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Eine Würzburger Forscherin erhielt den „Ig“- Nobelpreis für Psychologie. Die Auszeichnung ehrt „Errungenschaften, die Menschen zum Lachen und dann zum Denken bringen“.  

Kinder lernen Lügen erst

Würzburger Forscherin erhält Ig-Nobelpreis

Würzburg - „Antworten Sie ehrlich, wie oft Sie in den letzten 24 Stunden gelogen haben.“ Das fragten Kristina Suchotzki und vier weitere internationale Forscher 1005 Menschen vor einem Museum in Amsterdam.

„Das klingt ein bisschen witzig, das stimmt schon“, sagt die 35-jährige Psychologin an der Uni Würzburg. „Es war aber durchaus ernst gemeint.“

Eben deshalb, weil es zuerst witzig klingt, aber sehr wohl ernst gemeint ist, erhielt das Team um Suchotzki dieses Jahr den Ig-Nobelpreis für Psychologie. Das „Ig“ steht für „ignoble“ - englisch für „unwürdig“. Das klingt negativer, als es gemeint ist. Denn der Preis „ehrt Errungenschaften, die Menschen zum Lachen und dann zum Denken bringen“, heißt es auf der Website der Organisatoren.

Die „Igs“ werden ein Mal im Jahr an der renommierten Harvard-Universität im Nordosten der USA vergeben. Den Preis in der Kategorie „Fortpflanzung“ erhielt in diesem Jahr ein ägyptischer Wissenschaftler, der untersucht hatte, welche Auswirkungen Hosen aus Polyester, Baumwolle und Wolle auf das Sexualleben von Ratten haben. Seine Tests führte er dann auch mit menschlichen Männern durch.

Die Preise werden oft von Trägern des „echten“ Nobelpreises übergeben. Ein Foto von der Verleihung der Ig-Preise im Jahr 2009 zeigt drei Nobelpreisträger - darunter Starökonom Paul Krugman -, wie sie eine in jenem Jahr prämierte Erfindung ausprobieren: Einen BH, der, schnell umgebaut, zu zwei vor Radioaktivität schützenden Gesichtsmasken wird.

Suchotzki und ihre Kollegen erhielten ihren Preis dafür, „1000 Lügner zu fragen, wie oft sie lügen - und zu entscheiden, ob sie diese Antworten glauben können“, so die Jury. Sie erhielten auch einen Geldpreis: zehn Trillionen Simbabwe-Dollar. „Das reichte fürs Porto, um die Urkunde nach Europa zu schicken“, lacht Suchotzki.

So witzig die Preisverleihung war, so interessant sind hingegen die Ergebnisse der Studie „Vom Junior- zum Senior-Pinocchio“. Ziel war es, herauszufinden, wie sich die Fähigkeit zu Lügen beim Menschen über seine Lebensspanne hinweg verändert, sagt Suchotzki. „Unser Ergebnis war, dass Kinder und ältere Erwachsene seltener lügen und auch mehr Mühe haben beim Lügen als junge Erwachsene.“

Das passe zu psychologischen Theorien: „Wenn mich jemand etwas fragt, ist mein automatischer Impuls, mit der Wahrheit zu antworten“, erklärt Suchotzki. „Um zu lügen, muss ich das aktiv zurückhalten. Und das können Kinder noch nicht so gut.“

Gleichzeitig sei das Lügen für den Lügner kognitiv anstrengend. Das könne man etwa durch Reaktionszeiten nachweisen, zumindest im Millisekundenbereich. Damit könne man wiederum erklären, warum ältere Menschen wieder weniger lügen - sie haben geringere kognitive Kapazitäten.

Die Antwort auf die Frage „Wie oft lügen Menschen?“ - ob glaubwürdig oder nicht - war übrigens: Durchschnittlich etwas über zwei Mal am Tag. Und: Am häufigsten lügen Teenager zwischen 13 und 17.

dpa

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