EU will Donau-Region aus Dornröschenschlaf wecken

Brüssel - Die EU-Kommission will die Donau-Region mit ihren 115 Millionen Anwohnern wirtschaftlich und ökologisch vorantreiben. Wie die erste Donau-Strategie aussehen soll und wo der wichtigste Schwerpunkt liegt:

Kommissar Johannes Hahn legte am Donnerstag in Brüssel die erste Donau-Strategie vor. Ihr wichtigster Schwerpunkt: Die Schiffbarkeit des Flusses erheblich zu verbessern.

Künftig solle die Donau das ganze Jahr über befahrbar sein, sagte Hahn. Bereits in dem kommenden Jahren sollten Schiffe mit einem Tiefgang von 2,50 Meter an 300 Tagen fahren können. Das Potenzial sei riesig. Auf dem Rhein mit seinen 800 schiffbaren Kilometern würden jährlich 330 Millionen Tonnen Güter transportiert, auf der Donau nur 50 Millionen Tonnen. Dabei könne der Fluss “theoretisch“ auf 2.800 Kilometern befahren werden, so Hahn. Die Kapazitätsnutzung von 10 Prozent will der Österreicher bis 2020 verdoppeln.

Neue Institutionen oder zusätzliches Geld wird es aus Brüssel für die Region nicht geben. Für das laufende Rechnungsjahr stehen aus der EU 100 Milliarden Euro zur Verfügung, die zu einem großen Teil schon verplant sind. Die Ziele der Strategie müssen deswegen durch eine bessere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit erreicht werden. Als Beispiel nannte der Kommissar die Wasserqualität: “Es macht keinen Sinn, wenn wir ein neues Klärwerk bauen, und 20 Kilometer weiter werden wieder Schadstoffe eingeleitet.“

Klein-Europa

Umweltschützer sehen die Pläne zur Intensivierung der Schifffahrt kritisch. “Wer sich von Investitionen in die Schifffahrt ein wirtschaftliches Wunder verspricht, glaubt an einen Mythos“, erklärte der WWF. Der Fonds rief Ungarn auf, in seiner zum 1. Januar beginnenden EU-Ratspräsidentschaft die Strategie unter Umweltgesichtspunkten zu korrigieren.

Das Donau-Gebiet ist nach der Ostsee die zweite “Makroregion“, der sich Brüssel mit einer speziellen Strategie widmet. Sie erstreckt sich von Deutschland im Westen bis zur Ukraine im Osten über 14 Staaten, darunter acht EU-Mitglieder. Die Donaustrategie geht zurück auf eine 1998 gestartete Initiative von zunächst 15 Städten, die damals in Ulm/Neu-Ulm das erste Internationale Donaufest feierten. Hahn lobte das Engagement der Region: “Inzwischen ist ein richtiger Donau-Boom ausgebrochen“, sagte er. Und hofft auf eine grenzüberschreitende Ausstrahlung: “Die Donau ist ein Klein-Europa. Wenn wir hier erfolgreich sind, sind wir überall erfolgreich.“

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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