aber alle anderen in seiner Klasse. Als Lehrer und Pädagoge weiß ich um die Vorteile, aber auch um die Gefahren von WhatsApp. (...) Für mich selbst würde ich zwar sagen: Lerne es auszuhalten. Aber mein Sohn leidet: nicht nur unter dem Gruppendruck. Auch unter dem Gefühl, der einzige Unmoderne zu sein, außen vor zu stehen, wenn die anderen kontakten, nicht mitreden zu können.“

So geht es vielen Eltern. Was tun? Wir klären die wichtigsten Fragen im Umgang mit WhatsApp.

Ab wann sollte Kindern WhatsApp erlaubt sein?

Totalverweigerung ist wenig hilfreich, sagt Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München. Smartphones gehören zum Alltag. Aber: Grundschulkinder seien eindeutig noch nicht in der Lage, damit umzugehen. Anders die Lage nach dem Wechsel auf weiterführende Schulen. „Klassenchats sind gerade in den unteren Klassen 5 bis 7 sehr beliebt“ – über WhatsApp. Man müsse lernen, damit umzugehen. Aber: Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren können das nicht von alleine.

Wo droht die größte Gefahr?

Häufig genannt wird ein Datenschutz-Problem: WhatsApp nimmt sich das Recht heraus, Telefonnummern und Informationen, zum Beispiel wann und wie häufig man WhatsApp nutzt, an Facebook weiterzugeben (siehe Kasten). Nur wer aktiv ein Häkchen in den Nutzungsbedingungen entfernt, schützt seine Daten vor der Auswertung zugunsten der Facebook-Werbemaschinerie. Es gibt jedoch auch pädagogische Bedenken gegen Whats-App. Der Dienst „ist ein Aufmerksamkeitsfresser“, sagt Medienpädagogin Maya Götz. Egal ob beim Mittagessen oder beim Einschlafen – WhatsApp kann richtig nerven. Und: „Das Netz vergisst nicht“, sagt Maya Götz. Auch über WhatsApp geteilte anzügliche Fotos und Selfies können sich verbreiten. „Es gilt auch hier: Erst denken, dann schreiben“, raten staatliche Datenschützer, die auf youngdata.de in jugendgerechter Sprache Grundregeln für Messenger-Dienste zusammengestellt haben.

Welche Grundregeln zu WhatsApp sollte man seinen Kindern beibringen?

Den richtigen Umgang mit Whatsapp lernen Kinder nicht alleine, sagt Maya Götz. Also: Hinsetzen, reden, verschiedene Lösungen diskutieren oder ausprobieren. „Unsere Tochter hat zum Beispiel akzeptiert, dass WhatsApp nur auf dem Handy meines Mannes installiert war.“ Dadurch hatten die Eltern Kontrolle darüber, was mit wem ausgetauscht wurde.

Andere Medienpädagogen sind in der Hinsicht vorsichtiger. Auf die Frage, ob Eltern die Chats und Verläufe auf den Smartphones ihrer Kinder kontrollieren sollten, antwortete die Expertin Kristin Langer gegenüber Spiegel-Online kürzlich: „Nein. Eltern sollten die Privatspähre ihrer Kinder respektieren. Wer zu große Sorgen hat und seinem Kind nicht vertraut, sollte lieber noch kein Smartphone erlauben.“ Wichtig seien aber auf jeden Fall medienfreie Zeiten, sagt Maya Götz: Beim Mittagessen, bei den Hausaufgaben, beim Einschlafen müsse der Grundsatz gelten: „Handy aus.“

Verlangt Whatsapp kein Mindestalter?

Doch, es gibt eine Grenze – aber man muss schon zwischen den Zeilen lesen. WhatsApp hat in den Nutzungsbedingungen einen Passus, in dem es heißt: „Du musst mindestens 13 Jahre alt sein, um unsere Dienste zu nutzen.“ Das ist irreführend, sagt Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht. 13 – das ist die Altersgrenze in den USA – und WhatsApp ist in Delaware, USA, registriert. In Deutschland ist das Bürgerliche Gesetzbuch der Maßstab, in dem es heißt, dass Jugendliche bis 16 nur eingeschränkt geschäftsfähig sind.

Ab 25. Mai 2018 wird EU-weit die Datenschutz-Grundverordnung gültig, die die Altersgrenze für alle sozialen Netzwerke, also auch für Facebook, Snapchat und Instagram, auf 16 anhebt – sofern nicht ein Mitgliedsstaat die Grenze explizit senkt (was für Deutschland nicht zu erwarten ist). Die Altersgrenze ab 16 kann für Eltern ein Argument sein – doch wahrscheinlich nicht das entscheidende.

Sollten Lehrer über WhatsApp mit ihrer Klasse oder einzelnen Schülern kommunizieren?

Wenn ein Schüler sagt, er brauche WhatsApp für den Unterricht, dann liegt er falsch. Jürgen Böhm, Leiter einer Realschule im niederbayerischen Arnstorf, stöhnt auf. „Schwierig.“ Er nutze selber WhatsApp, sagt der Vorsitzende der bayerischen Realschullehrer. Aber nicht dienstlich. Auch von bayerischen Datenschützern kommen eindeutige Aussagen: „Wir raten bayerischen Behörden vom Gebrauch von WhatsApp ab“, heißt es aus dem Büro des Landesbeauftragten für den Datenschutz. Die meisten Schulen hätten digitale Aufgaben online, sagt Lehrer Böhm. Schüler könnten sie sich über Passwörter herunterladen. „WhatsApp brauchen wir dafür nicht.“

Aus Sicht eines Lehrers sei es auch nicht erforderlich, dass Schüler das neueste Smartphone in den Unterricht mitbringe. „Ich halte mich an den Grundsatz: Bring your own device“ – jeder könne das mitbringen, was vorhanden sei, ob Handy, iPad oder Laptop. Es würde auch die Schulträger entlasten, wenn sie nicht alle paar Jahre neue Rechner für die Schule kaufen müssten, die am Tag der Lieferung schon veraltet seien. Wichtig wäre es, dass der Freistaat Netzwerk-Strukturen schaffe, also dafür sorge, dass alle Schulen mit WLan ausgestattet seien. Und da gebe es große Lücken.

Gibt es Alternativen zu WhatsApp?

Ja, die gibt es: Sie heißen Threema, SIMSme oder Chiffry (siehe Artikel unten). Realistischerweise muss man sagen: Sie sind bei den Jugendlichen kaum in Gebrauch.

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