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Der Wolf – alle Fakten über den neuen Bayer

München - Unsere Leser sind fasziniert vom neuen bayerischen Wolf. Professor Albert Göttle, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, klärt alle wichtigen Fragen zu dem Tier.

Vorsichtig schnüffelt der Wolf an einem Baumstamm, dann markiert er schnell sein Revier, um wieder im Dunkeln der Nacht zu verschwinden. Das spektakuläre erste Foto vom bayerischen Wolf – es sorgte am Dienstag für einigen Wirbel.

Zig Leser meldeten sich bei uns und wollten mehr über das Tier wissen. Was geschiet nun mit dem Meister Isegrim? Wie gefährlich ist er? Wie viele Schafe hat es schon gerissen?

Fragen, die am besten Professor Albert Göttle beantworten kann. Immerhin ist er der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Wir sprachen mit ihm über den neuen bayerischen Wolf:

Herr Professor Göttle, nun gibt es also tatsächlich ein Bild vom ersten bayerischen Wolf.

Albert Göttle: Das auf dem Bild ist vielleicht ein Wolf. Einiges spricht dafür, dass es sich um das Tier handelt, das sich in Bayern bewegt.

Haben Sie sich nun schon einen Namen für das Tier überlegt?

Göttle: Nein – und das werden wir auch nicht tun. Dieser Wolf ist ein Wildtier.

Wie schätzen Sie die Gefahr für die Bevölkerung ein?

Göttle: In Bayern gibt es keinen dokumentierten Fall, bei dem ein Mensch durch einen Wolf getötet wurde. Auch vor 250 Jahren nicht. Jedenfalls ist mir keiner bekannt. Das Tier ist von Natur aus sehr scheu.

Nur die Tiere, die krank sind, können gefährlich werden, sagen Experten.

Göttle: In ganz Europa sind in den letzten 50 Jahren genau fünf Menschen durch Wölfe zu Tode gekommen. Jedesmal handelte sich um Angriffe eines kranken oder tollwütigen Tieres.

Aber unser Wolf nähert sich auch Siedlungen …

Göttle: Ein Wolf legt am Tag rund 50 Kilometer zurück. Und trotzdem hat ihn noch niemand richtig gesehen.

Wie soll man sich verhalten, wenn einem wirklich der Wolf begegnen sollte?

Göttle: Der Wolf ist ein scheues Tier und meidet den Menschen.

Ist es denkbar, dass sich gar bald ein Rudel bildet?

Göttle: Es kann auch sein, dass der Wolf noch länger als Einzelgänger unterwegs ist. So einen Fall gibt es beispielsweise in Hessen seit fünf Jahren.

Der Wolf reißt Schafe, die Bauern schimpfen. Wie hoch ist eigentlich der Schaden durch das Tier für die Almbauern bisher?

Göttle: Bei sieben Ereignissen wurden bisher etwa 2500 Euro bezahlt – und zwar für 19 gerissene und verletzte Schafe. Dazu kommt, dass der Wolf noch neunmal Rotwild gerissen hat.

Manchmal stellte sich bei toten Schafen aber auch heraus, dass eben nicht der Wolf zugeschlagen hatte …

Göttle: Das stimmt. Wir dürfen daher nicht anfangen, dem Wolf ganz generell alle Taten zuzuschieben. Bei einem Fall im Loisachgebiet stellte sich später heraus, dass zwei Füchse mehrere Lämmer gerissen hatten und nicht der Wolf. Auch hat der Wolf noch keine Rinder getötet, wie es manchmal heißt.

Verstehen Sie die Angst der Landwirte vor dem Wolf?

Göttle: Wir werden den Winter nutzen, um Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die hierfür vor allem zuständige Landesanstalt für Landwirtschaft hat mit den Betroffenen ein Beweidungskonzept entwickelt, das mit dem Auftrieb der Tiere im nächsten Jahr schrittweise umgesetzt werden soll. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass ein Hirte die Schafe nachts einpfercht. Dabei helfen Hütehunde, die Herden zusammenzutreiben.

Ist mit weiteren Zuzügen von Wolfen bei uns im Freistaat zu rechnen?

Göttle: Bayern ist Wolferwartungsland, wie wir das nennen. Das heißt einfach nur, dass davon auszugehen ist, dass in den nächsten Jahren noch mehr Tiere kommen können, um hier zu jagen bzw. sich anzusiedeln. Aus Österreich, aus Tschechien, aus Italien und so weiter. All diese Länder haben schon viel mehr Tiere als wir.

Und sie leben problemlos mit ihnen zusammen …

Göttle: Das ist grundsätzlich richtig.

Armin Geier

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