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Auch im Klinikum Bogenhausen reichen zurzeit die Betten nicht aus. Mitunter bittet die Klinik dann die Leitstelle, zeitweise keine Patienten mehr in die Notaufnahme zu leiten. Dann muss eine andere Klinik angefahren werden.

Alarmstufe Not

Grippe sorgt für überfüllte Kliniken - Unfallopfer konnten nicht aufgenommen werden

Die Grippewelle hat Bayern noch immer fest im Griff. Die Krankenhäuser in der Region ächzen unter den vielen Erkrankten und eigenen Personalsorgen. 

München – Als am vergangenen Samstag bei einem Verkehrsunfall vier junge Frauen leicht verletzt wurden, standen die Rettungskräfte vor einem Problem. Wohin mit den Patienten? Weil im Erdinger Krankenhaus keine Kapazitäten mehr frei waren, mussten die Unfallopfer auf mehrere Kliniken verteilt werden – und einer der angeforderten Rettungshubschrauber nahm eine der Frauen sogar zu seinem Heimatstandort mit, in das Klinikum in Traunstein.

BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk.

Fälle wie diese, in denen die Rettungskräfte bei der Leitstelle anrufen und wegen Platz- und Personalmangels in weit entfernte Kliniken verwiesen werden, häufen sich in den vergangenen Wochen. Denn Bayerns Krankenhäuser ächzen unter der Grippewelle. Zum einen kommen deutlich mehr Patienten als sonst – allein das Klinikum rechts der Isar in München verzeichnet momentan rund 20 neue Grippepatienten am Tag. Und zum anderen sind auch die Mitarbeiter nicht vor der Influenza gefeit. Im Fürstenfeldbrucker Klinikum waren am Dienstag 21 Krankenschwestern und Pfleger krankgemeldet. Wie in vielen anderen Krankenhäusern der Region – etwa in Wolfratshausen – mussten dort vereinzelt Betten gesperrt werden. In Erding wurde die Aufnahme für einzelne Abteilungen bereits für mehrere Stunden gestoppt. Im Landkreis Weilheim-Schongau sind in den drei vorhandenen Krankenhäusern alle Betten belegt. Und auch große internistische Kliniken in München wie in Großhadern oder Bogenhausen sind bei den Leitstellen immer wieder auf „rot“ gestellt, weil keine Kapazitäten mehr vorhanden sind. Das bedeutet für die Rettungsdienste, dass zuerst andere Häuser angefahren werden müssen.

Video: Grippe 2018: Schon 102 Tote - Influenza-Virus breitet sich aus

„Momentan wirklich schwierig, Betten zu bekommen“

Für die Leitstellen, die die Rettungsdienste koordinieren, bedeutet das im Ernstfall hektische Telefonarbeit auf der Suche nach verfügbaren Betten. „Die Lage ist angespannt“, sagt Helmut Ochs, Leiter der Integrierten Leitstelle Oberland. „Es ist momentan wirklich schwierig, Betten zu bekommen.“

Das Schlimmste ist geschafft: Langsam nimmt die Zahl der Atemwegserkrankungen in Deutschland wieder ab.

„Diese Situation ist im Moment untragbar für das Hilfeleistungssystem in Bayern“, kritisiert der BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Teilweise müssten die Rettungswagen minutenlang warten, bis feststehe, wohin sie fahren können. „Im Notfall ist das eine Ewigkeit. Das ist gefährlich für die Patienten“, sagt Stärk. Die Rettungsfahrzeuge stünden somit erst verzögert wieder für neue Notfalleinsätze zur Verfügung – und die Mitarbeiter sammeln Überstunden. Stärk mahnt deshalb dringend, die Notaufnahme und die Rettungskräfte nicht mit weniger gravierenden Fällen zu überlasten. „Bei leichten Beschwerden sollte man deshalb bitte die Notrufnummer 116 117 des kassenärztlichen Notdienstes wählen.“

Dazu rät auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU): „Vor dem Hintergrund der ohnehin stark in Anspruch genommenen Notaufnahmen in den Kliniken sollten sich an Grippe Erkrankte zunächst an ihren Hausarzt, den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns oder eine ambulante Bereitschaftspraxis wenden.“ Die ambulante Notfallversorgung sei nicht Aufgabe der Krankenhäuser.

„Es war ein Rekordjahr“

So hoffen alle Beteiligten, dass die Grippewelle endlich nachlässt. Zumindest hier hat das Robert-Koch-Institut gute Nachrichten: „Es sieht so aus, als hätten wir den Höhepunkt überstanden“, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher. In der Kalenderwoche 9 gingen die Meldungen der akuten Atemwegserkrankungen deutschlandweit zurück – allerdings ist das Niveau nach wie vor sehr hoch (siehe Grafik unten). „Es war ein Rekordjahr“, sagt Glasmacher. Die Meldezahlen seien so hoch wie seit zehn Jahren nicht gewesen. Einziger Trost: Dadurch, dass die Welle so geballt kam, sei ein erneutes Aufflammen sehr unwahrscheinlich.

Lesen Sie auch: Influenza 2018: Was steckt hinter Grippe-Symptomen - ohne Fieber?

dg/ham/mc/imu/cce

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