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Sie begleitet Menschen auf dem Weg zurück zur Kirche: Pfarrerin Sabine Bleise-Donderer in der evangelischen Kircheneintrittsstelle in München.

Die meisten sind Anfang 30

Wiedereintritt in die Kirche: Rückkehr aus Herzensgründen

München - Viele tausend Menschen in Bayern treten jedes Jahr aus der Kirche aus. Aber es gibt auch einige, die den Weg zurück finden. Weil ihnen etwas gefehlt hat. Weil sie unterschätzt haben, wie viel ihnen das Dazugehören bedeutet. Die Rückkehr ist gut überlegt: Sie ist eine intensive Begegnung mit sich selbst.

Es gibt eine Stelle in der Bibel, die Sabine Bleise-Donderer besonders oft gelesen hat. Ein Teil der Apostelgeschichte. Der Abschnitt, in dem Philippus auf seiner Reise von Jerusalem nach Gaza von einen Äthiopier in dessen Wagen mitgenommen wird. Die beiden unterhalten sich über die Bibel, über Gott, über Jesus. Als sie an einer Wasserstelle vorbeikommen, bittet der Äthiopier Philippus, ihn zu taufen. Es ist eine Bitte, die aus dem Herzen kommt.

Sabine Bleise-Donderer ist ein Philippus unserer Tage. Sie ist Pfarrerin. Und sie begleitet Menschen auf dem Weg zurück in die Kirche. Überzeugen oder suchen muss sie diese Menschen nicht – sie kommen zu ihr. In die Kircheneintrittsstelle des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks München.

Nur wenige Schritte vom Trubel der Fußgängerzone entfernt gibt es eine Glastür, die immer offen steht, wenn Sabine Bleise-Donderer oder ihr Kollege Sebastian Kühnen im Büro sind. Durch diese Tür kommen Menschen, denen etwas fehlt im Leben. Jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte mit. Einige sind gerade Eltern geworden und wollen ihre Kinder nach christlichen Werten erziehen. Andere sind Taufpaten oder Trauzeugen. Einige haben das Gefühl, ihr Leben neu ordnen zu müssen.

Und viele haben unterschätzt, wie wichtig ihnen das Gefühl des Dazugehörens ist, erzählt Sabine Bleise-Donderer. Sie sind vor Jahren meist aus finanziellen Gründen aus der Kirche ausgetreten oder wollten rebellieren. Ein Austritt ist einfach. Niemand fragt nach den Gründen – es reicht eine Unterschrift im Kreisverwaltungsreferat. „Aber der Weg zurück ist eine Begegnung mit sich selbst“, sagt die Münchner Pfarrerin. Eine ganz bewusste Entscheidung. Das merkt sie bei jedem der Menschen, die durch die Glastür kommen, in einem der gemütlichen Korbsessel Platz nehmen und Sabine Bleise-Donderer erzählen, warum sie es sich anders überlegt haben. Warum sie den Weg zurück in die Gemeinschaft suchen. „Es fühlt sich für viele nicht stimmig an, an Gott zu glauben, aber aus der Kirche ausgetreten zu sein“, erzählt die Pfarrerin.

Rund 200 Menschen kommen pro Jahr in die Kircheneintrittsstelle in der Herzog-Wilhelm-Straße. Manchmal sind es drei an einem Tag, an manchen Nachmittagen kommt kein einziger. Für jeden nehmen sich Sabine Bleise-Donderer und Sebastian Kühnen viel Zeit. Die Rückkehr soll keine Prüfung sein – sondern ein unverkrampftes Gespräch. Über die Gründe für den Austritt. Über die Gründe für den Weg zurück. Tauf- und Austrittsbescheinigung müssen vorlegt und ein Formular ausgefüllt werden. Manchmal spricht Sabine Bleise-Donderer danach ein Gebet oder einen Segen. „Das entscheide ich nach Bauchgefühl“, sagt sie. Manche Menschen möchten ganz förmlich wieder eintreten, anderen tut es gut, mit Gottes Segen nach Hause zu gehen.

Die meisten, die den Weg zurück in die Kirche suchen, sind Anfang 30 – ein Alter, in dem viel im Umbruch ist, sagt die Pfarrerin. Im Jahr 2013 waren es 517 Gläubige, die den Weg in die Kircheneintrittsstelle in München gesucht haben – etwas weniger als in den Vorjahren. Und eine deutlich kleinere Zahl als die Kirchenaustritte im evangelischen Dekanat München. Das waren mit 4811 Menschen fast zehnmal so viel. In der katholischen Kirche ist diese Tendenz ähnlich: Genau 1910 Menschen traten im vergangenen Jahr in Bayern wieder in die Kirche ein, 45 508 traten aus.

Die Zahlen sind für Sabine Bleise-Donderer nur ein kleiner Aspekt ihrer Arbeit. Es geht ihr nicht darum, eine Quote zu erfüllen. „Wir wollen die Menschen stärken, wenn ihr Herz sie zur Kirche zurück bringt.“ Sie kommen nicht aus Reue – sondern mit der ganz bewussten Entscheidung, die Kirche wieder zu einem Teil ihres Lebens zu machen.

Sabine Bleise-Donderer hat im vergangenen halben Jahr, seitdem sie in der Kircheneintrittsstelle arbeitet, viele Geschichten gehört. Manchmal ging es um schwere Krankheiten, manchmal ging es um den Tod, oft aber auch um Kinder, die mit der Kirche aufwachsen sollen. „Viele Menschen erinnern sich, wenn sie Eltern werden, wieder an einen guten Religionslehrer, an eine Kirchen-Freizeit, an den netten Pfarrer, der früher immer die Oma besucht hat“, erzählt sie. Sie erinnern sich an das Geborgenheitsgefühl, das ihnen die Kirche früher gegeben hat und das irgendwann in ihrem Leben verloren gegangen ist.

Kurz vor religiösen Festen und kurz nach dem Jahreswechsel hören besonders viele Menschen bewusst in sich hinein, setzen sich mit ihren Wünschen und Bedürfnissen intensiv auseinander. Einige von ihnen kommen danach durch die offene Tür in das Büro von Sabine Bleise-Donderer und Sebastian Kühnen. Schöne Momente sind das, sagt die Pfarrerin. Momente, in denen sie ihre Arbeit genießt. An manche Gespräche denkt sie noch lange zurück, mit einigen der Menschen bleibt sie in Kontakt. Andere hat sie einfach auf einem kleinen Stück ihres Weges begleitet.

Katrin Woitsch und Marcus Mäckler

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