Wildgewordenes Wildschwein im Bayern-Park

Beiß-Attacke: Mann bekommt Schmerzensgeld

Reisbach - Beim Verladen auf einen Hänger ist ein Wildschwein in einem niederbayerischen Freizeitpark ausgerissen und hat einen Mann heftig gebissen. Nun bekommt er Schmerzensgeld.

Josef S. wollte gern eine neue Attraktion für seinen kleinen Tierpark in Oberösterreich. Eine Wildsau. Das sollte keine große Aktion werden: Er wollte den Keiler am 16. September 2009 im Bayern-Park in Reisbach (Kreis Dingolfing-Landau) abholen, auf den Hänger verladen und nach Oberösterreich fahren. Doch bei der Übergabe brach das Wildschwein aus, drehte durch und biss S. in Finger, Unterarm und Brust. So heftig, dass er dauerhafte Schäden erlitt. Deshalb verklagte S., selbst Tierpfleger, den Bayern-Park und dessen Mitarbeiter Gerhard Limmer auf Schmerzensgeld und Schadenersatz.

Das Landgericht Landshut wies die Klage ab. Ansprüche seien wegen einer Haftungsbeschränkung ausgeschlossen. S. legte Berufung zum Oberlandesgericht (OLG) München ein. Das sah die Sache gestern anders. Zugunsten des Wildschwein-Opfers.

Beim Abholen lief erst alles nach Plan. Absperrgitter wurden aufgestellt, das Schwein sollte mit Futter in den Anhänger von Josef S. gelockt werden. Der Österreicher sei als Tierpfleger den Umgang mit Wildschweinen gewohnt gewesen, sagt Anwalt Chrysant Fischer – S. selbst war nicht bei Gericht erschienen. Doch dann sei ein Gitter umgefallen, der Keiler entwichen. S. habe versucht, ihn wieder in Richtung Anhänger zu drängen. „Da hat sich das Wildschwein entschlossen, anzugreifen“, sagt Fischer. Die wild gewordene Wildsau, 150 Kilo schwer, attackierte Josef S.: Sie biss ihm ein Stück Finger sowie die Brustwarze ab, biss ihm auch in den Unterarm. Danach raste sie weiter durch den Bayern-Park. Eine Gefahr für alle Parkbesucher. Deshalb erschoss die Polizei den Keiler mit einer Maschinenpistole.

Lange Zeit verbrachte Josef S. im Krankenhaus, konnte sich anschließend nicht um seinen Tierpark kümmern. Bis heute kann er die Hand nicht richtig einsetzen. Seine österreichische Versicherung zahlt ihm eine Erwerbsminderungsrente von 35 Prozent. S., der neben dem Park auch eine Landwirtschaft betreibt, sei „ein Arbeitstier“, sagt sein Anwalt Chrysant Fischer. „Es ist sehr schwierig für ihn.“ Er sei „sehr beeinträchtigt“ in seiner Lebensführung.

Den Vorwurf, S. habe die wild gewordene Sau mit Spanngurten einfangen wollen, weist Fischer zurück. Er habe sie nur auf den Anhänger treiben wollen. „Er war nicht so vermessen, dass er das Wildschwein in den Schwitzkasten nehmen wollte.“ Außerdem wirft jeder dem anderen vor, keine Narkotisierung gewollt zu haben.

Für Gerhard Limmer, Tierpfleger im Bayern-Park, kam die Verlade-Aktion zu kurzfristig. S. sei gerade auf der Durchreise gewesen und habe den Keiler mitnehmen wollen. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mir eine Waffe von daheim mitgenommen“, sagt Limmer. „So etwas macht man nicht unbewaffnet.“ Er ist froh, dass der Wildschwein-Angriff vergleichsweise gut ausging. Zwar habe S. schwere Schäden erlitten, er könne die Finger seiner linken Hand nicht mehr richtig bewegen. Dennoch hätten sie Glück gehabt: „Wir hätten beide tot sein können.“

Am Ende verurteilt das OLG den Bayern-Park zu 7500 Euro Schmerzensgeld. „Er war verantwortlich, das Tier ordnungsgemäß zu übergeben, ohne dass jemand Schaden dabei nimmt“, sagt die Vorsitzende Andrea Kempmann. Außerdem muss der Park 75 Prozent aller Schäden, die durch den Unfall entstanden sind, bezahlen. Tierpfleger Limmer haftet nicht. S. selbst muss sich eine Mitschuld von 25 Prozent anrechnen lassen. Kempmann: „Es ist zumindest höchst unvorsichtig, ein Wildschwein mit bloßen Händen einfangen zu wollen, nachdem es schon außer Rand und Band geraten ist.“

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