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Gerle auf dem Sofa von damals – heute ist er hellwach.

Wie geht's Bayerns größter Schlafmütze?

Warngau - Der Gerle und die Couch – bei den Begriffen fängt ganz Warngau zu Schmunzeln an. Immer noch, obwohl diese „Schlafwagenfahrt“, die europaweit für Schlagzeilen sorgte, schon ein Dreivierteljahr her ist.

Ein Mensch wird geboren, einer stirbt. Ein unerwarteter Sieg, eine verdiente Niederlage. Glück geschieht, Unglück stürzt die Leute ins Verderben. Dann reisen Reporter an, Journalisten richten Mikrofone und Kameras aus, Leser und Zuschauer wollen alles wissen. Ein Moment füllt die Zeitungen und Sendungen. Das Meer der Zeit kennt Ebbe und Flut: Aufmerksamkeit kommt, Aufmerksamkeit geht. Das ist nun mal so. Doch wenn die Reporter weg sind, geht das Leben für die oft ungewollten Hauptdarsteller weiter. Darum starten wir die neue Serie „Wie geht’s eigentlich…?“

Unsere Reporter besuchen die Schauplätze, befragen Menschen, beleuchten Hintergründe. Heute lesen Sie über einen jungen Mann aus Warngau, der uns im Sommer 2009 zum Lachen brachte: Gerle aus Warngau.

Die Merkur berichtete Anfang August 2009 über den selig auf seinem Holzsofa schlummernden Gerhard W., der von seinen Spezln samt Couch in der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) auf die Reise geschickt wurde. Erst in Holzkirchen weckten ihn zwei lachende Polizisten auf – und der 27-Jährige dachte, er sei „in einem schlechten Film“. Unfreiwilliger Hauptdarsteller blieb Gerle noch eine ganze Weile. Ein Kamerateam von RTL klopfte an. „Aber erklären konnte ich nichts“, gesteht er zerknirscht. „Ich hab’ doch gar nix mitbekommen. Die paar Bier waren schuld.“

Schmunzeln Sie nochmal mit: Die unglaubliche Reise der Schlafmütze

Spezln verfrachten Betrunkenen in S-Bahn: Die unglaubliche Reise der Schlafmütze

Spanisch kam ihm dann sowieso alles vor. Er und sein Sofa wurden nämlich berühmt, nach deutschen Zeitungen eroberten sie belgische, holländische und englische. „Wir haben’s weit gebracht“, sagt er und grinst breit. „Sogar im Südtiroler Radio gab’s unsere Geschichte: Wir waren da ‚Die Deppen des Tages‘.“ Mit Humor hat er auch die extra für ihn gegründete Gruppe „Der Schläfer“ beim Freundesnetzwerk Lokalisten genommen. Kein Wunder, hat er doch mehr als 200 Fans.

Sein Spezl Peter ist stolz. Auf den Gerle, das Sofa und die Idee. Sein Sammelsurium aus ausgeschnittenen Artikeln verblüfft sogar „Die größte Schlafmütze Bayerns“. So titelte nämlich die tz. „Wo hast du die Artikel denn alle her? Die kenn’ ich ja gar nicht.“ Und auch das gemusterte Sofa steht samt Kissen und Gerles original Schlummerdecke wieder im Stadl von Peter in der Ecke. Stilecht, also wie bei der Hinfahrt mit Zug und Fahrrad-Ticket, transportierten die beiden das Sofa zurück. „Meine Eltern wollten es wiederhaben“, sagt der 25-Jährige. Außerdem habe es doch eine einzigartige Geschichte. Gerle mag zwar „seine“ Couch auch, aber eine innige Liebe wird es nicht mehr. Viel zu kurz sei sie, und zu hart an den Enden. Wirklich gut darauf geschlafen habe er in der besagten Nacht auch nicht, gesteht er und meint es tatsächlich ernst.

Trotzdem wird der Jahrestag der kuriosen Aktion gebührend gefeiert. Sie machen sich wieder auf die Reise. Die Spezl, die Couch und der Gerle. Aber eines wird anders sein: Gerle wird wach sein. „Dann hab’ ich endlich auch mal was zu erzählen …“

Angelika Mayr

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