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Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky. 

Nachgefragt . . .

Wolfsexperte: „Wölfe ähneln Menschen“

Mehrere hundert Kilometer ist der Wolf gewandert, der mit seiner Partnerin seit November 2016 im Nationalpark Bayerischer Wald lebt. Ein Experte hat mit uns über dieses Phänomen gesprochen.

München - Der Wolf stammt wohl aus den südwestlichen Alpen, wie Experten jetzt herausgefunden haben. Das Weibchen stammt aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation, also aus Brandenburg oder Westpolen. Wildbiologe und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky erklärt im Interview, wieso Wölfe solche weiten Strecken zurücklegen – und was sie mit uns Menschen gemeinsam haben.

Wie kommt ein Wolf vom südwestlichen Alpenraum in den Bayerischen Wald?

Ganz einfach: zu Fuß. Für einen jungen, männlichen Wolf, der die Geschlechtsreife erreicht hat, ist es vollkommen normal, auf der Suche nach einem neuen Territorium mehrere hundert Kilometer zu wandern. Er hatte Glück, dass er auf seinem Weg nicht überfahren worden ist. Es gab schon einzelne Wölfe, die rund 700 Kilometer bis nach Dänemark gelaufen sind und sogar solche, die rund 1500 Kilometer bis nach Weißrussland zurückgelegt haben.

Wie lässt sich feststellen, woher ein Wolf stammt?

Durch eine genetische Probe. Ideal ist natürlich Blut, aber das lässt sich nur einem Wolf entnehmen, der zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall getötet wurde. Ansonsten muss man auf die Suche nach Haarwurzeln, Kot oder Urin gehen und Glück haben, dass noch nicht alles vertrocknet ist. Eine weitere Möglichkeit ist es, von den Bisswunden eines von dem Wolf gerissenen Tieres einen Abstrich zu nehmen, an dem vielleicht noch Speichelreste zu finden sind. Auf jeden Fall braucht man Geduld, denn es kann sehr oft mehrere Monate dauern, bis man Erfolg hat. Die Ranger im Nationalpark Bayerischer Wald sind ja ständig unterwegs, deshalb werden sie zufällig eine Spur gefunden haben.

Warum hat es das Wolfspaar gerade in den Bayerischen Wald verschlagen?

Wölfe verschlägt es nirgendwohin, sie suchen sich ganz gezielt einen neuen Lebensraum. Ihnen geht es genauso wie uns Menschen: Werden sie erwachsen, zieht es sie weg von den Eltern und sie suchen sich einen Partner, mit dem sie sozusagen ein Haus bauen und eine Familie gründen können. Wir können damit rechnen, dass sich dieses Wolfspaar vergangenen Sommer gefunden hat. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis in ihrer Höhle Welpen geboren werden – und das bedeutet, dass es zum ersten Mal seit mehreren hundert Jahren wieder ein Wolfsrudel in Bayern geben wird.

Das Interview führte Teresa Pancritius.

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