Managementplan verzögert sich

Der Wolf in der Schublade

München – Vom bayerischen Wolf fehlt jede Spur, der nächste könnte aber jederzeit auftauchen. Diese Pause sollte man zur Vorbereitung nutzen – finden Wolfsgegner und Wolfsunterstützer. Doch die Behörden kommen offenbar nicht in die Gänge.

Sie haben 200 Unterschriften gesammelt, und sie wollen, dass er ihnen nie mehr zu nahe kommt: der Wolf. Drei Schafhalter aus Mittenwald stehen am Donnerstagnachmittag in der Empfangshalle im Maximilianeum und übergeben ihre Petition an Barbara Stamm, die Landtagspräsidentin. „Wir brauchen Lösungen“, sagt der Wortführer Georg Seitz. „Die sollen sich was ausdenken“, fordert Mitstreiter Sepp Zunterer die Staatsregierung auf. Und Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, die die Petition der Mittenwalder unterstützen, sagt: „Wir müssen die Eigentumsrechte der Bauern schützen.“ Ein praxistauglicher Managementplan für den Umgang mit dem Wolf müsse her.

Knapp 24 Stunden zuvor läutet die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung in München eine neue Informationsoffensive ein, die zeigen soll: Wildtiere gehören zu Bayern, auch der Wolf. In einem neuen Magazin mit dem Titel „Bayern wild“ werden die sogenannten „Großen Beutegreifer“ vorgestellt – auch, um mit falschen Vorstellungen aufzuräumen. Und um die Bevölkerung auf die Wildtiere vorzubereiten. Denn, so heißt es im Vorwort der Broschüre: „Bayern wird in Zukunft Wolfsland sein.“ Seit Januar 2011 fehlt zwar jede Spur vom bayerischen Wolf. Aber in den Alpen rund um Deutschland, so sagt Christine Miller, Autorin der Broschüre und bayerische Beutegreifer-Expertin beim WWF, leben zig Wolfsrudel – allein in den französischen Seealpen 40. Dass Jungtiere von dort auch bis zu uns wandern, sei sehr wahrscheinlich. Miller: „Nur weil er gerade weg ist, ist das Problem nicht gelöst.“ Und so sind sich die einen, die den Wolf gerne wieder in Bayern heimisch sehen würden, und die anderen, die Angst um ihre Tiere auf der Weide haben, ausnahmsweise einig: Beide Seiten fordern von der Staatsregierung ein Konzept für den Umgang mit dem Wolf und zwar jetzt, wo gerade keine hochkochenden Emotionen stören.

Jetzt gibt es in Bayern bereits einen Managementplan – er war eine Reaktion auf das für den damaligen Umweltminister Werner Schnappauf unrühmliche Kapitel mit Braunbär Bruno. Darin werden zum Beispiel Ausgleichszahlungen für geschädigte Landwirte geregelt. Dieser Plan geht nur von einzelnen, durchziehenden Tieren aus – nicht aber von standorttreuen. Deshalb soll er weiterentwickelt werden. Doch offenbar zieht sich das länger als gedacht.

Bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Große Beutegreifer“, die an dem Managementplan mitarbeiten, ist man verwundert: „Im Juni 2011 hieß es aus dem Ministerium, dass der Entwurf nach der Sommerpause vorgelegt wird. Er ist bis heute nicht da“, sagt zum Beispiel Peter Blanché, Vorstand der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. „Der verstaubt in den Schubladen des Landwirtschaftsministeriums“, schimpft Claus Obermeier von der Louisoder-Umweltstiftung.

Tatsächlich liegt der 55-seitige Entwurf seit Ostern im Agrarministerium: „Wir machen das schnellstmöglich“, sagte ein Sprecher. Aber es handle sich schließlich um einen sensiblen Bereich. Das Ministerium ist die letzte Behörde, die eine Stellungnahme abgeben muss – erst dann geht der Entwurf zurück an das zuständige Landesamt für Umwelt. Dort wird er schon etwas ungeduldig erwartet.

Ein Kompromiss, mit dem Wolfschützer und Almbauern leben können, wird schwer zu finden sein. Zäune im hochalpinen Bereich oder der Einsatz von Herdenschutzhunden sind nicht praxistauglich, sagen die Schafhalter. Der Managementplan, den sie in ihrer Petition fordern, hat nur ein Ziel: verhindern, dass der Wolf im bayerischen Alpenraum heimisch wird. Und wenn das Raubtier doch kommt, so sagt Aiwanger, muss eine „Entnahme“ eine Option sein – wie auch immer die dann aussehe. Betäubung, Lebendfalle. Oder Abschuss.

Carina Lechner

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