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Ein scheuer Artgenosse: In freier Wildbahn lässt sich die Wildkatze kaum fotografieren.

Etwa 600 Tiere im Freistaat

Sie galt schon als ausgestorben: Die Wildkatze ist wieder in Bayern

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Freising - Die Wildkatze ist zurück. Lange galt sie in Bayern als ausgestorben, jetzt leben aber etwa 600 der scheuen Tiere im Freistaat. Nur nach Oberbayern traut sich die Wildkatze noch nicht so recht. Das hat einen bestimmten Grund.

Der stumpfe, buschige Schwanz ist charakteristisch für die Wildkatze.

Zu Gesicht bekommt man sie kaum. Und wenn, dann ist es selbst für den Fachmann gar nicht so leicht, sie von einer getigerten Hauskatze zu unterscheiden. Am ehesten hilft noch der etwas stumpfe und buschige Schwanz mit den charakteristischen schwarzen Ringen am Ende, eine Wildkatze zu erkennen. Aber in der Regel sieht man von ihr weder Schwanz noch Kopf und Pfote – dafür ist der heimliche Waldbewohner viel zu scheu.

Bis in die 80er-Jahre hinein galt die Wildkatze in Bayern als ausgestorben. Sie hatte ihren natürlichen Lebensraum verloren und wurde intensiv bejagt. Und das, obwohl die Wildkatze zuvor seit mindestens 300.000 Jahren durch Bayerns Wälder schlich – schon lange bevor die Römer die Hauskatze nach Bayern brachten. Doch seit zwei Jahrzehnten geht es wieder aufwärts mit dem Wildkatzenbestand in Bayern. Rund 600 Exemplare leben derzeit im Freistaat. Dank einer breiten und in dieser Zusammensetzung nicht alltäglichen Allianz.

"Die Wildkatze ist in Bayern wieder heimisch"

Selten gelingt es, dass wie in diesem Fall Gruppierungen aus verschiedensten Richtungen zusammenarbeiten: Forstministerium, Bund Naturschutz, die Bayerischen Staatsforsten sowie Jäger, Förster und Waldbesitzer haben sich zusammengetan, um der Wildkatze in Bayern wieder Lebens- und Rückzugsräume zu gewähren. Vorurteile, dass die Wildkatze eine Gefahr für das Niederwild darstelle, habe man erfolgreich ausräumen können, sagte Forstminister Helmut Brunner (CSU) in Freising. Und bei der aktuell extrem hohen Mäusepopulation sei die Wildkatze schließlich der erfolgreichste Jäger. So konnte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger stolz verkünden: „Die Wildkatze ist in Bayern wieder heimisch.“

1984 hatte der Bund Naturschutz damit begonnen, vor allem im Spessart wieder Wildkatzen auszusetzen. Über 600 Tiere bis zum Jahr 2009. Jetzt soll sich der Bestand von allein halten. Um das zu überprüfen, startete der BN mit Unterstützung des Forstministeriums ein großes Monitoring-Programm. Dafür bedienen sich die vielen ehrenamtlichen Helfer einer simplen, aber effizienten Methode: dem Lockstock.

Raue Holzstöcke werden an geeigneten Stellen in den Waldboden gesteckt und mit einer Baldrian-Lösung besprüht. Das wirkt auf Katzen wie ein Aphrodisiakum – und sie reiben sich an den Holzlatten. Dabei hinterlassen sie Haare, die die Helfer dann an das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf (Kreis Berchtesgadener Land) zur genetischen Untersuchung schicken. Rund 2200 solcher Lockstöcke wurden im Rahmen des sogenannten „Aktionsplans Wildkatze“ in den vergangenen fünf Jahren ausgebracht. „Jetzt wissen wir flächendeckend, wo in Bayern schon Wildkatzen sind und wo noch nicht“, sagte Brunner.

Die Katze breitet sich langsam von Norden nach Süden aus

Der Blick auf die Karte zeigt, dass sich die Wildkatze langsam von Nordbayern in Richtung Süden ausbreitet. Langsam. Bisher gelangen Nachweise im Schwäbischen zwischen Ulm und Augsburg, aber auch im Allgäu. In Oberbayern wurden bisher nur Haarfunde im Raum Ingolstadt sowie ein Fall im Kreis Berchtesgadener Land gemeldet. „Die Wildkatze folgt den großen Waldgebieten“, sagt Brunner. Deshalb könne es noch „ein bis zwei Jahrzehnte dauern“, glaubt Weiger, bis das scheue Tier auch im Südwesten Bayerns aufschlägt.

Und selbst wenn sie dann da ist – sehen wird man sie trotzdem kaum.

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