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Online auf dem Wasser: Finanzminister Markus Söder (r.) stellt das freie WLAN auf dem Starnberger See vor. Neben ihm steht Kapitän Wolfgang Fischer.

Netz Ahoi!

WLAN auf dem See: Braucht's das wirklich?

München - Ab sofort steht auf Bayerns Ausflugs-Dampfern für jeden Gast freies WLAN bereit. Bleibt die Frage, wie sinnvoll es ist, beim Schippern zu surfen. Braucht’s das?

Markus Söder und die Schiffe, das war bisher keine Liebesgeschichte. Vor drei Jahren verbot Bayerns Finanzminister den Fahrgästen, an Deck zu rauchen; die Entrüstung unter den ohnehin gebeutelten Qualmern war groß. Gestern hat Söder den Fahrgästen etwas zurückgegeben: Ab sofort haben sie – zumindest auf dem Starnberger See – freien Zugang zum kabellosen Internet (WLAN). Dabei stellt sich eine ganz ähnliche Frage wie vor drei Jahren: Braucht’s das wirklich?

Während Söder von einem „innovativen und modernen Zusatzangebot für alle Schiffspassagiere“ schwärmte, unkte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher: Statt eines Gesamtkonzepts zum öffentlichen Internet präsentiere Söder „lieber werbewirksam ein Schifferl-WLAN“. Ortszentren hätten freies Netz nötiger.

Und dann ist da noch diese andere Frage. Bleibt Freizeit nun Freizeit oder wird sie endgültig zur Surfzeit?

Der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der LMU München beschäftigt sich mit dem Thema Internet. Freies Netz auf Schiffen anzubieten, bewegt sich für ihn in einem Grenzbereich. Zwar gehöre WLAN in Transportmitteln zunehmend zum Standard, Fahrgäste nähmen es sogar als störend wahr, wenn es kein Internet gebe. Selbst die Deutsche Bahn hat angekündigt, künftig freies WLAN in manchen Zügen anzubieten. Und in Bayerns Kommunen gehören so genannte Hotspots, Punkte, an denen freier Internetzugang möglich ist, zur Normalität. Gleichzeitig, sagt Neuberger, könne man sich aber mit Blick auf die Schiffe schon die Frage stellen: „Wozu verführt man die Leute da?“ Ist der Blick auf den See nicht wertvoller als der aufs Smartphone?

Söder ist nicht der einzige WLAN-Fan

Es ist keine neue These, dass durch die ständige Verfügbarkeit die Muße für anderes verloren geht. Wissenschaftler wie Neuberger bewerten das nicht, sie stellen es wertfrei fest. Auch beim Deutschen Alpenverein, einer Bastion des unbelasteten Naturerlebnisses, sieht man die Sache mit dem Internet pragmatisch. Auf einigen Hütten, heißt es aus der Münchner DAV-Zentrale, gebe es freies WLAN. „Wir machen aber keine Vorgaben“, sagt der für Hüttenbau und Technik zuständige Xaver Wankerl. Empfang gebe es da, „wo’s technisch möglich ist und Sinn macht“. Zum Beispiel auf Hütten an Fernwanderwegen, wo man anders nicht an Nachrichten kommt. Anders Tagesausflugshütten. Wankerl kennt sogar die eine oder andere handyfreie Hütte. Die Entscheidung über WLAN oder nicht liegt am Ende bei Sektion und Pächter. Mancher Pächter ist rigoros.

Dabei ist Minister Söder nicht der einzige, der den freien Zugang zum Internet auch auf untypischen Orten wie Schiffen uneingeschränkt gut findet. Der Geschäftsführer des Bayern-Tourismus, Martin Spantig, erklärte, freies WLAN sei grundsätzlich von Bedeutung. Studien belegten, dass die Leute ihre Urlaubsentscheidung zunehmend von Empfehlungen ihrer Bekannten abhängig machten. Durch Bilder schöner Orte setze so „ein Inspirations-Prozess ein, der zu neuen Gästen für das Urlaubsland Bayern führen kann“. Söder formulierte es etwas direkter: „Nun kann die ganze Welt umgehend mit Fotos vom schönsten See weltweit beglückt werden.“

Apropos die ganze Welt: In Ländern wie den USA oder Schweden ist der WLAN-Ausbau sehr viel weiter gediehen als hierzulande. Das hat vor allem rechtliche Gründe, wie Tobias McFadden, Gemeinderat der Piraten in Gauting (Kreis Starnberg), betont. Besonders die „Störerhaftung“ blockiere den Ausbau. Sie besagt, dass der Bereitsteller eines WLAN-Netzes für die (illegalen) Handlungen seiner Nutzer haftet. „Das ist restriktiv und angstorientiert“, sagt McFadden. Daher scheuten sich etwa Cafés, freies WLAN anzubieten. Auf sein Betreiben beschäftigt sich mittlerweile der Europäische Gerichtshof mit dem Thema.

Auch Söder plädiert für die Abschaffung der „Störerhaftung“ auf Bundesebene. So oder so: In den kommenden Wochen sollen auch die Schiffsflotten auf den anderen Seen über kabelloses Internet verfügen. Es folgen Burgen, Schlösser und Finanzbehörden, 2016 dann die anderen Behörden im Freistaat. Zuletzt sollen auch Kommunen am Bayernnetz teilhaben und freien Internetzugang anbieten können. Dann wären nach den Schiffen auch die Ortszentren versorgt.

Von Marcus Mäckler und Oliver Burger

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