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Messerangriff in Würzburg: Minister spricht über „eklatanten Verdacht“ - Neue Erkenntnisse nach Durchsuchung

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Von: Katarina Amtmann, Thomas Eldersch

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Messerattacke in Würzburger Innenstadt
Polizisten stehen am Tatort in der Innenstadt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Drei Menschen starben beim Messerangriff in Würzburg. Am Sonntag fand ein Gedenkgottesdienst statt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Update vom 28. Juni, 6.08 Uhr: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht einen „eklatanten Verdacht“ auf einen islamistischen Hintergrund bei der Messerattacke von Würzburg. „Es spricht sehr viel angesichts dessen, was wir aufgefunden haben, dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könnte“, sagte Herrmann am Sonntagabend im „Bild live“-Talk „Die richtigen Fragen“.

So habe man bei der Durchsuchung der Unterkunft des 24-Jährigen Somaliers einiges gefunden, was auf islamistisches Propagandamaterial hinweisen könnte. Außerdem habe der Verdächtige selbst von seinem „Beitrag zum Dschihad“ gesprochen. Man müsse aber jetzt die weiteren Ermittlungen abwarten, vor allem die Auswertung zweier Handys.

Nach Messerangriff in Würzburg: Gedenkgottesdienst für Opfer - Reden in der Übersicht

Update vom 27. Juni, 16.42 Uhr: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, spricht als Nächstes. Dunkle Wolken seien über seine Heimatstadt Würzburg gezogen. Uns, Christen, Juden und Muslime, eine der gemeinsame Glaube an Gott. Er hoffe, dass es durch die schreckliche Tat gelinge, die Stadtgemeinschaft in Würzburg noch enger zusammenzuschweißen.

Update vom 27. Juni, 16.35 Uhr: Keine Erklärung, warum Menschen solche Taten vollbringen können, hat der Vertreter der muslimischen Gemeinde, Ahmet Bastürk. Vielleicht sei es ein Fehlen von Liebe, Nähe und Familie, die Menschen zu solchen Taten treiben. Er dankt allen Würzburgern, die an diesem Nachmittag Zivilcourage gezeigt haben. „Mitmenschen aller Herkunft“ haben sich dem Angreifer entgegengestellt. „Gebrochene Herzen können heilen, aber es braucht viel Liebe und Zeit.“ Damit beendet Bastürk seine Rede.

Söder spricht den Angehörigen seine Anteilnahme aus

Update vom 27. Juni, 16.30 Uhr: „Gut und böse sind keine Frage der Religion und Ethnie“, nimmt der Ministerpräsident die Menschen mit Migrationshintergrund in Schutz. Viele von ihnen hätten eingegriffen und Opfer vor noch größerem Schaden bewahrt. „Das finde ich unglaublich mutig.“ Für die Angehörigen beginne jetzt eine Zeit der Trauerbewältigung. „Wir sind für sie da“, so Söder. „Es tut so unendlich weh“. Mit diesen Worten verlässt der Landeschef das Rednerpult.

Update vom 27. Juni, 16.25 Uhr: Nach dem Vaterunser und der Segnung spricht nun Ministerpräsident Markus Söder. „Es ist unfassbar, entsetzlich und sinnlos“, beginnt er seine Ansprache. „Wir fühlen mit den Angehörigen.“ Die Leichtigkeit, die sich nach der schweren Corona-Zeit langsam wieder eingestellt habe, wurde mit einem Schlag wieder zunichtegemacht. Es gebe nur „Fragen, keine echte Antwort“. Die Hintergründe müssen noch lange aufgearbeitet werden, nichts darf verschwiegen werden. Das seien wir den Hinterbliebenen schuldig, so Söder. Man dürfe aber so eine hasserfüllte Tat nicht mit Hass oder Gewalt beantworten.

Update vom 27. Juni, 16.11 Uhr: Als Nächstes tritt die Regionalbischöfin Giesela Bornowksi ans Rednerpult. „Wir alle stehen unter Schock“, erinnert sich sie sich an die Taten am Freitag. Viele waren wie gelähmt andere haben eingegriffen und geholfen. Bürger mit Migrationshintergrund seien in diesem Augenblick zwiegespalten. Zum einen seien sie entsetzt über die Tat, zum anderen hätten sie Angst vor Anfeindungen.

Zahlreiche Politiker aber auch die Angehörigen der Opfer haben den Weg in den Dom gefunden

Update vom 27. Juni, 15.56: Durch diesen schrecklichen Vorfall sei uns bewusst geworden „wie brüchig unsere Normalität ist“, so Bischof Jung. Viele Menschen müssen mit den Bildern vom Freitag wohl noch lange leben müssen. Jung spricht ihnen aber Mut zu. Mit einem Gleichnis über die heilige Stadt Jerusalem soll auch Würzburg diese schwere Zeit überwinden können. „Der Traum von dieser Stadt soll nicht aufgegeben werden.“

Update vom 27. Juni, 15.43 Uhr: Nach Schuchardt spricht jetzt der Bischof von Würzburg, Franz Jung. Niemand solle in seiner Not alleine gelassen werden. Deshalb begrüßte der Bischof als Erstes die Angehörigen der Opfer, die in den Dom gekommen sind. Zahlreiche Vertreter der Bundes- und Landesregierung haben den Weg nach Würzburg gefunden. Auch Vertreter der verschiedenen Religionen sind zu der Gedenkfeier erschienen.

