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Das ist Whisper Valley, ein neuer Satellitenvorort von Austin im US-Bundesstaat Texas, der seine Energie aus Geothermie und Solaranlagen gewinnt – und damit so gut wie klimaneutral sein soll.

Klimaneutrales Stadtviertel

Eine bayerische Öko-Vision in Texas

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Weg von Kohle und Öl, hin zu Erneuerbaren: Immer mehr Kommunen versuchen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Ein Vorbild dafür ist ausgerechnet ein Projekt im Ölstaat Texas. In Austin entsteht ein gigantisches Öko-Stadtviertel. Geplant von einem Münchner.

Die erste Bewohnerin: Alyssa Collins zeigt den Verteilerkasten in ihrem Vorgarten, über den sie ihre überschüssige Solarenergie einspeist.

München/Austin – Alyssa Collins steht in Flip-Flops in ihrem Vorgarten und zeigt auf einen grünen Metallkasten zwischen ihren Deko-Sträuchern. „Das ist der Verteiler, den jeder hier in meiner Nachbarschaft hat. Hier wird der Strom ins Netz eingespeist, den meine Solarpanels auf dem Dach erzeugen.“ Die 27-Jährige lebt seit eineinhalb Jahren in Whisper Valley, einem Satellitenvorort von Austin im US-Bundesstaat Texas, der gerade aus dem Boden gestampft wird. Vor wenigen Jahren grasten auf den über 800 Hektar Fläche noch Texas-Longhorn-Rinder. Jetzt entsteht dort ein gigantisches Öko-Stadtviertel, in dem am Ende mehr als 7500 Wohneinheiten, eine Schule, Geschäfte, Feuerwehr und Polizei stehen sollen. Und das alles so gut wie klimaneutral, gespeist von Geothermie und Solarenergie. Alyssa Collins und ihr Hund „Kota“ waren die ersten Bewohner dieser Utopie, die gerade Realität wird.

Geplant hat das Projekt ein gebürtiger Münchner. Günther Reibling spricht wahlweise Englisch mit bayerischem Einschlag oder andersherum, als er durch die Straßen im neuen Bauabschnitt des Viertels führt. Auch an diesem Tag wird gehämmert und genagelt. Bauarbeiter ziehen gerade wieder eines der neuen Holzhäuser nach oben. „Gemauert wird in Texas so gut wie nie“, sagt Reibling. So mancher Deutsche rümpft da die Nase, angesichts der Hurrikane, die immer wieder über Texas hinwegfegen. Aber dafür stehen die Häuser nach wenigen Wochen.

Reibling ist 1979 in die USA übergesiedelt, um sich dort in der Immobilienbranche einen Namen zu machen. Und auch wenn er Weißwurst und Leberkäs manchmal vermisst, hat er den Schritt nie bereut. Heute führt er mit seinem Bruder die Taurus Investment Holding, die weltweit – auch mit dem Geld deutscher Investoren – in Immobilienprojekte investiert und auch in München eine Niederlassung hat. Für das Whisper-Valley-Projekt ist Reibling nach Austin gezogen.

„Everything is bigger in Texas“

Der Projektentwickler: Günther Reibling, gebürtiger Münchner, lebt in Austin.

Die Idee eines energieeffizienten Stadtviertels mit eigenem Geothermienetz und Solarpanels auf den Dächern ist nicht unbedingt revolutionär. „Wir haben nichts Neues erfunden“, gibt Reibling zu. „Aber vor 20 Jahren wäre das hier in Texas trotzdem nicht möglich gewesen.“ Das Bewusstsein für erneuerbare Energien musste im Ölstaat an der Grenze zu Mexiko erst wachsen. Heute zählt gerade Austin zu den Pionier-Städten in den USA, was die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks angeht. Dafür ist die Größenordnung des Projekts ganz nach dem Geschmack der Südstaatler. „Es heißt nicht umsonst: Everything is bigger in Texas“, sagt Reibling und lacht.

Besonders machen Whisper Valley die vergleichsweise günstigen Preise. Ein Einfamilienhaus gibt’s ab 240 000 Dollar, im Schnitt kostet ein Eigenheim dort rund 300 000 Dollar. „Das liegt deutlich unter dem Durchschnittspreis von Austin“, sagt Reibling. Möglich macht das die gebündelte Erschließung. „Geothermie ist in den USA häufig etwas für den dicken Geldbeutel, wenn die Firma nur für ein Haus kommt und bohrt.“ In Whisper Valley können das schon mal 50 Bohrungen auf einmal sein, wenn ein neuer Bauabschnitt beginnt. So wird der einzelne Anschluss deutlich günstiger.

„Meine letzte Stromrechnung lag bei 16 Dollar“

Zwei Straßen weiter lehnt Jay Hubert am Kotflügel seines Chevy Volt, einem Hybrid-Auto der neuesten Generation. „Hab‘ noch keinen Tropfen Benzin verbraucht damit“, sagt der 41-Jährige. Auch er ist vor Kurzem mit seiner Frau nach Whisper Valley gezogen. Seinen Wagen lädt er in der Garage mit dem Strom seiner Solarpanels. Weil auch die Elektrogeräte im Haus besonders effizient sind, produziert Hubert trotzdem fast jeden Monat mehr Strom, als er verbraucht. „Meine letzte Stromrechnung lag bei 16 Dollar.“ Nicht nur mit seinen Energiekosten, auch mit den Nachbarn ist Hubert mehr als zufrieden. „Hier haben alle eine ähnliche Einstellung.“ Die Menschen von Whisper Valley eint der Wunsch nach einem energieeffizienten und gerne auch etwas nachhaltigeren Leben.

Das beobachtet auch Alyssa Collins. Mittlerweile ist die Nachbarschaft auf über 70 Häuser angewachsen. Trotzdem kennt sie fast alle Anwohner persönlich. Wenn alles nach Plan läuft, könnten es in den nächsten 15 Jahren bis zu 17 000 Nachbarn sein. Dann wird es schwierig, jeden Namen parat zu haben. Aber in Texas ist eben alles ein bisschen größer.

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