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Weißes Gold – über volle Streusalz-Lager würde sich so manche Kommune im wintergeplagten Oberbayern freuen.

Winterwetter: Woher kommt unser Streusalz?

München - Gold ist im Winter weiß – und salzig. Je schneereicher die kalten Monate sind, desto begehrter wird der Rohstoff Streusalz. Momentan ist er bei vielen Kommunen knapp. Selbst schuld, sagt der Großlieferant.

Heuer kam der Winter früh, bis auf ein paar Tage Tauwetter zwischendrin hält er sich hartnäckig. An Frühling ist noch nicht einmal zu denken – und schon geht den Kommunen das Streusalz aus. Selbst schuld, sagt der Großlieferant.

Zunächst: Es gibt in Deutschland im Prinzip nur drei Konzerne, die die Republik mit Streusalz versorgen. Einer davon ist Wacker Chemie mit Hauptsitz in Burghausen (Kreis Altötting) – die AG beliefert ganz Süddeutschland. Das Salz baut Wacker Chemie in einem Bergwerk im baden-württembergischen Stetten ab: 500.000 Tonnen pro Jahr. Der Großteil wird verwendet, so erklärt Sprecher Christof Bachmair, um Chlor herzustellen. Der Rest, immerhin mehr als 200.000 Tonnen, ist „Nebenprodukt“ und wird auf den Straßen Bayerns und Baden-Württembergs verteilt.

Gemeinden haben oft keine Lagerkapazitäten

Straßenmeistereien, Autobahnmeistereien werden mehr oder weniger direkt von Wacker Chemie beliefert – sofern sie Vertragskunden sind. Das Streusalz-Jahr beginnt eigentlich, wenn es für die Autofahrer vorbei ist: Im Frühjahr. Dann kaufen die Gemeinden zum Teil mit Rabatt und lagern es ein. Im Herbst wird regulär bestellt, eine Tonne kostet etwa 78 Euro. „Aber eine ganze Reihe von Kommunen haben nicht genügend Salz gelagert“, sagt Bachmair von Wacker Chemie. Deshalb gehen in Burghausen dieser Tage zahlreiche kurzfristige Bestellungen ein – direkt von den Bauhöfen oder über Zwischenhändler. Die Priorität der Lieferungen ist klar geregelt: Vertragskunden zuerst, wenn noch was übrig bleibt, werden auch andere Anfragen berücksichtigt. Den Engpass zur Zeit beschreibt Bachmair aber als „unentspannt“.

Doch warum sind nicht einfach alle Gemeinden Vertragskunden? „Nicht alle haben ausreichende Lagerkapazitäten“, erklärt Cornelia Hesse vom Bayerischen Gemeindetag. Anders als die Landeshauptstadt München oder Autobahnmeistereien können sie sich schon allein deshalb nicht zur Abnahme großer Mengen verpflichten – von dem finanziellen Risiko bei einem schneearmen Winter abgesehen. Salz lässt sich nämlich nicht einfach bis zum nächsten Winter aufbewahren.

Wahrscheinlichkeit, dass Straßen gesalzen sind immer geringer

So geht es zum Beispiel der Stadt Dachau, mit 40.000 Einwohnern eine vergleichsweise große Kommune. Bauhofleiter Anton Hörhammer bekam Anfang der Woche von seinem Zwischenhändler mitgeteilt: Die kommenden zwei Wochen gibt es keinen Nachschub. Ähnlich geht es Fürstenfeldbruck und auch kleineren Gemeinden in ganz Oberbayern. So bleibt vielen Bauhofleitern nichts anderes übrig, als mit den Vorräten sparsam umzugehen, nur noch Gehwege zu salzen und Straßen durch Split einigermaßen befahrbar zu machen. Bleibt nur noch der Appell an die Bürger: vorsichtig gehen, langsam fahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Straßen gesalzen sind, wird mit jedem Wintertag geringer.

Von Carina Lechner

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