Update vom 27. Juni, 15.37 Uhr: Würzburgs OB fühlte sich bei der Attacke in seiner Stadt an die Anschläge der vergangenen Jahre in vielen anderen Städten Europas wie in Nizza erinnert. Man müsse sich aber vor dem „Schubladendenken“ in Acht nehmen. Nicht alle Geflüchtete seien gleich. Jetzt sei konsequentes staatliches Handeln gefordert. All das hatte der OB bereits in einem offenen Brief formuliert.

Update vom 27. Juni 15.34 Uhr: Der Gottesdienst hat begonnen. Zuerst spricht Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Er bietet allen Trauernden ein offenes Ohr an. Er wollte zunächst die Gedenkfeier am Marktplatz stattfinden zu lassen, hatte sich dann aber doch für den Dom entschieden. Zusammenzukommen „im Glauben an etwas Höheres“.

Update vom 27. Juni, 15.13 Uhr: Bereits kurz nach der Messerattacke in Würzburg am Freitagnachmittag kursierten zahlreiche Videos des Angreifers im Netz. Zu sehen waren Bürger, die sich dem 24-jährigen Mann aus Somalia entgegenstellten. Einer von ihnen war Chia Rabiei. Der Vater einer Tochter und selbst erst seit 17 Monaten in Deutschland versuchte den Angreifer mit einem Rucksack in Schach zu halten. Die Vorkommnisse am Freitag lassen ihn bis heute nicht los.

Gedenkfeier für die Opfer des Attentats in Würzburg

Update vom 27. Juni, 14.30 Uhr: In einer Stunde beginnt im Würzburger Kiliansdom eine Gedenkfeier für die Opfer des Messerangriffs vom Freitag. Neben Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Ministerpräsident Markus Söder werden auch Vertreter verschiedener Religionen teilnehmen. Erwartet werden beispielsweise der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Vertreter der muslimischen Gemeinden. Die Gedenkfeier können Sie um 15.30 Uhr im Live-Stream (Video oben) verfolgen.

Update vom 27. Juni, 11.55 Uhr: Ob der Messerangreifer von Würzburg gezielt Frauen töten wollte, war für die Ermittler am Sonntag noch unklar. „Die sichergestellten Gegenstände werden ausgewertet“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Sonntag in München dazu lediglich. Das werde einige Zeit dauern, weil beispielsweise Material, das in der Obdachlosenunterkunft des Verdächtigen gefunden wurde, in somalischer Sprache sei. Daher sei es auch noch zu früh, etwa von Hassbotschaften zu sprechen.

Die Beamten untersuchen derzeit auch ein gefundenes Handy. „Die Auswertungen dauern einfach, erfahrungsgemäß mehrere Tage“, sagte ein Ermittler der Deutschen Presse-Agentur. „Das muss jetzt alles übersetzt und bewertet werden.“ Unklar ist bislang vor allem das Motiv, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Ermittler gehen zum einen dem Verdacht nach, der 24 Jahre alte Somalier könnte psychisch krank sein. Zum anderen könnte eine extremistische Einstellung für den Messerangriff des Mannes in der Innenstadt mitverantwortlich gewesen sein.

Anwalt des Angreifers von Würzburg: Mandant womöglich suizidgefährdet

Der Pflichtverteidiger des Verdächtigen hält es für möglich, dass sich sein Mandant in der Untersuchungshaft etwas antun könnte. „Was ich feststelle, ist, dass er psychisch auffällig ist“, sagte Rechtsanwalt Hanjo Schrepfer am Sonntag der Deutschen-Presse Agentur. Auch die Ermittler sehen offensichtlich diese Gefahr: „Die zuständige Justizvollzugsanstalt ist über eine mögliche Selbstgefährdung informiert“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in München. Welche Vorkehrungen dort getroffen worden seien, wisse er nicht.

Der Verdächtige sitzt in Würzburg im Gefängnis - wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs weiteren Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren
Fall.

Nach Messerangriff in Würzburg: Polizei präzisiert Angaben zu den Opfern

Update vom 27. Juni, 10.35 Uhr: Nach unterschiedlichen Angaben zu Zahl und Identität der Opfer des Messerangriffs von Würzburg hat die Polizei am Sonntag ihre Angaben präzisiert. Demnach starben in dem Kaufhaus drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren. Der Verdächtige hatte die Opfer, die dort einkaufen wollten, am Freitag unvermittelt mit einem Messer angegriffen, das er sich zuvor in der Haushaltswarenabteilung besorgt hatte. Vorherige Angaben, eine der Frauen habe in dem Laden als Verkäuferin gearbeitet, träfen nicht zu, sagte ein Polizeisprecher.

