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Ihr kommt hier nicht rein: Münchner profitieren von der neuen Reservierungs-Regelung am Oktoberfest – das Umland aber bleibt außen vor. Wie die Wiesn-Besucher im Bild vor dem Winzerer Fähndl.

Besonderes Einheimischen-Modell

Nur für Münchner: Bei Wiesn-Reservierungen keine Rücksicht auf das Umland

München - Es ist ein Einheimischen-Modell der anderen Art: Münchner werden in diesem Jahr auf dem Oktoberfest bei Reservierungen bevorzugt. Im Umland hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Was? Nur für Münchner? Die Ankündigung der Wiesn-Wirte, in diesem Jahr eine neue Reservierungsregel auszuprobieren, mit der Stadtbewohner bevorzugt werden, hat im Münchner Umland mitunter hämische Reaktionen hervorgerufen. „Sollen die Münchner ihr großes Glas Bier halt ohne uns Bayern saufen“, kommentiert ein pikierter Leser auf Facebook.

Das am Donnerstag verkündete Reservierungs-Prinzip sieht vor, dass die Wiesn-Wirte auf freiwilliger Basis an Samstagen, Sonn- und Feiertagen bis 15 Uhr die reservierungsfähigen Plätze von 35 auf 50 Prozent erhöhen. Die 15 zusätzlichen Prozent sollen Menschen mit Hauptwohnsitz in München vorbehalten bleiben – gegen eine Bearbeitungsgebühr von zehn Euro, aber ohne Mindestverzehr. Die Idee kam aus dem Münchner Stadtrat. Und in diesem Jahr wollen sich alle Wiesn-Wirte probehalber an der Aktion beteiligen.

„Mein erster Gedanke war: Das ist nicht gut“, sagt Thomas Erler. Der Vorsitzende des TSV Bad Wiessee organisiert jährlich zwei Waldfeste am Tegernsee. Dabei fährt er eine genau gegenteilige Reservierungspolitik. Denn am Tegernsee sind, im Gegensatz zum Oktoberfest, die Münchner Gäste die „Zuagroastn“ – ihr Anteil an den Festgästen wird jedes Jahr größer. Mit den Tischreservierungen gibt der TSV Bad Wiessee vor allem Auswärtigen die Chance, im Voraus zu planen. „Einheimische bekommen bei uns sowieso immer einen Platz“, sagt Erler. Das neue Wiesn-Prinzip schließe das Umland genauso aus wie weitgereiste Touristen – für Erler der falsche Weg.

Er steht nicht alleine da mit seiner Meinung. Peter Lex, Vorsitzender der Burschengemeinschaft Pastetten (Kreis Erding) hält von der Änderung nicht viel. „Man sollte das lieber auf Oberbayern ausdehnen, München hat ja ein großes Einzugsgebiet.“ Aufs Oktoberfest will er mit seinen Burschen trotzdem gehen. „Die Wiesn is halt die Wiesn.“

Das Prinzip „Anwohner zuerst“ gibt es aber nicht nur beim weltgrößten Volksfest. Am besonders bei Münchnern beliebten Ausflugsziel Wörthsee hatte eine Initiative im Februar ein „Anwohnerbaden“ vorgeschlagen – ein geschlossenes Strandbad, nur für Wörthsee-Bürger. Münchner sollten draußen bleiben. Durchsetzen konnten die Befürworter ihre Idee aber nicht.

Diesem Prinzip folgend, sinnt so mancher Bierzeltfreund schon auf Rache und wünscht sich als Reaktion eine Einheimischen-Quote auf dem eigenen Volksfest. „Das haben wir nicht nötig“, kommentiert der Freisinger Festwirt Ludwig Tauscher. Beim Freisinger Volksfest, das ab 4. September wieder in der Luitpoldanlage steigt, sei zwar die Reservierungsquote „gut“, aber: „Wir reservieren nie das ganze Zelt, damit auch Schnellentschlossene noch einen Platz finden können“. Als Nicht-Münchner findet der in Niederbayern ansässige Tauscher die neue Prozentregelung für die Wiesn ebenfalls unsinnig: „Beim Oktoberfest werden irgendwann die Leute dann das Interesse verlieren, wenn sie nie reinkommen.“

Nicht mal die Wiesn-Wirte sind ausnahmslos überzeugt von dem Versuch. Georg Heide, Planegger Wirt (Kreis München) der „Bräurosl“, hält wenig davon. „Das klingt sehr schön“, sagt er. Letztlich gehe es aber nur um zwei Samstage. „Am ersten Samstag sind ohnehin nur die Münchner draußen.“ Und an Sonntagen komme man auch ohne Reservierung ins Zelt.

An den beiden anderen Samstagen hätten die Ordner im Zelt gut zu tun. Da sei nicht zu kontrollieren, ob an den Tischen wirklich die Münchner säßen, die auch reserviert haben – oder ob die Bändchen weitergegeben wurden.

Ein weiteres Problem sieht Heide darin, dass er selbst aus dem Kreis München sei, aber Gäste aus dem Landkreis bei diesen Reservierungen nicht berücksichtigen dürfe. Dies sei diskriminierend. „Das ist eine schwierige Situation, ganz glücklich bin ich darüber nicht.“

dg/da/lux/vs

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