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Marina Kraus (25).

Forschungsprojekt soll aufklären

Wieso können mehr als 7,5 Millionen Deutsche nicht richtig lesen und schreiben?

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In Deutschland gibt es viele nicht alphabetisierte Menschen. Wie sie ihr Leben meistern, wollen Studenten aus Augsburg erforschen. Dafür brauchen sie Testpersonen. 

Augsburg - Marina Kraus (25) will wissen, wie es Millionen von Menschen in Deutschland geht, die nicht richtig lesen und schreiben können. Die offizielle Zahl ist erschreckend hoch: 7,5 Millionen Deutsche sind betroffen. Wie kommt es dazu und wie meistern die Betroffenen ihren Alltag?

Marina Kraus studiert Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg. Im Rahmen eines Lehrforschungsprojekts will die Studentin gemeinsam mit sechs Kommilitonen das Thema Analphabetismus unter die Lupe nehmen. Es sei nach wie vor ein Tabuthema in Deutschland, sagt Marina Kraus, die Leute reden nicht gerne darüber. Doch genau dazu wollen die Studenten betroffene Menschen bringen: Mit Fragebögen - die vorgelesen werden - oder Interviews will die Seminargruppe herausfinden, wie sich die Menschen fühlen, wieso sie nicht richtig (oder gar nicht) lesen und schreiben können und wie sie sich im alltäglichen Leben verhalten. „Es ist schwierig, an Menschen zu kommen, die darüber sprechen“, sagt die 25-Jährige. Doch es sei wichtig, um in Zukunft das Thema Analphabetismus besser verstehen zu können und mehr dagegen zu unternehmen. 

Die Universität hofft auf Testpersonen 

Je nachdem, wie viele Menschen die Gruppe erreicht, soll die Forschung konzentriert werden. Angestrebt sei eine quantitativ-standardisierte Umfrage, also so viele Menschen wie möglich zu befragen, um daraus eine Statistik und annähernd repräsentative Werte zu erhalten. Dass Analphabetismus von Person zu Person unterschiedlich sei, spiele dabei keine Rolle; alles fließe in das Projekt mit ein. Analphabetismus unterscheidet sich grob in zwei Arten: Die erste Form ist die, bei der Betroffene gänzlich nicht lesen und schreiben können. Bei der zweiten Form haben die Betroffenen rudimentäre Kenntnisse, die unterschiedlich ausfallen können. Durch Seminare können die Fähigkeiten verbessert werden. 

Letztere will die Gruppe zuerst erreichen. Die Studenten wollen Betroffene, die in Kursen teilnehmen, zum Beispiel an den Volkshochschulen, ansprechen und für ihr Projekt gewinnen. Die Umfrage und Interviews sollen größtenteils telefonisch und anonym ablaufen, sagt Marina Kraus. Persönliche Gespräche seien, wenn gewünscht, jedoch auch möglich. Bezugspersonen der Betroffenen, die lesen und schreiben können, sollen diese auf das Projekt der Uni Augsburg aufmerksam machen. 

Betroffene und Bezugspersonen, die sich für die Forschung interessieren und mithelfen wollen, können sich melden. 

Kontakt zur Universität Augsburg, Institut für Sozialwissenschaften

Sibylle Schneider, Email: sibylle.schneider@phil.uni-augsburg.de

Marina Kraus, Email: marina.kraus@student.uni-augsburg.de und Telefon: (0157) 516 338 27

Weitere Informationen und Hilfe zum Thema Analphabetismus finden sie hier. 

Zahlen und Fakten: Analphabetismus in Deutschland und der Welt

ch




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