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Saumäßig clever: Die Wildschweine machen es den Jägern nicht leicht. Die Population ist höher denn je – trotz Rekord-Abschusszahlen. Deshalb rumort es zwischen Jägern, Bauern und Förstern gewaltig.

Saumäßiger Ärger im Wald

Die bayerischen Jäger ärgern sich. Trotz Rekordabschusszahlen für Wildschweine wird ihre Arbeit kritisiert

Sie sind clever. Verflixt clever sogar, sagt Reiner Grüter. Der Mann ist nicht nur Jäger, sondern auch Schwarzwild-Experte. Er beschäftigt sich seit 50 Jahren mit Wildschweinen. Und seit einigen Jahren mehr denn je. Seit die Lebensbedingungen für die Tiere in Bayern so saumäßig gut sind, dass sie sich explosionsartig vermehren. Aber nicht nur deswegen rumort es seit einiger Zeit in Wald und Flur. Wegen der Schäden, die die Wildschweine auf Feldern und im Wald hinterlassen, werfen viele Bauern den Jägern mangelnden Schusseifer vor – obwohl die Abschusszahlen im vergangenen Jagdjahr mit 66 000 Tieren so hoch waren wie nie zuvor. Diese Kritik ärgert nicht nur Reiner Grüter. „Wir sitzen selbst im Herbst und Winter manchmal die ganze Nacht in der Kälte und hören dann: Ihr seid unfähig“, ärgerte sich Jagdpräsident Jürgen Vocke. „Dann sucht euch eure Jäger selbst.“

Verärgert sind Bayerns Jäger vor allem über die Kritik, die der vom Landwirtschaftsministerium beauftragte Experte Niels Hahn vor zwei Wochen im Landtag geäußert hatte. Er präsentierte die Ergebnisse der 364 000 Euro teuren Studie „Brennpunkt Schwarzwild“ (wir haben berichtet) und warf den Jägern fehlendes Wissen und Egoismus vor. Die bayerische Wildschweinplage führte er auch auf die fehlende Kommunikation von Jägern, Bauern, Förstern, Waldbesitzern und Behörden zurück.

Was Hahn vorschlug, nämlich ein landesweites Informationssystem, gebe es längst, kritisierte Vocke. Die Jäger ärgern sich über die Ergebnisse der Vier-Jahres-Studie nicht nur, weil sie ihnen die Mitschuld für die hohe Schwarzwildpopulation gibt – sondern weil sie zur Finanzierung etwa 360 000 Euro aus der Jagdabgabe beisteuern mussten. Die Ergebnisse, die sie nun bekommen haben, sind für sie – gelinde gesagt – unbefriedigend. „Ein vernünftiges und flächendeckendes Schwarzwild-Management kann nur in Kooperation aufgebaut werden“, betonte Vocke. Die Jäger fordern mehr Unterstützung von den Landwirten mit Bejagungsschneisen in den Feldern, von den jagdlichen Vereinigungen bei der Weiterbildung und von den Behörden, beispielsweise Gebührenfreistellungen für Verkehrssicherungsmaßnahmen bei Drückjagden. „Es ist verflixt schwierig, Wildschweine zu jagen“, betont Grüter. Aber es gelinge den bayerischen Jägern seit zehn Jahren sehr gut. Lob habe es dafür noch nie gegeben.

Katrin Woitsch

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