Ältere Menschen stecken sich häufiger an

Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Bayern: Trotz Impfung - mehr als die Hälfte der Bewohner erkrankt

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Doppelt geimpft und trotzdem an Covid-19 erkrankt. Sieben Bewohner eines Pflegeheims in Wittislingen haben sich mit dem Virus infiziert.

Wittislingen - In einem Pflegeheim im schwäbischen Wittislingen (Landkreis Dillingen) kam es zu einem größeren Corona-Ausbruch. Sieben der 13 Bewohner einer Wohngruppe infizierten sich mit dem Virus. Eine Pflegekraft ebenfalls. Aber wie kann das sein? Alle Bewohner sind bereits zweifach gegen Corona* geimpft.

Corona-Ausbruch in Pflegeheim: Kein Impfstoff bietet einen 100-prozentigen Schutz

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es bei keiner Impfung, weiß der Infektiologe und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger. Er sagte dem BR: „Es gibt für jede Impfung Versager, das wissen wir. Zum Beispiel haben wir bei den Biontech*- und Moderna*-Impfstoffen eine Wirksamkeit von 95 Prozent gehabt - mit den alten Corona-Varianten. Bei den neuen Corona-Varianten liegt die Wirksamkeit bei ungefähr 80 bis 90 Prozent. Das heißt zehn Prozent der Infektionen können tatsächlich durchbrechen.“ 80 bis 90 Prozent seien aber immer noch sehr gut, gibt der Mediziner zu bedenken.

Besonders ältere Menschen sind anfällig trotz Impfung die Krankheit dennoch zu bekommen. Sie bilden nach aktuellem Kenntnisstand nicht so viele Antikörper wie jüngere. Aber auch Personen, die nur leicht an Covid-19 erkrankt sind, und Menschen mit hochgradigen Nierenerkrankungen oder mit schweren Immundefekten können oft nicht genug Abwehrstoffe aufbauen. Medikamente können die Wirkung der Impfung ebenfalls beeinflussen.

Corona-Ausbruch in Pflegeheim: Bewohner sind isoliert

In einem Pflegeheim in Wittislingen kam es zu einem massiven Corona-Ausbruch trotz Impfung.

Der Leiter der Benevit-Gruppe, Betreiber mehrere Pflegeeinrichtungen (auch der in Wittislingen), Kaspar Pfister weiß, dass es immer wieder zu Erkrankungen kommen kann. Sieben in einer Einrichtung gab es bislang aber noch nicht. Mehr Infizierte als die sieben Bewohner und die eine ungeimpfte Pflegekraft wird es aber wohl nicht geben, so Pfister gegenüber dem BR. Seit Montag gab es keinen weiteren positiven Corona-Tests*. Es wird aber auch alles dafür unternommen, dass es so bleibt. Die betroffenen Patienten nehmen ihr Essen auf dem Zimmer zu sich und werden stets von der selben Pflegekraft betreut. Außerdem gelten weitere Hygienemaßnahmen wie das Tragen einer Maske in den Innenräumen.

Bei allen betroffenen verläuft die Infektion dank der Impfung bislang mild. „Da keiner schwer erkrankt ist, zeigt, dass die Impfung wirklich hilft“, sagt Pfister. Er wisse von keinem Fall, bei dem ein Bewohner, der vollständig geimpft ist, einen schweren Verlauf hatte. Hingegen beobachtete er, dass die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit bei der Delta-Variante länger sei. Vorher seien es etwa sechs Tage gewesen, jetzt könnten schon mal 14 Tage vergehen.

Der Inzidenzwert* des Landkreises Dillingen liegt am Dienstag laut RKI bei 17,6. Also etwas über dem bayerischen Durchschnitt von 14,0. Aber unter dem bundesweiten Schnitt von 17,9. Den höchsten Inzidenzwert meldete am Dienstag erneut das Berchtesgadener Land (54,8). Das scheint allerdings den Touristen nicht viel auszumachen. Die Hotels und Herbergen sind fast voll ausgebucht. Keine Corona-Infektionen gibt es hingegen in den Städten Memmingen und Schwabach. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa/Symbolbild

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