Wildschwein-Jagd ohne Soldaten

München - Bundeswehr-Einsatz im Jagdrevier: Bayerns Landwirte und Jäger erteilen dieser Idee eine Absage. Der Präsident des Bauernverbands Rheinland-Pfalz Süd hatte militärische Hilfe beim Abschuss von Wildschweinen gefordert.

Deutsche Soldaten, die in Tarnanzügen die Wälder durchkämmen, das Maschinengewehr schussbereit, auf der Suche nach dem Feind. Der hat vier Beine, ist keinen Meter hoch und ziemlich stabil gebaut: das Wildschwein. So sieht die moderne Form der Jagd nach den Wünschen von Norbert Schindler aus. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd und CDU-Bundestagsabgeordnete fordert eine Zwangsbejagung mit „militärischer Hilfe“, da die Tiere drastische Schäden auf den Feldern hinterließen.

Bayerns Bauern und Jäger erteilen diesem Vorschlag eine Absage. Als „völlig grotesk“ bezeichnet der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, Jürgen Vocke, die Idee. „Ich kann mich über den Präsidenten nur wundern.“ Noch dazu wäre Schützenhilfe durch die Bundeswehr ein Straftatbestand, betont der Jurist. „Der Abschuss von Wild mit automatischen Waffen ist strengstens verboten.“ Auch von seinen bayerischen Kollegen bekommt Schindler keine Rückendeckung. „Ich kann mir das in Bayern nicht vorstellen“, sagt Johann Koch, Jagdreferent beim Bayerischen Bauernverband. Er hält den Vorstoß eher „für einen Ausdruck der Verzweiflung“. Er spricht sich dafür aus, zunächst alle andere Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor ein ganzes Heer zum Nahkampf ausrückt. Dazu zählt für ihn ein bayernweites Konzept zur revierübergreifenden Jagd.

Dafür nimmt Koch die Jäger in die Pflicht, noch stärker zusammenzuarbeiten. Militärische Hilfe hält er für kontraproduktiv. „Das ist auch ein Akzeptanz-Problem“, vermutet der Jagdreferent. Wenn plötzlich Profi-Schützen der Bundeswehr in den Revieren anrücken, könnten sich die Jäger auf den Schlips getreten fühlen. „Das wäre ein Vertrauensbruch.“ Auch der Tierschutz spricht gegen einen Bundeswehr-Einsatz in Bayerns Wäldern. Denn die Waffen der Soldaten verletzen die Tiere nach Aussagen Vockes zunächst nur stark. „Sie sterben dann später elendig.“ Durch die verwendete Munition würde zudem das Fleisch unbrauchbar.

Um der großen Wildschwein-Population Herr zu werden, lautet sein Konzept: Bauern statt Bundeswehr um Hilfe bitten. „Wir brauchen dringend Schussschneisen in den Feldern.“ Landwirte und Jäger müssten noch stärker kooperieren.

Janine Tokarski

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