Der 24-Jährige verletzte in dem Kaufhaus außerdem einen 57-Jährigen leicht, eine 52-Jährige wurde in dem Laden schwer verletzt, befindet sich aber außer Lebensgefahr. Auf der Straße fanden Polizisten ein elfjähriges Mädchen sowie einen 16 Jahre alten Jugendlichen - beide mit schweren Verletzungen. Lebensgefahr bestand bei beiden am Sonntag nicht mehr.

Messerangriff in Würzburg: Polizei konkretisiert Angaben zu Opfern

Der Täter verletzte darüber hinaus eine 26 Jahre alte Frau leicht - sie wurde ebenfalls auf der Straße gefunden. In einer nahe gelegenen Bank soll der Mann eine weitere Frau angegriffen haben. Die 73-Jährige kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, ist aber laut Polizei nun außer Lebensgefahr. Der Zustand einer 39-jährigen Frau, die der Somalier ebenfalls attackierte, war am Sonntag stabil. Sie sei nicht mehr in einem lebensbedrohlichen Zustand, sagte der Sprecher. Wo der Mann diese Frau angriff, war zunächst unbekannt.

Mutter (24) soll sich bei dem Messerangriff schützend vor ihre Tochter geworfen haben

Erstmeldung vom 27. Juni, 8.40 Uhr: Würzburg - Bei dem Messerangriff in Würzburg* starben am Freitag drei Frauen, mehrere Personen wurden schwer verletzt. Auch am Samstag herrschte in der Mainmetropole Entsetzen. Details, die nach und nach ans Licht kommen, schockieren: So soll der 24-jährige Somalier im Woolworth am Barbarossaplatz* eine Verkäuferin gefragt haben, wo die Messer sind. Als die Mitarbeiterin auf die Auslage gedeutet und den Mann beraten haben soll, soll er sich ein Messer gegriffen und damit auf sie eingestochen haben. Das berichtet die Bild. Dem Bericht zufolge soll die Frau anschließend im Krankenhaus gestorben sein.

Messerangriff von Würzburg: Mutter (24) schützt Tochter und stirbt

Der 24-Jährige soll dann eine Rentnerin (82) und eine weitere Kundin (24) angegriffen haben. Die 24-jährige Frau soll nach Informationen der Bild am Sonntag ihre Tochter vor dem Angriff geschützt haben, sie selbst kam ums Leben.

Nach der Attacke in dem Kaufhaus, soll der Tatverdächtige auf die Straße gerannt sein. An einer Sparkasse griff er eine 73-Jährige an - und stach rund 13 Mal auf sie ein, wie ihr Sohn der Bild berichtet. Das Messer habe ihre Hauptschlagader um 2 Millimeter verfehlt. „Sonst wäre meine Mutter jetzt tot“, berichtet der Mann.

Bekannter spricht nach Würzburg-Angriff über Verdächtigen: „Der Typ ist total unnormal“

Der 24-jährige Somalier befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Focus Online hat mit einem 21-Jährigen gesprochen, der den Verdächtigen entfernt kennt. Er kenne ihn zwar nicht gut und habe nur einmal selbst mit ihm gesprochen, aber: „Der Typ ist total unnormal. In der Zeit, die wir zusammen an der Bushaltestelle standen, hat er nur totalen Schwachsinn erzählt. Sachen wie ‚Der russische Präsident verfolgt mich‘, oder ‚Die Deutschen wollen mich töten‘, völlig krankes Zeug. Alle wussten, dass er total durchgeknallt ist.“

In der Stadt sei er dem Mann immer wieder begegnet, hatte jedoch keinen Kontakt zu ihm: „Das ist jemand, dem man aus dem Weg geht, weil man merkt, wie komisch er drauf ist. Einmal habe ich gesehen, wie er vor mir ging und einfach seine Brieftasche weggeworfen. Einfach so.“ Besonders ärgert den Mann, dass durch das Verhalten des Somaliers andere Migranten in Verruf kommen. „Als wir gehört haben, dass er das war mit dem Messerangriff, da waren wir alle total schockiert. Das ist doch total krank! Wer macht denn so was, einfach Menschen umzubringen? Und damit bringt er nun auch noch die ganze Migrantengruppe in Verruf.“

Polizei schildert Hergang des Messerangriffs von Würzburg

Nach Messerangriff in Würzburg: Gedenkfeier mit Söder und OB Schuchardt im Kiliansdom

Nach der tödlichen Messerattacke von Würzburg wird es am Sonntagnachmittag im Kiliansdom der Stadt eine Gedenkfeier für die Opfer geben. Daran wollen neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung auch Vertreter weiterer Religionen und der Öffentlichkeit teilnehmen, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU*) mitteilte. Erwartet werden bei der Feier der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Vertreter der muslimischen Gemeinden.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* wird zu der Gedenkfeier um 15.30 Uhr erwartet. Zuvor legt er gemeinsam mit OB Schuchardt in Gedenken an die Opfer einen Trauerkranz nieder. (kam/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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