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Aus dem Duo wird nun ein Trio: Ludwig Spaenle hat keinen Platz mehr in Söders Kabinett.

Wie geht‘s nach dem Rausschmiss weiter?

Spaenles Zukunft: „Zur Not wird der Ludwig halt Intendant“

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Markus Söder hat Ludwig Spaenle aus dem Kabinett gekegelt. Der Paukenschlag hallt nach – doch so schlecht ist die Stimmung in Münchens CSU nicht. Ganz im Gegenteil.

Bilder wie aus einem Spionagethriller: Akten werden eilig in Kartons verpackt, Regale ausgeräumt, Bilder und persönliche Utensilien verstaut, Diensthandys eingezogen. Quasi über Nacht hat Ludwig Spaenle (CSU) sein Ministerium räumen müssen. Im neuen Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spielt der 56-Jährige keine Rolle mehr. Seine Zukunft ist ungewiss, die Stimmung in der Münchner CSU derweil ambivalent. Nicht alle sind geschockt über den Rauswurf. „Einen Konflikt mit dem Bezirksverband sehe ich derzeit nicht“, sagt ein Insider.

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Ist nicht mehr länger in Söders Kabinett: Ludwig Spaenle

Das liegt zum einen in der Entstehung der Kabinettsbildung. Dass Spaenle nicht mehr Teil der Staatsregierung sein könnte, war CSU-intern bereits spekuliert worden. Der Rauswurf sei auch aus strategischer Sicht nachvollziehbar, heißt es weiter. Aus der Landtagsfraktion sei immer wieder zu hören gewesen, Spaenle habe als Kultusminister zu viele Fehler gemacht, er galt als beschädigt. Und Söder habe ein Kabinett zusammenstellen müssen, mit dem er bei der Landtagswahl die CSU über die unheilvolle 40-Prozent-Hürde heben kann. Parteiintern gilt als fraglich, ob der Franke Ministerpräsident bleibt, sollte er dies nicht schaffen. Hinzu komme, so der Kenner: „Hätte Söder Spaenle wegen ihrer Freundschaft geschont, dann wären auch die anderen Härtefälle bei der Kabinettsneubildung nicht zu lösen gewesen.“ Sprich: Söder hätte nicht begreifbar machen können, warum er Spaenle behalte, andere angezählte Minister, wie etwa Ulrike Scharf, aber nicht.

Dass ein Großteil der Münchner CSU gleichwohl über den Schritt sehr enttäuscht ist, liegt ironischerweise in einem Umstand begründet, der mit dazu beigetragen haben könnte, dass Spaenle seinen Stuhl räumen musste. „Ein Vorwurf der Fraktion gegen Spaenle war, dass er in der Kommunalpolitik präsenter war als im Landtag“, sagt ein anderer Insider. Tatsächlich war dem 56-Jährigen in der Landeshauptstadt immer hoch angerechnet worden, dass er beispielsweise noch regelmäßig die Sitzungen des Schwabinger Bezirksausschusses besuchte oder die der Münchner Stadtratsfraktion. „Das hat ihn sehr beliebt gemacht.“

Spaenles Zukunft als Bezirksvorsitzender weiter offen

Ob Spaenle auf lange Sicht Bezirksvorsitzender der CSU München bleibt, sei gleichwohl offen. Die nächsten Wahlen wären im Sommer 2019. „Irgendwann wird sich die Frage sicher stellen“, sagt der Insider. Neu-Minister Georg Eisenreich und Generalsekretär Markus Blume wären denkbare Kandidaten für das Amt. „Der Bezirksverband ist auch eine Last“, heißt es in der Münchner CSU. „Es ist wirklich nicht so, dass alle drauf warten, dass sie sich endlich bewerben können.“

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Innerhalb der Stadt-CSU blickt man aber auch deshalb gelassen in Spaenles Zukunft, weil der ehemalige Minister als Kämpfer gilt. „Das ist ja nun auch keine Strafexkursion, dass er nicht mehr Minister ist“, sagt jemand aus der Partei. „Er war schließlich zehn Jahre lang sehr erfolgreich.“

Doch hat der 56-Jährige noch eine politische Zukunft? Sein Wahlkreis gilt als umkämpft, bei der vorausgegangenen Wahl hatte Spaenle seine SPD-Kontrahentin Isabel Zacharias nur um wenige Prozentpunkte geschlagen. Der Rauswurf aus dem Kabinett dürfte da keine Werbung sein.

Spaenle selbst will sich nicht äußern, im Hintergrund aber gibt es Überlegungen. „Wir glauben auch alle nicht, dass das Ministeramt die letzte große Aufgabe für Ludwig war.“ Dabei wird in München nun auch die Erwartung geäußert, Markus Söder müsse sich zumindest für eine anderweitige Verwendung Spaenles stark machen.

Spekuliert wird unter anderem über eine mögliche Aufgabe in der Hanns-Seidl-Stiftung. Und denkbar wäre auch, dass Spaenle 2021 für den Bundestag kandidiert. Dafür müsste nicht mal jemand Platz machen, denn es gilt als wahrscheinlich, dass München aufgrund des Bevölkerungswachstums einen fünften Stimmkreis in der Stadtmitte bekommen könnte. Weiter wird kolportiert, dass Spaenle bei der Kommunalwahl 2020 als OB-Kandidat in den Ring steigen könnte. Doch das wird intern ins Reich der Fabeln verwiesen. Eine ebenso wenig ernst zu nehmende Idee für die Zukunft des ehemaligen Fernsehredakteurs: „Zur Not wird Ludwig halt Intendant beim Bayerischen Rundfunkt“, sagt ein Parteifreund und lacht. So schlecht ist die Stimmung in der Münchner CSU gar nicht.

Sascha Karowski

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