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Diese Aufnahme gelang im Montafon: Es könnte sich um den Tiroler Wolf handeln, oder aber auch um ein Exemplar, das aus der Schweiz stammt

Wildes Tier überführt: Es ist ein Wolf!

Lausanne - Ende Oktober wurden nahe der bayerischen Grenze zwölf Schafe gerissen. Nun ist es amtlich: Es war mindestens ein frei lebender Wolf, der erste in Tirol seit 1956.

Irgendwo da draußen schleicht er herum, zwischen den vom ersten Schnee angezuckerten Fichten, über die tiefen, matschigen Almen. Ende Oktober wurden im Tirolerischen Imsterberg – keine 25 Kilometer Luftlinie vom Allgäu oder Oberbayern entfernt – zwölf Steinschafe von Bauern Stefan S. (70) auf der Weide gerissen. „Nur ein Wolf kann’s g’wesen sein, was anderes kummt ned in Frage“, sagt der Landwirt und Züchter damals schon. Nun ist es amtlich: Es handelt sich bei dem Tier, das die Schafe attackiert hatte, um mindestens einen frei lebenden Wolf, den ersten in Tirol seit 1956. Das ergab eine DNA-Analyse der Bissspuren in einem Spezial­labor in Lausanne (Schweiz).

Das Ergebnis überraschte den in Tirol dafür zuständigen Veterinär, den Bärenbeauftragen Martin Janovsky, keineswegs. Er empfindet das Resultat aber auch nicht als eine besondere Bedrohung: „Von einem Wolf geht nach menschlichem Ermessen kein Sicherheitsrisiko aus.“

Laut der Analyse stammt der Wolf aus einer italienische Population, die Analyse selbst war mit hohem kriminaltechnischen Aufwand verbunden. Janovsky berichtete der Tiroler Tageszeitung: „Der Biss muss sehr frisch sein. Herauszufinden, ob es ein oder mehrere Wölfe sind, ist nochmal aufwändiger und teurer.“ Derzeit gibt es keine weiteren Meldungen von getöteten Nutztieren. Was wohl vor allem daran liegt, dass Schafe und Kühe sich nun im Stall aufhalten. Der Wolf selbst muss jedenfalls kräftig sein. Wie sonst wäre es ihm gelungen, die bis zu 90 Kilogramm schweren Steinschafe umzuwerfen?

Mitte September gelang dem Jagdaufseher Manfred Keßler aus dem Montafon (Vorarlberg) mithilfe einer Wildkamera in der Nacht ein sensationeller Schnappschuss von einem Tier, das später ein Wildbiologe zweifelsfrei als Wolf identifizierte. Zwar ist der Ort der Aufnahme einige Kilometer von Imsterberg entfernt, doch können Wölfe bis zu 40 Kilometer in einer Nacht hinter sich bringen. Ist es der Imsterberger Wolf? Dazu kommt eine weitere Frage: Handelt es sich nur um einen Einzelgänger oder gar um ein ganzes Rudel an Bayerns südlicher Grenze?

Bei der Gemeinde Imsterberg hat man gehört, dass ein Spaziergänger vor einigen Wochen drei Exemplare auf einer Bergwiese gesichtet haben will. Zum Fotografieren kam der Mann nicht mehr, „blitzschnell waren die weg“, berichtet der Gemeindemitarbeiter. Und Bauer Stefan S., der seine zwölf Tiere verloren hat, glaubt, „dass so viele Schafe nicht nur ein Wolf gerissen haben kann. Es müssen mehrere sein“, sagte er dem Kurier. Veterinär Janovsky rechnet damit, dass sich der Wolf noch immer in der Region aufhält. Doch was wird er fressen? Bauer Stefan S. gibt hierzu schon mal einen Tipp ab: „Er oder sie werden sich ans Rotwild halten und an den Wildfütterungsplätzen lauern.“

Markus Christandl

So handeln Sie richtig, wenn Sie einen Wolf sehen

Es ist äußerst selten, einem Wolf in der freien Wildbahn zu begegnen. Wölfe meiden den Kontakt zu Menschen. Wenn Sie dennoch einen Wolf sehen: 

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie ihn auf jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig bemerkbar. Der Wolf wird sich da­raufhin wahrscheinlich entfernen.
  • Laufen Sie nicht hinterher!
  • Füttern Sie niemals Wölfe – die Tiere lernen sonst sehr schnell, Menschen mit Futter zu verbinden und suchen eventuell aktiv die Nähe des Menschen auf.
  • Beachten Sie, dass Wölfe geschützte Tiere sind. Sie dürfen weder gejagt noch mit Fallen gefangen werden.

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