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Joachim Wolbergs

Bayern-SPD reagiert geschockt

Wolbergs: Aufstieg und Fall des SPD-Hoffnungsträgers

Irsee - Die Bayern-SPD reagiert bei der Fraktions-Klausur in Irsee geschockt auf die Festnahme des Regensburger Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs. So ganz wollen die Genossen ihren einstigen Hoffnungsträger aber noch nicht abschreiben.

Margit Wild moderiert gerade eine Fraktionsdiskussion zur politischen Bildung, als ihr der Zettel mit der Nachricht gereicht wird: Joachim Wolbergs in U-Haft. Wild bleibt äußerlich gelassen, im Kopf drehen sich die Gedanken. Ist doch mehr dran an den Vorwürfen gegen ihren engen Parteifreund? Was bedeutet das für die Stadt? Was für die SPD?

Die Landtagsabgeordnete ist Vorsitzende der Regensburger SPD. Von der Fraktionsklausur in Irsee im Allgäu fährt sie rasch zurück nach Hause. Am Abend tagen die Kommunalgremien. Der örtliche Parteivorstand, die Stadtratsfraktion. Krisensitzungen. Sie sei „geschockt“, sagt Wild. Erschütterung. Das gilt für die gesamte Bayern-SPD.

Für die ist es ein Desaster. Die Umfragewerte liegen mit 14 Prozent auf dem Tiefpunkt. Gerade erst haben die Genossen die Affäre um den ehemaligen Augsburger Landtagsabgeordneten Linus Förster halbwegs verdaut, der wegen des Verdachts schwerer sexueller Straftaten ebenfalls in U-Haft sitzt. Die Vorwürfe gegen Wolbergs behandelte man bisher eher als vage Anschuldigungen – zumal Wolbergs immer behauptete, alle Vorwürfe entkräften zu können. Nun bekommen sie immer mehr Substanz. Vor allem, dass der OB Familienmitgliedern Vorteile verschafft haben könnte, wiegt schwer. „Das sind neue Vorwürfe, die ich nicht kannte“, sagt der oberpfälzische Bezirkschef und Chef des Rechtsausschusses im Landtag, Franz Schindler. „Ich kann nur hoffen, dass der Oberbürgermeister das widerlegen kann.“

Hinter den Kulissen gehen die Nachrichten hin und her, man stimmt sich ab. In einer Sitzungspause kommt dann Generalsekretärin Natascha Kohnen vor die Tür. „Wir sind echt bestürzt“, sagt sie in die Fernsehkamera. „Der Oberbürgermeister ist in einer schwierigen Situation.“ Die Partei erwarte nun eine schnelle Aufklärung. Erst danach könne man über Konsequenzen reden.

Ausgerechnet Wolbergs. Die Bestürzung ist auch deshalb so groß, weil er als Hoffnungsträger gilt. Als einer derjenigen, die die Landespartei aus dem tiefen Tal führen, ihren Absturz in der Wählergunst verhindern könnte.

Seit fast 30 Jahren ist der 45-Jährige in der Partei. Vor drei Jahren hatte er die Stadtspitze in Regensburg erobert. Den CSU-Konkurrenten ließ er in der Stichwahl um mehr als 40 Prozent hinter sich. In der Partei lobt man sein Durchsetzungsvermögen, sein breites Kompetenzspektrum. Er ist aber auch einer, der die Seele der Partei streicheln kann. „Wenn es einem gut geht, dann ist es eine Pflicht, Menschen, denen es nicht so gut geht, zu helfen“, sagte er mal. Ein Satz wie aus dem Handbuch für gute Sozialdemokraten. Noch immer schwärmen die Genossen von einer Rede Wolbergs über Zuwanderung und Integration auf dem Landesparteitag 2015. Doch die bisherige Begeisterung bröckelt merklich. Auch wenn man Wolbergs noch nicht abschreiben will. Er sei nicht kriminell, aber vielleicht schlampig, nachlässig im Umgang mit Zahlen – so die Erklärungsversuche. Doch selbst wenn nicht alles zuträfe, wie soll man bei derartigen Vorwürfen weiter seinen Amtsgeschäften nachgehen. Klar sei, dass ein OB-Amt die „volle Aufmerksamkeit“ verlange, sagt der Abgeordnete Georg Rosenthal, früher Rathauschef in Würzburg. „Herr Wolbergs nimmt für sich in Anspruch, dass seine Amtsführung bisher nicht gelitten hat.“ Die neuen Anschuldigungen deuten daraufhin, dass das wohl nicht so bleiben wird.

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