Noch immer unter Schock: Der ehemalige Wies-Pfarrer Georg Kirchmeir

Stunden in Todesangst

Pfarrer überfallen: „Haben meine Würde zerstört“

Traunstein - Im Sommer 2012 sind der ehemalige Wies-Pfarrer und seine Haushälterin überfallen und ausgeraubt worden. Sie durchlebten Stunden in Todesangst. Nun berichteten beide vor Gericht von der schlimmen Nacht.

Es waren Stunden in Todesangst: Der 75-jährige Pfarrer, der Jahrzehnte lang die berühmte Wies-Kirche betreut hatte, schilderte gestern vor dem Traunsteiner Landgericht die Nacht im Sommer 2012, in der er und seine Haushälterin überfallen worden waren. Zwei maskierte und bewaffnete Täter hatten den Geistlichen damals in den frühen Morgenstunden im Pfarrhof in Böbing (Landkreis Weilheim-Schongau) aus dem Schlaf gerissen. Sie bedrohten, fesselten und knebelten ihn.

Wegen dieses und eines weiteren Überfalls auf einen Pfarrer in Tuntenhausen (Kreis Rosenheim) sitzen zwei 25 und 26 Jahre alte Männer aus dem niederbayerischen Eggenfelden seit Monaten in Untersuchungshaft. Bislang schwiegen sie im Gerichtssaal eisern zu den Vorwürfen (wir haben berichtet).

Der 75-jährige Pfarrer Georg Kirchmeir schilderte in seiner Aussage alle Details aus der Nacht, die ihn noch immer psychisch belastet. Nach dem Zubettgehen habe er gelesen, um etwa ein Uhr das Licht ausgemacht. Gegen drei Uhr wurde er durch ein lautes Geräusch geweckt. „Ich sah zwei dunkle Gestalten mit Taschenlampe und Pistolen in den Händen“, berichtete er. „Ich bin zu Tode erschrocken, aufgesprungen, habe geschrieen: Hilfe, Überfall.“ Einer der Täter habe ihn aufgefordert, still zu sein. Die Einbrecher riefen mehrmals: „Geld, Tresor.“

Der Pfarrer log, als sie ihn fragten, ob noch jemand im Haus sei. „Ich wollte meine Haushälterin schützen.“ Doch nach weiteren Drohungen habe er die Wahrheit zugegeben. Einer der Täter bedrohte ihn weiter mit der Pistole, der andere suchte das Schlafzimmer der 51-jährigen Haushälterin.

Der Pfarrer hatte große Angst – mehr um die Frau, als um sich selbst, sagte er vor Gericht. Auch die 51-Jährige erlitt einen Schock. Sie fühlte sich „wie in der Folterkammer“, berichtete sie und glaubte anfangs, der Pfarrer sei erschlagen worden. Die Einbrecher rissen Telefonkabel von der Wand und fesselten die beiden damit brutal. Dabei riefen sie dem verängstigten Pfarrer und seiner Haushälterin nur Wortfetzen wie „Fresse halten“ zu.

Kirchmeir erinnert sich an einen osteuropäischen Akzent, vermutete dann allerdings einen Täuschungsversuch. Besonders machten ihm die Sturmhauben Angst, er habe Herz- und Atembeschwerden bekommen, sagte er. Er hatte bereits vor dem Überfall Herzprobleme.

Die Räuber erpressten EC-Karten samt Geheimnummern von ihren beiden Opfern, dadurch erbeuteten sie mehrere 1000 Euro. Bevor sie den Pfarrhof verließen, fesselten sie den 75-Jährigen und die Frau an einen Heizkörper und knebelten sie. Beide konnten sich kaum noch bewegen.

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„Das war lebensbedrohlich“, sagte der Pfarrer. „Ich sagte zu ihnen: Die erwischen euch schon.“ Daraufhin wurde er beschimpft, getreten und bedroht. „Sie haben meine Menschenwürde kaputt gemacht.“ Beide hatten zu beten begonnen, erzählt er. Eine Stunde sei vergangen. „Ich musste auf die Toilette und durfte nicht. Das ist so entwürdigend“, sagte er. Es dauerte lange, bis sich beide befreien konnten. Der Pfarrer musste am nächsten Tag am Herzen operiert werden.

Psychisch leidet der 75-Jährige bis heute unter dieser Nacht. Anfangs konnte er nur noch bei Licht schlafen und hatte Angst, wenn er allein war. „Ich wurde erst ruhiger, als ich hörte, dass die Angeklagten gefasst und nicht aus der U-Haft entlassen wurden“, sagte er. Der Pfarrer und seine Haushälterin holten sich psychisch Hilfe, doch noch immer sei er nicht über die Nacht im Sommer 2012 hinweg, sagte er vor Gericht. „Ich bin Pfarrer mit Leib und Seele. Das Wichtigste ist, das ich dieses Leben wieder leben kann.“

Der Prozess gegen die Pfarrhausräuber wird am 16. April fortgesetzt.

VON MONIKA KRETZMER-DIEPOLD

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