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Augenzeuge berichtet von Wolfsattacke auf Ziege - und ist enttäuscht von der Politik

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Von: Heidi Geyer

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Wolf
In Oberbayern soll ein Wolf gesichtet worden sein (Symbolbild) © Harald Deubert/IMAGO

Im oberbayerischen Bergen soll ein Wolf eine trächtige Ziege angegriffen haben. Nun wird der Wolf zum Politikum in der Region.

Bergen – Von der Kehle tropft Blut – und auch Bissspuren sind noch erkennbar: Die trächtige Ziege der Familie Gutsjahr aus Bergen (Kreis Traunstein) wurde am Mittwochabend von einem anderen Tier im Offenstall attackiert. Jungbauer Christian, Sohn der Gutsjahrs, griff ein – und konnte wohl Schlimmeres verhindern. Er hat den Angreifer gesehen und ist sich sicher: „Es war ein Wolf.“

Dabei war es reiner Zufall, dass er den Vorfall mitbekam. Bei einer Zigarette auf dem Balkon gegen 21.15 Uhr bemerkte er, dass im Offenstall an der Weide direkt neben dem Wohnhaus der Gutsjahrs Unruhe herrschte. Zuvor hatte er schon Nachricht bekommen, dass in Bergen wieder ein Wolf gesehen worden sein soll – nachdem im Ort Ende Oktober schon fünf Schafe gerissen wurden. „Ich bin dann mit der Taschenlampe in den Stall und da hab ich den Wolf gesehen“, sagt Gutsjahr. Für ihn stehe völlig außer Zweifel, dass es ein Wolf war. Das Tier sei sofort weggelaufen.

Augenzeuge berichtet von Wolfsattacke auf Ziege

Der Schock über die Attacke sitzt tief. „Nur 20 Meter weit weg von unserem Haus. Wenn ich da an meine Enkelkinder denke, die oft hier sind“, sagt Christians Mutter Elfriede Gutsjahr. An Schlaf sei in der Nacht nicht mehr zu denken gewesen. Die Familie sei froh, dass der Sohn so schnell eingreifen konnte. So habe es nur ein Tier erwischt: „Ob die Ziege überlebt, wissen wir noch nicht. Der Tierarzt fürchtet, dass es zu einer Infektion kommen könnte.“ Insgesamt haben die Landwirte auf ihrem Hof rund 300 Tiere, darunter Schafe, Ziegen und Hochlandrinder.

Die Solidarität in der Landwirtschaft ist groß, wenn es um Wolfsrisse geht. Ralf Huber, oberbayerischer Bezirkspräsident des Bauernverbandes, ist am Tag nach dem Angriff vor Ort bei den Gutsjahrs und macht sich ein Bild von der Lage. Auch Josef Harbeck, Chef der Traunsteiner Schafhaltervereinigung, und Bauernobmann Michael Gstatter sind dort, ebenso Stefan Rappl, der Landwirt, dessen Schafe im Oktober von einem Wolf gerissen worden waren. Einig sind sich vor Ort alle, dass mit dem Angriff eine neue Dimension erreicht sei.

Wölfe in Bayern: Landwirte fordern Lösungen von der Politik

Harbeck geht gar von einem Wolfsrudel aus: „Es gehen ständig Gerüchte zwischen Maria Eck, Bergen und Ruhpolding rum, dass es drei junge Wölfe gibt.“ Er werde oft von Menschen kontaktiert, die die Tiere gesehen haben wollen. Unter Landwirten kursiert ein Video, das angeblich einen Wolf zeigt, der vorbei an Schaufenstern mitten durch den Ortskern von Bergen läuft. „Nicht der Wolf ist das Problem, sondern die Politik“, findet Ralf Huber. „Wir fühlen uns vollkommen alleingelassen und brauchen eine Lösung.“ In diesem Fall sei das der Abschuss.

Die Gutsjahrs wissen nicht, wie sie ihre Tiere nun schützen sollen. Auch mit Blick auf die Kälber der Hochlandrinder, die im Offenstall leben, ist Christians Vater Josef ratlos: „Wir können nicht alles wolfssicher einzäunen. Der sucht sich einen Weg.“

Wolf gesichtet: Verband fordert Abschussgenehmigung

Nach den Rissen Ende Oktober in Bergen hat der Verband der Forstberechtigten im Chiemgau bei der Regierung von Oberbayern eine Abschussgenehmigung für den Wolf beantragt. Die DNA-Analyse soll nun zeigen, ob es sich bei dem jüngsten Übergriff um dasselbe Tier handelt. Sollte das der Fall sein, könnte das einen Abschuss rechtfertigen, sagt Gisela Sengl, landwirtschaftliche Sprecherin der Grünen im Landtag, die ebenfalls aus dem Kreis Traunstein stammt. „So nah kommt ein Wolf eigentlich nicht an die Menschen heran und dann muss man davon ausgehen, dass ein Wolf Menschen und Nutztiere gefährdet“, sagt sie.

Auch ihr Parteikollege, Bergens Bürgermeister Stefan Schneider, spricht sich für einen Abschuss aus, wenn es sich um dasselbe Tier handeln sollte. Die Entscheidung der Regierung von Oberbayern steht aus. Gestern hieß es: Zum Ausgang des Verfahrens könne derzeit noch keine Aussage getroffen werden.

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