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Rund 800 Millionen Menschen sind bei Facebook registriert. Tendenz steigend

Wollen wir Freunde sein, Herr Lehrer?

München - Schüler sind bei Facebook, Lehrer sind bei Facebook. Doch was geschieht, wenn beide sich dort treffen? Dürfen Lehrer und Schüler in sozialen Netzwerken befreundet sein?

Man zeigt sich Bilder aus dem Urlaub, Fotos von der letzten Party, man verabredet sich. Es geht oft recht privat zu im Internet. Weltweit sind rund 800 Millionen Menschen bei Facebook registriert.

Stefan Kurtz (Name geändert) ist einer von ihnen. Der 33-Jährige ist Lehrer an einem Gymnasium im Kreis Fürstenfeldbruck. Dort unterrichtet er 170 Schüler in Deutsch und Englisch. „Von denen“, schätzt Kurtz, „dürften so gut wie alle bei Facebook sein.“ Auch viele Lehrerkollegen sind bei Facebook. Irgendwann natürlich treffen Schüler und Lehrer nicht nur in der Realität aufeinander, sondern auch im Internet. Doch wie sollen beide Parteien dann miteinander umgehen? Wenn der Lehrer die Bilder von betrunken Schülern sieht, und der Schüler den Lehrer in Badehose am Strand? In England etwa wurde vergangenes Jahr mehr als jedem zehnten Lehrer, dem Fehlverhalten vorgeworfen wurde, eine nicht angemessene Beziehung zu Schülern nachgewiesen – per Facebook oder E-Mail.

In Bayern gibt es aber bislang keinerlei Richtlinien, was den Umgang von Schülern und Lehrern im Internet angeht. „Wir geben Lehrern und Eltern Hinweise für den Umgang mit dem Internet. Vorschriften gibt es aber keine“, sagt Ludwig Unger, Pressesprecher des bayerischen Kultusministeriums. „Wir mischen uns nicht in das Privatleben unserer Beamten ein.“ Laut Unger gibt es aber 100 medienpädagogisch geschulte Lehrer in Bayern, die für Fragen von Lehrern und Eltern da sind. Lehrer entscheiden also selbst, wie sie mit den Freundschaftsanfragen ihrer Schüler umgehen.

Stefan Kurtz etwa ist im Netz mit einer ehemaligen Schülerin befreundet. „Die macht gerade an einer anderen Schule ihr Abi. Man fragt sich über Facebook, wie es so geht, wie es mit den Vorbereitungen läuft“, erzählt Kurtz. Er hat auch Anfragen von seinen aktuellen Schülern bekommen. Die lehnt er aber höflich ab, denn Kurtz findet, dass man Schule und Privates trennen sollte. „Die meisten meiner Kollegen machen das ähnlich. Sie wollen Persönliches nicht mit Schülern teilen wollen.“ Er kenne aber auch eine Lehrerin an einer Berufschule, die mit sozialen Netzwerken sehr locker umgeht. Deren Schüler seien in der Regel aber auch älter.

Ähnlich liberal sieht es auch Rafael Saidl (33) von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer. Zwar ist auch er grundsätzlich für eine Trennung, „jedoch wird von Fall zu Fall entschieden“. Prinzipiell sei es gut, wenn die Schüler einen Ansprechpartner haben. Die Hemmschwelle sinke, manche Schüler trauten sich in der Klasse nicht, auf den Lehrer zuzugehen. Für diesen Fall sollte es aber ein Extra-Profil geben – also keine Seite, auf der die persönlichen Dinge des Lehrers stünden. Verhaltens-Richtlinien seitens der Schulleitung sind ihm nicht bekannt. Dabei wünschen sich aber viele junge Lehrer ein Signal von offizieller Stelle. „Es existiert Unsicherheit, wie man sich im Internet gegenüber Schülern verhalten soll.“

Max Schmidt (60) vom Bayerischen Philologenverband war vor kurzem auf einem Workshop für Lehrer, bei dem es um soziale Netzwerke ging. „Freundschaften zwischen Lehrern und Schülern waren dabei kein Thema“, sagte er. Diese Konstellation werde nicht beobachtet, es gebe da auch keine Probleme. Schmidt persönlich ist bei Facebook und auch mit Schülern befreundet. „Aber nur mit ehemaligen.“

Von Patrick Wehner

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