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Vorbildlich wärmen sich diese jungen Frauen in Bayrischzell vor der Abfahrt auf. Der Wintereinbruch freut Wintersportler und natürlich auch Liftbetreiber und Hüttenwirte, für die der Winter heuer bislang kaum Geschäft brachte.

Wintereinbruch in Bayern

Verspätete Eröffnung der Skisaison

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Wintersportbegeisterte mussten heuer lange darauf warten: Endlich liegt Schnee. Auch Liftbetreiber und Hüttenwirte atmen auf. Autofahrer dagegen hatten zu kämpfen. Auf den Straßen und Autobahnen kam es zu mehreren hundert Unfällen. Und Vorsicht: Es bleibt winterlich.

München – „Wir sind erleichtert“, sagt Manuela Zehendmaier, Betreiberin der Ödberg-Skilifte in Gmund-Ostin (Kreis Miesbach). Gestern war der erste Tag, an dem die Lifte in diesem Winter endlich in Betrieb genommen werden konnten – bislang war es sogar zum Beschneien zu warm. Am Sonntag waren die Lifte voll – der Ödberg ist vor allem für Kinder ein prima Übungsgebiet. Seit zehn Jahren betreiben die Zehendmaiers die Lifte, aber Manuela Zehendmaier kann sich nicht erinnern, dass die Saison schon einmal erst Mitte Januar startete. Für sie und viele andere Liftbetreiber sind die Ausfälle heuer schwer zu verkraften. Denn so klein der Lift auch sein mag, jedes Jahr ist der TÜV fällig, ebenso der Betrag für die Berufsgenossenschaft und Abzahlungen für Investitionen – egal, ob die Lifte laufen oder still stehen.

Auch Hüttenwirte haben zu kämpfen. „Es gab null Schnee, aber zum Wandern war es zu kalt – deshalb war bei uns kaum etwas los“, sagt Wirtin Margit Walther von der Tölzer Hütte am Brauneck bei Lenggries (Kreis Wolfratshausen-Bad Tölz). Sie hofft jetzt nach dem verlorenen Herbst- und Weihnachtsgeschäft auf eine gute Saison bis Ostern – immerhin. „Danach wollen die meisten leider nicht mehr Skifahren, auch wenn die Bedingungen im Frühling oft optimal sind.“

Auf der Zugspitze waren sie heuer wegen der Baustelle zunächst froh, dass der Winter ausblieb. „Aber dann blieb er zu lange weg“, findet Mitarbeiter Matthias Ferchel. Auch wenn der Skibetrieb auf dem Gipfel lief, ist er froh, dass nun Chancen auf perfekte Schneeverhältnisse im ganzen Skigebiet bestehen. Am Sonntag fuhren übrigens nur 600 Skifahrer auf Deutschlands höchstem Berg – an Spitzentagen sind es bis zu 4000 Menschen. Gestern schneite es auf der Zugspitze und es war klirrend kalt – mittags wurden minus 21 Grad gemessen. Der Schnee türmte sich auf stolze 2,45 Meter.

Durch den vielen Neuschnee stieg akut aber auch die Lawinengefahr in den Alpen, teilte der Lawinenwarndienst am Sonntag mit. Auf Höhen von über 2000 Metern könne bereits ein einzelner Skifahrer eine Schneebrettlawine auslösen. In Tirol gingen am Wochenende Lawinen ab.

Im Flachland fielen vor allem am Alpenrand bis zu 40 Zentimeter Schnee. Vielen Autofahrern machten Schnee und Eis zu schaffen. Auf schneeglatten Straßen kam es seit Freitag bayernweit zu mehreren hundert Unfällen, mindestens drei Menschen kamen ums Leben. Viele Verkehrsteilnehmer seien offensichtlich „überfordert“ gewesen, sagte ein Polizeisprecher in Niederbayern: „Wir hatten bis dato keinen Winter.“ Am Sonntag waren in höheren Lagen wie der Spitzingstraße am Schliersee (Kreis Miesbach) Schneeketten empfehlenswert

Tödlich endete ein Unfall für eine 48 Jahre alte Autofahrerin bei Thannhausen (Landkreis Günzburg). Die Frau schleuderte laut Polizei mit ihrem Wagen in den Gegenverkehr und krachte frontal in einen Lastwagen. In der Nähe von Mertingen (Landkreis Donau-Ries) starb bei einem Unfall auf glatter Fahrbahn eine 16-jährige Beifahrerin, zwei weitere Autoinsassen wurden bei dem Unfall verletzt. Bei Syrgenstein im Landkreis Dillingen kam ebenfalls eine 59-jährige Autofahrerin ums Leben. Ein 44-Jähriger war mit seinem Wagen auf glatter Fahrbahn ins Schleudern geraten und in das Auto der Frau gefahren, er wurde leicht verletzt.

Autofahrer müssen weiterhin vorsichtig sein, der Winter hält sich: Zum Wochenanfang muss sogar überall in Bayern mit Dauerfrost gerechnet werden. In den Nächten sind vielerorts zweistellige Minus-Grade möglich, prophezeit der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in München. Nach viel Sonne am Montag soll es ab Dienstag schneien.

Unseren Ticker zum Wetter in München und Bayern finden Sie hier.

mit Material der dpa

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