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In einer Metzgerei in Wolznach kam es zu einer kuriosen Beschwerde.

“Wenn ich jemanden anspreche...“

Daten-Skandal in Dorfmetzgerei? So bewertet ein Experte den kuriosen Fall

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    Lukas Schierlinger
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Wo fängt der Datenschutz an und wo hört er auf? Der Fall einer Metzgerei-Kundin im bayerischen Wolznach schlägt hohe Wellen. So bewertet ihn ein Experte.

Update 11. Dezember, 9.33 Uhr: Gegenüber der Augsburger Allgemeinen hat der Münchner Rechtsanwalt Frank Remmertz den kuriosen Fall aus Wolznach bewertet. Selbstverständlich dürfe man einen Kunden namentlich ansprechen, gibt der Experte Entwarnung. 

Jemand, der einen Laden betritt, signalisiere die Bereitschaft, einen Kaufvertrag abschließen zu wollen. Es handele sich dann um eine sogenannte vorvertragliche Kommunikation. „Wenn ich jemanden anspreche, ist das keine Datenverarbeitung“, erklärt der Rechtsanwalt. Aus dem selben Grund dürften etwa auch Patienten in einer Arztpraxis namentlich aufgerufen werden.

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Daten-Skandal in Dorfmetzgerei?

Ach, ist das noch gemütlich auf dem Dorf. Dort, wo die Kundschaft, beim Bäcker oder im Blumenladen geduldig wartet, bis die Verkäuferin mit einem anderen mit dem Ratschen fertig ist. Oder man sich gleich selbst die Wartezeit mit Plaudern vertreibt. Doch dieses Idyll des Miteinanders zeigt sich seit dieser Woche gestört. Es begann – wie so oft – genau dort, wo man es am wenigsten erwartet: beim Metzger an der Wursttheke, wo eine Frau mit ihrem Namen angesprochen wurde. Was neuerdings diskussionswürdig ist…

Kundin in Dorfmetzgerei: „Geht die anderen nichts an, wie ich heiße“

Wolfgang Fischer von CityPartner

Und schuld hat – mal wieder – die EU: Denn seit Ende Mai gilt hier das Wortmonster Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), das den Umgang mit personenbezogenen Daten regelt. Untersagt sind demnach auch die Verarbeitung personenbezogener Daten, die einen Bürger identifizierbar machen. Aber gehört ein „Grüß Gott, Frau Weber“ (Name sicherheitshalber geändert) dazu? Denn genauso den Datenschutz missachtend wurde eine Kundin von einer Metzgerei-Fachverkäuferin in Wolnzach empfangen. Laut dem Pfaffenhofener Kurier echauffierte sich daraufhin die Dame folgendermaßen: „Es geht die anderen hier im Laden gar nichts an, wie ich heiße.“ Und das war mit Verweis auf die DSGVO durchaus ernst gemeint. Zudem beharrte die Frau da­rauf, fortan in der Dorfmetzgerei anonym bleiben zu wollen.

Video: EU-weite Datenschutz-Grundverordnung trat im Mai in Kraft

Geschäftsleute sind verunsichert 

Der Vorfall verunsichert Wolnzachs Geschäfts- und Gas­trowelt. Wie darf man nun datenschutzgerecht Willkommen heißen? Ist es denn nicht so, dass Kunden es sogar schätzen, erkannt zu werden und bekannt zu sein? Oder war das immer falsch? Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von CityPartner in München, hält den persönlichen Kontakt zum Kunden für einen wichtigen Faktor. „Der Verkäufer kennt ja die Vorlieben des Kunden, seine Wünsche. Das wird vom Kunden auch geschätzt.“ Den Datenskandal in der Metzgerei sieht er eher als eine weitere kuriose Facette im kurzen Bestehen der Verordnung. „Aber wenn es der Kunde wünscht, anonym zu bleiben, sollte man sich natürlich daran halten.“

Dass allerdings Formblätter ausgelegt werden – etwa in der Gaststätte, damit der Wirt seinen ihm seit Jahren bekannten Stammgast auch datenschutzgerecht mit Namen ansprechen darf – das würde übers Ziel hinausschießen. Wobei… 

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