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Wilderei gilt auch als Tierquälerei und wird bestraft.

Chiemgauer Rentner bei der Gams-Hatz gestellt

Wildererjagd im Karwendel

Schleching - Ein Rentner aus der Wildererhochburg Schleching ging am Mittwoch Tiroler Bergjäergn ins Netz. Er muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Wie der 68-Jährige den Berufsjägern entwischen wollte:

Sie heißen Felix, Sepp und Conny, sind allesamt im Rentneralter und hängen einem gemeinsamen, illegalen Hobby nach: Wildern. Dazu stehen sie, heimlich natürlich nur, und lassen sich in ihrer Heimat Schleching (Kreis Traunstein) dafür von der Jugend verehren. „A Schneid muasst do scho hom“, prahlen sie im Wirtshaus vorm Hellen, „a Waschlapp derfst do fei ned sei!“  Männer halt, keine Warmduscher.

Allerdings hat‘s jetzt wieder einen von ihnen erwischt: Tiroler Berufsjäger stellten einen 68-Jährigen aus dem elitären Schlechinger Kreis im Karwendel zwischen Vomp und Achenkirch. Dem Rentner droht unter anderem wegen Tierquälerei und Besitzes einer verbotenen Waffe eine empfindliche Strafe. Ob’s was nützt? In der Hinterriß bemerken der Revieroberjäger Robert Prem und sein Kollege Franz Scheiber schon seit Jahren, dass immer wieder Gämsen verschwinden. Gewildert wohl.

Am Mittwoch sehen die beiden ein verdächtiges Auto, darin ein älterer Herr. Dieser hält, macht den Kofferraum auf und zieht ein Mountainbike sowie einen Rucksack heraus. Er radelt los - keine zwei Kilometer weiter bis zu einer Hütte. Dort beginnt nun eine Jagd auf den Wilderer, der nichts davon ahnt. „Er hod sein Radl hinterm Schupfa versteckt und marschierte zu Fuß weiter“, erzählt Berufsjäger Robert. Er und der Franz hinterher. Sie verlieren den Mann immer wieder aus den Augen, fit wie ein Turnschuh ist der und trittsicher. Schließlich zeigt er sich hier im Bereich des Steinlochs. Das Gelände wird steiler und gefährlicher. Einige Gämsen klettern  über den Abhang, so auf einer Höhe von 1600 Metern. „Dann haben wir etwas gehört, ein Zischen, und noch eins“, sagt Robert Prem. „Waren des jetzt Schüsse aus einem Gewehr? Oder ned?“, fragt der Robert den Franz, doch der weiß auch nicht mehr. „Schalldämpfer?“

Jäger entdecken den Schützen hinter einem Felsen

Sie sehen in gut 300 Metern Entfernung den Wanderer, der hastig etwas in den Rucksack packt, und sie sehen, dass eine Gams am Boden liegt. Der Mann marschiert weg, das Jägerduo hinterher, sie versuchen, ihm den Weg abzuschneiden. Ihre Hunde Baron und Arco bellen. Der  vermeintliche Schütze weiß nun, um was es geht. Er verschwindet, doch die Jäger entdecken ihn hinter einem vier Meter hohen Felsen, wo er alleine „Versteckst Di“ spielt und dann doch gefunden wird. „Wos woid’s?“, werden Robert und Franz begrüßt. „I hob nix do!“, schickt der einsame Bergfex hinterher. Und in der Tat: Der Rucksack, in dem eine Waffe vermutet wird, ist leer. Robert Prem: „Da ham ma g’schluckt.“

Doch im brüchigen Gestein finden sie die Waffe, eine zerlegbare, selbst gebaute Büchse. Kleinkaliber, Typ „Schlechinger Bauart“ mit einklappbarer Schulterstütze. Zu dritt geht es ins Tal, wo schon die Polizei Achenkirch wartet. Der Mann räumt die Vorwürfe ein, er wird angezeigt. Die Jäger müssen noch eine traurige Pflicht erfüllen: der leidenden Gämse den Gnadenschuss geben. Die Schüsse aus dem Kleinkalibergewehr hatten das Tier nur schwer am Bauch verletzt. Romantisch ist das alles nicht. „Das arme Tier“, schimpft Robert Prem. Und so cool, wie sich die Wilderer in der Gruppe geben, scheinen sie alleine dann doch nicht zu sein. „Drei von denen habe ich schon erwischt“, erzählt Revierjäger Robert. „Die sind immer richtig klein g’worden, ham g’reahrt (geweint) und bettelt: Los mi geh.’“

Der Rentner aus der Wildererhochburg wird die Geschichte vielleicht anders erzählen, daheim am Wirtshaustisch. Etliche werden gebannt zuhören und die Gegenversion in sich einsaugen. Vielleicht sogar viele. Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl hat mal dazu mit einer Prise Übertreibung gespöttelt: „Fest steht: 50 Prozent der Schlechinger sind keine Wilderer.“ Dabei, so hört man weiter, soll es sich um die Frauen handeln...

Markus Christandl

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