Deutschlandweites Erst-Urteil

Wurst aus altem Fleisch "Spitzenqualität"?

München - Dürfen Metzger Leberkäse und Wiener aus wiederverarbeitetem Brät als "Spitzenqualitäts"-Produkte verkaufen? Ein Münchner Fleischproduzent will die Frage vor Gericht klären.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München fühlt sich mit diesem Problem „alleingelassen“, ein Präzedenzurteil gibt es bundesweit nicht. Wie auch immer der Lebensmittelsenat entscheide, er werde Revision zulassen, kündigte der Vorsitzende Richter Alexander zu Pappenheim am Montag in München an.

Kläger gegen Bescheide der zuständigen Landratsämter sind eine Großmetzgerei in der Oberpfalz und ein Fleischwarenproduzent in München. Erstere war in erster Instanz im Rechtsstreit gegen den Freistaat Bayern unterlegen; das Münchner Unternehmen hatte seinen Prozess vor dem Verwaltungsgericht gewonnen.

Die Verwertung eines geringen Anteils von An- und Abschnitten oder erhitztem Brät sei „sensorisch nicht wahrnehmbar“, betonte der Lebensmitteltechnologe und gelernte Metzger Prof. Achim Stiebing in der Berufungsverhandlung. In Europa sehe man das „gelassen“, in Italien sei es „üblich, bereits erhitztes Brät wiederzuverarbeiten“. Die Kennzeichnung „Spitzenqualität“ werde vom Handel verlangt, „da kommt der Hersteller nicht dran vorbei“.

Die Expertin Gesine Schulze vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hält hingegen die Bezeichnung „Spitzenqualität“ nicht für zulässig. Man könnte die wiederverarbeiteten Anteile in der Zutatenliste aufführen, schlug sie vor. Der Handel wolle „eine Verkehrsauffassung durchsetzen, die so nicht vorhanden ist“.

Der Senat will den Urteilstenor frühestens in einer Woche bekanntgeben, die schriftliche Begründung wird eine erheblich längere Zeit in Anspruch nehmen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / AP Photo

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