Das Plakat auf Russisch.

„Wunderheiler“ auf Betrugstour in Bayern

München - In Bayern bringen „Wunderheilerinnen" Frauen mit rohen Eiern und dem Kuvert-Trick um ihr Erspartes. Verblüffend: Opfer sind allesamt Frauen mit russischen Wurzeln.

Sie nennen sich Marina oder auch mal Natascha. Sie können Krankheiten heilen, Menschen von Flüchen befreien, manchmal auch Hellsehen. Behaupten sie. Aber eigentlich haben sie es nur auf Geld abgesehen. Selbsternannte russischsprachige Wunderheilerinnen überziehen Bayern gerade mit ihren Gaunereien. Außergewöhnlich: Opfer sind ausnahmslos russischsprachige Frauen im mittleren und gehobenen Alter.

Sehen Sie hier das Plakat

Laut dem bayerischen Landeskriminalamt schlagen die Betrügerinnen auffallend oft in Südbayern zu. Allein 20 Fälle sind in letzter Zeit zur Anzeige gebracht worden. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Die „Hellseherin“ kommen nach Angaben des LKA meist „aus dem Wiener Raum rüber nach Deutschland“. Warum ausschließlich russischsprachige Frauen, oftmals Aussiedlerinnen, angesprochen werden, kann die Polizei nicht abschließend beantworten. Es dürfte aber damit zusammenhängen, dass diese Opfergruppe empfänglicher als andere ist, was Aberglaube und Wunderheilungen betrifft.

Im Allgäu hat die Polizei nun begonnen, Warnplakate aufzuhängen - und zwar auf Russisch. Die Beamten haben zudem russischsprachige Verlage in ganz Deutschland angeschrieben. Teilweise haben die Verleger die Warnhinweise abgedruckt. Aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich daraufhin Opfer gemeldet.

In Weilheim haben die Betrügerinnen in jüngster Zeit zweimal zugeschlagen. Zuletzt wurde eine Frau (49) mit russischen Wurzeln auf dem Parkplatz eines Supermarktes angesprochen. Es laste ein Fluch auf ihr, erklärte die Fremde. Sie könne sie aber davon befreien. Dafür brauche es Bargeld, fünf Scheiben Brot und eine Flasche Wasser für die „Zeremonie“. Das Opfer bekam zudem Anweisungen, wie das Geld zu verpacken sei. Die Frau tat auf der Stelle, was ihr die „Heilerin“ auftrug. Es kam zu weiteren Treffen, und irgendwann tauschte die Täterin das Geld gegen Papierschnipsel - und verschwand über alle Berge. 2800 Euro waren futsch.

In anderen Fällen wird das Geld in Kuverts gepackt und unter die Matratze gelegt, damit die „Heilung“ beginnen kann. Manchmal braucht es für die „Zeremonie“ auch rohe Eier, Taschentücher oder einen Faden. Eine weitere Täterin „tritt in diesem Zusammenhang mitunter als ,Geheilte’ auf und ,stützt’ dadurch die Version“, heißt es auf dem Plakat der Allgäuer Polizei.

Ein ähnlicher Betrug, der in Immenstadt (Kreis Oberallgäu) passierte, steht vor der Aufklärung, hofft die Polizei: Die Beamten haben eine 38-Jährige mit weißrussischer Staatsangehörigkeit identifiziert. Sie hatte eine 47-jährige, russischsprechende Frau mit dem „Wunderheiler“-Trick um 2400 Euro erleichtert. Nach ihr wird gefahndet. Stefan Sessler

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