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In den bayerischen Wäldern gibt es ein saumäßiges Problem: Die Zahl der Wildschweine steigt rasant – trotz Rekordabschusszahlen. Jäger und Landwirte bekamen sich deswegen oft in die Haare und gaben sich gegenseitig die Schuld.

Krawall im Wald

Wildschwein-Plage sorgt für zerstörte Getreidefelder

München – Bayerns Jäger schießen eine Rekordzahl an Wildschweinen – aber das reicht nicht. Das Schwarzwild vermehrt sich wie nie zuvor.

Eine von der Staatsregierung in Auftrag gegebene Studie sollte helfen, die Wildschweinplage in den Griff zu bekommen. Eines der Ergebnisse: mangelnde Kommunikation und gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Jägern und Landwirten. Johann Koch, Referent für Wald und Jagd beim Bayerischen Bauernverband (BBV), verrät, wie es um das Verhältnis zwischen Jägern und Landwirten steht.

-Wie gravierend sind die Schäden, die die Wildschweine anrichten?

In einigen Regionen sehr gravierend, vor allem in Mais-, Raps- und Getreidefeldern. Auch der Schaden im Grünland wird oft unterschätzt. Die Wildschweine wühlen den Boden auf, danach ist da Mähen praktisch unmöglich – oder es entstehen Schäden an den Maschinen. Wenn Erde mit ins Silo transportiert wird, gammelt die Silage schneller und die Landwirte können es nicht mehr verfüttern.

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Bauern?

In der Vergangenheit gab es oft gegenseitige Schuldzuweisungen. Die Landwirte warfen den Jägern vor, zu wenig Schwarzwild zu schießen. Jäger warfen den Landwirten vor, zuviel Mais anzubauen und die Lebensbedingungen für die Wildschweine damit zu verbessern. Inzwischen gibt es bereits gute Ansätze für eine konstruktive Zusammenarbeit. Besonders in den Projektregionen der Studie „Brennpunkt Schwarzwild“. Aber auch in der Region des Sachsenrieder Forsts haben sich Landwirte und Jäger schon vor gut einem Jahr mit Mitarbeitern der bayerischen Staatsforsten zusammengetan, um Lösungen für die Wildschweinplage zu suchen. Nur so kann es funktionieren: Alle Betroffenen müssen an einen Tisch kommen und offen miteinander reden.

War erst eine vierjährige Studie nötig, um zu diesem Ergebnis zu kommen?

Offensichtlich. Und externe Mediatoren – ohne sie hätte es auch in den Projektregionen nicht funktioniert, alle Beteiligten zusammenzubringen. Das Problem ist einfach, dass in vielen Regionen Vorurteile die Diskussion beherrschen. Und es gibt noch einen gewissen Revier-Egoismus – dass er überwunden werden kann, hat die Studie bewiesen.

Die Jäger waren nicht so begeistert von den Ergebnissen der Studie...

Die Verbandsspitze des Bayerischen Jagdverbands hat den Sinn der Studie in Frage gestellt – aber viele Jäger vor Ort haben sich klar positiv über das Projekt geäußert. Die Spannungen gibt es jetzt vor allem innerhalb des BJV. Jagdverband und Bauernverband haben unterschiedliche Auffassungen, was den Umgang mit den Projektergebnissen angeht.

Der BJV hat unter anderem kritisiert, dass die Studie keine neuen Ergebnisse gebracht hat – ein Infoportal gibt es bereits.

Das Infoportal des BJV, und das Schwarzwildinformationssystem SIS, das bei dem Projekt erarbeitet wurde, kann man gar nicht vergleichen. Beim SIS kann sich jeder Beteiligte einbringen, Informationen lesen, Meldungen schreiben. Das ist eine echte Kommunikationsplattform, die alle Beteiligten zusammenführen soll. Die BJV-Plattform ist nur Jägern zugänglich.

Wieso funktioniert die Zusammenarbeit in einigen Regionen gut und in anderen nicht?

Das hängt von den Personen ab, man braucht auf beiden Seiten Initiatoren. Die Studie hat uns gezeigt: Manchmal ist ein Mediator nötig, um die oft sehr emotionsbehaftete Diskussion auf sachliche Ebene zu lenken. Der BBV hat sich bei den Jägern ausdrücklich für die hohen Abschusszahlen bedankt. Aber es ist auch deutlich geworden: Die Ausbreitung des Schwarzwilds können wir nur in den Griff bekommen, wenn wir bewährte Jagdmethoden wie revierübergreifende Bewegungsjagden endlich flächendeckend durchführen und ergänzend neue Instrumentarien testen.

-Wie können die Bauern die Jäger unterstützen?

Durch zügige Information. Wenn sie Schäden auf ihren Feldern feststellen zum Beispiel, oder wenn sie Mais aussäen oder bei der Ernte Wildschweine im Feld entdecken. Oder durch Bejagungsschneisen. Das muss vor Ort passieren – auf Landesebene können wir nur Rahmenbedingungen schaffen, die die Schwarzwildjagd erleichtern. Zum Beispiel durch das Infoportal. Oder durch rechtliche Lockerungen, was den begrenzten Einsatz von Nachtzielgeräten angeht.

Interview: Katrin Woitsch

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