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Internet-freie Zone: Noch gibt es keine WLAN-Hotspots auf den meisten Alpengipfeln.

Hotspots auf Gipfeln geplant

WLAN in den Alpen - wenn alle nur noch ins Handy starren

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Bisher sind die idyllischen Plätzchen unter dem Gipfelkreuz Internet-freie Zone. Doch bald könnte WLAN dafür sorgen, dass der Blick nur noch aufs Handy fällt. Was Bergfexe dazu sagen. 

München - Thomas Frey kann es sich schon bildlich vorstellen. Wie es aussehen wird, wenn es WLAN-Hotspots auf den Berggipfeln gibt - mit Hinweisschildern und QR-Code. Die Hälfte der Bergsteiger werde dann dort oben sitzen und ins Handy starren. „Das Eigentliche aber kommt zu kurz“, sagt der Regionalreferent für Schwaben vom Bund Naturschutz. Eigentlich gehe es doch genau darum, einen Ausgleich „zu unserer durchgeplanten Infrastruktur“ zu finden, zum Dauerklingeln des Handys. In der Natur komme man zur Ruhe. „Man kann abschalten vom Alltag.“ Wenn man versuche, die Berge mit Internet und ständiger Erreichbarkeit auszustatten, könne diese Funktion verloren gehen.

Naturschützer wie Frey sehen die „Bayerische Alpenstrategie“, die die Staatsregierung am Dienstag beschlossen hat, kritisch. Kern der Strategie ist die Digitalisierung des Alpenraums. Nicht nur in den Tälern, sondern auch auf den Bergen soll Telefonieren und Surfen im Internet bald problemlos möglich sein. Auch an freie WLAN-Hotspots auf den Berggipfeln wird gedacht. Jederzeit online. Dann können die Wanderer gleich alle Daten über den Berg nachlesen oder Selfies an die im Tal Gebliebenen abschicken. Doch bei einer kleinen Umfrage unserer Zeitung stoßen die Pläne auf Ablehnung.

„Berge sollen Wildnis bleiben“

Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein (DAV) kann sich die Digitalisierung nur auf Gipfeln vorstellen, die sowieso schon von Seilbahnen und Infrastruktur erschlossen sind, wie etwa auf der Zugspitze. „Da ist es eh schon wurscht“, sagt er. „Aber überall Hotspots halten wir sicher nicht für sinnvoll.“ Seine Meinung ist klar: „Die Berge sind Wildnis und sollen das auch bleiben.“ Diese Wildnis mache auch ihren Reiz aus.

Eine gewisse Abdeckung mit Mobilfunk ist sinnvoll. Da sind sich alle einig. Das zeigt auch die Statistik. Die Zahl der Alarme habe stark zugenommen, die Zahl der Bergtoten sei aber gleichzeitig gesunken. Das liege daran, dass die Retter öfter und schneller gerufen werden können. Doch die derzeitige Mobilfunkabdeckung reiche aus, sagt Bucher. Die Möglichkeiten zum Telefonieren seien weit verbreitet. Aber es gebe auch Flecken, wo es keinen Empfang gebe.

Ein Flickenteppich - damit müsse man leben. „Es ist gut so, wie es ist“, sagt Bucher. In den Bergen gebe es „keine Vollkasko-Service-Abdeckung“. Wer ins Gebirge steige, könne sich nicht auf Erreichbarkeit verlassen und müsse sich darauf einstellen. „Das ist anders als in der Kletterhalle.“ Man müsse Respekt vor den Bergen haben, dürfe sich nicht überschätzen und solle sich langsam vorantasten.

Minimaler Empfang für Notfall-SMS angemessen

Auch Stefan Witty von der Alpenschutzkommission CIPRA sieht das ähnlich. „Rumsurfen in den Bergen ist nicht sinnvoll. Die Berge sind eine Region, wo der Mensch auch mal vom Alltag entspannen kann.“ Allenfalls einen minimalen Empfang für eine Notfall-SMS hält er für angemessen. „Aber mehr nicht“.

Roland Ampenberger vom Bergwacht-Zentrum in Bad Tölz möchte sich nicht positionieren. „Wir nutzen die Infrastruktur, die da ist“, sagt er, „Wir nehmen es so, wie es ist.“ Aber auch er stellt sich die Frage: „Wie weit wollen wir die Alpen erschließen?“

Für Thomas Frey ist die Antwort klar. Ohne Surfen, ohne Action sei man viel offener und könne viel intensivere Erfahrungen machen. „Man muss einen offenen Kopf und ein offenes Herz für echte Naturerfahrungen haben.“

Nina Gut

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