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Schlüsseldienst

Rechnung über 960 Euro

Wucher! Polizei nimmt Schlüsseldienstler fest

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Ein 66-Jähriger brauchte medizinische Hilfe. Ein Handwerker nutzte diese Notlage schamlos aus - und bekam von der Polizei dann Quittung.

Gustl P. (63, Name geändert), machte sich Sorgen – große Sorgen um seinen älteren Bruder (66). Den konnte er nicht erreichen, obwohl dessen Telefon klingelte. „Ich spürte, dass er Hilfe benötigte“, sagte Gustl P., und fuhr zu der Wohnung des Bruders im Wolfratshauser Westen. Er hatte sogar einen Schlüssel, doch in die Wohnung kam er nicht, da von innen zugesperrt war und der Schlüssel steckte. Also stand er vor verschlossener Tür im Glauben, seinem Bruder sei etwas passiert. Was jetzt? Eine Nachbarin suchte ihm die Nummer eines Schlüsseldienstes heraus, eines unseriösen, wie sich später herausstellte. So unseriös, dass die Polizei den Handwerker vor Ort festnahm und auf die Wache brachte: wegen Wuchers!

Ausbeutung einer Zwangslage, das wird bei Wucher vorausgesetzt. Und diese Notlage lag am Samstagnachmittag vor. Um 13 Uhr rief Gustl P. den Schlüsseldienst, „keinen örtlichen Anbieter“, so die Polizei. Dass Gustl P. in einer solchen Notsituation auch die Feuerwehr hätte rufen können, daran dachte der 63-Jährige nicht. „Ich wollte nur schnell rein in die Wohnung, mir hat es einfach pressiert.“ Doch zunächst hieß es erst mal Warten auf die Hilfe, eine geschlagene Stunde lang. Denn der Handwerker (22) traf erst um 14 Uhr ein. „Weil ab 14 Uhr ein Zuschlag verlangt wird“, denkt Gustl P. Als der Schlüsseldienst, den er „als unhöflich und unprofessionell“ empfand, endlich an die Arbeit ging, blieb der schnelle Erfolg aus. „Er brachte die Tür nicht auf, er bekam den Zylinder nicht runter.“ Erst unter Einsatz eines Stemmeisens, wie bei einem Einbruch, gelang der Zutritt. Die Tür war allerdings kaputt.

Die Rechnung des Schlüsseldienstes: 960 Euro

Wucher 

Der Paragraf 291 im Strafgesetzbuch regelt den Begriff Wucher: Wer demnach Zwangslage, Unerfahrenheit, Mangel an Urteilsvermögen oder erhebliche Willensschwäche eines anderen ausnutzt, um sich dadurch Vermögensvorteile zu verschaffen, dem droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Der „Vermögensvorteil“ steht dabei in auffälligem Missverhältnis zur erbrachten Leistung.

Wie befürchtet lag der Bruder am Boden, er war gestürzt. Notruf! Arzt, Ambulanz, Feuerwehr und die gleichzeitig verständigte Polizei trafen fast gleichzeitig ein. Während sich die Helfer um den Gestürzten kümmerten, der später sogar mit dem Hubschrauber in die Unfallklinik Murnau verlegt werden musste, präsentierte der aus Essen stammende Schlüsselmann reichlich kühl und ohne Mitgefühl seine Rechnung: 960 Euro! Ein mobiles EC-Karten-Lesegerät hatte er dabei. Gustl P., dessen Gedanken sich um die Gesundheit des Bruders drehten, zahlte. 

Der Polizeibeamte gab den Tipp zur Überprüfung der Rechnung

Dies bekam ein Polizeibeamter mit, der einen Blick auf die Rechnung warf. Er sagte: „Das würde ich überprüfen lassen.“ Die Polizisten nahmen den 22-Jährigen gleich mit auf die Inspektion, nachdem eine Überprüfung der Personalien ergeben hatte, dass gegen ihn mehrere Anzeigen vorliegen. Auch wegen Wuchers. Gustl P. freute sich sehr: „Das war schon stark von der Polizei, dass sie sich gleich eingemischt hat.“

Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wurde der Mann vom Schlüsseldienst gegen eine Sicherheitsleistung wieder entlassen. Gegen ihn wird wegen Wuchers (siehe Kasten) ermittelt. Gustl P., der auch wegen der Kaltblütigkeit des Schlüsselmannes verblüfft ist, besuchte gestern den Bruder im Krankenhaus und hoffte vorher, „dass es ihm schon besser geht“.

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