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Wunsiedel: Lage, Geschichte, Politik, Wirtschaft und Sehenswürdigkeiten von Landkreis und Kreisstadt

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Wunsiedel im Fichtelgebirge
Wunsiedel im Fichtelgebirge © IMAGO

Wunsiedel liegt im Herzen des Fichtelgebirges. Die Stadt bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten und veranstaltet jedes Jahr bundesweit bekannte Festspiele.

Wunsiedel – Am 6. September 1933 erfolgte die Ernennung des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß zum Ehrenbürger der Stadt Wunsiedel. Die Familie der Nazi-Größe lebte bereits seit dem 18. Jahrhundert in der oberfränkischen Stadt. Obwohl Rudolf Heß selbst nie hier gewohnt hatte, ließ er sich nach seinem Tod 1987 im Familiengrab in Wunsiedel beisetzen. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Versammlungen von Neonazis an dieser Grabstätte. Diese Nazi-Kundgebungen wurden durch die Auflösung des Grabes im Juli 2011 beendet.

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Wunsiedel: Lage und Geografie

Aufgrund der Lage mitten im Fichtelgebirge weist das Stadtgebiet von Wunsiedel große Höhenunterschiede auf: Die einzelnen Stadtteile befinden sich auf Höhen zwischen 500 und über 900 Metern. Mit 939 Metern ist der Berg Kösseine die höchste Erhebung in Wunsiedel. Zweithöchster Berg ist der Katharinenberg mit 618 Metern. Im Norden des Stadtgebiets liegt das Naturschutzgebiet Hochmoor Zeitelmoos. Die Stadt erstreckt sich insgesamt über eine Fläche von knapp 55 Quadratkilometern.

Zusammen mit der benachbarten Stadt Marktredwitz bildet die Kreisstadt das Oberzentrum Marktredwitz-Wunsiedel. Bayreuth und Hof an der Saale sind als nächste größere Städte jeweils rund 50 Kilometer entfernt.

Wunsiedel: Die Geschichte von den Anfängen bis ins 16. Jahrhundert

Die erste urkundliche Erwähnung von Wunsiedel erfolgte 1163, damals war der Ort Teil der „Regio Egers“. Ende des 13. Jahrhunderts übertrug der Habsburger König Rudolf I die Herrschaft über das Lehen Wunsiedel einschließlich der gleichnamigen Burg auf den Nürnberger Burggrafen Friedrich III.

Wunsiedel erhielt bereits 1328 und damit früher als viele andere fränkische Orte das Stadtrecht. Burggraf Friedrich IV verlieh der Stadt dieses Privileg, Kaiser Ludwig der Bayer bestätigte es anschließend. In den folgenden Jahrhunderten avancierte Wunsiedel zu einem bedeutenden Zentrum des Bergbaus in der Region.

Im 15. Jahrhundert kam es mehrfach zu Angriffen durch Hussiten – aufständische böhmische Reformer – auf Wunsiedel. 1430 konnte Hans von Kotzau die Angreifer in der Schlacht am Katharinenberg vernichtend schlagen. Die wiederholten kriegerischen Auseinandersetzungen führten jedoch zu einem lang anhaltenden Niedergang der Wirtschaft.

Das 16. Jahrhundert war von Bauernkriegen und der Reformation geprägt. Die regierenden Markgrafen trieben während dieser Epoche der Wunsiedler Geschichte die Bildung massiv voran, zum Beispiel durch die Gründung einer Lateinschule. In der Folge erholte sich die Wirtschaft und die Armut der Bevölkerung nahm ab.

Wunsiedel: Die Geschichte der Stadt vom 17. bis 19. Jahrhundert

1613 erfolgte unter der Herrschaft der Hohenzollern der Aufstieg von Wunsiedel zum Hauptort des Sechsämterlandes, dem es zuvor bereits über einhundert Jahre angehört hatte. In der Folge entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Verwaltungssitz.

Die Zugehörigkeit Wunsiedels zum Hohenzollernreich beziehungsweise zum hohenzollernschen Fürstentum Bayreuth endete 1792. Danach gelangte die Stadt erst unter preußische Verwaltung und wurde anschließend von französisch-napoleonischen Truppen besetzt. Die Eingliederung in das kurz zuvor gegründete Königreich Bayern erfolge 1810. Zunächst gehörte Wunsiedel zum Obermainkreis, ab 1837 dann zu Oberfranken.

Wunsiedel war eine der ersten Regionen Bayerns, die systematisch den Tourismus ausbauten. Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurde aus diesem Grund das heute weltbekannte Felsenlabyrinth erschlossen. Dabei handelt es sich um bizarr geformte, riesige Gesteinsformationen, die sich auf der Luisenburg, einem Stadtteil Wunsiedels, befinden.

In der Geschichte ereigneten sich zahlreiche Großbrände mit verheerenden Folgen für die Stadt. Der letzte zerstörte 1834 weite Teile der historischen Altstadt, die anschließend im klassizistischen Stil wieder aufgebaut wurden.

Wunsiedel: Die Geschichte vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart

In Wunsiedel setzte die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts und damit im Vergleich zu vielen anderen bayerischen Regionen sehr spät ein. Hier entwickelten sich vor allem die industrielle Porzellan- und Textilherstellung sowie die Steinverarbeitung zu wichtigen Zweigen der Wirtschaft. In der Folge nahm die Einwohnerzahl von knapp 3.800 um 1890 auf knapp 6.000 vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu.

Der Erste Weltkrieg führte zu einer Hungersnot in Wunsiedel, die nicht zuletzt durch den Aufenthalt von vielen Sommergästen verursacht wurde. Die einheimische Bevölkerung vertrieb die Touristen daraufhin. Auch die Nachkriegsjahre waren von großer wirtschaftlicher Not und politischen Unruhen gekennzeichnet. In den 20er-Jahren besserte sich die Lage, vor allem durch den wieder aufblühenden Fremdenverkehr.

Im Dritten Reich entwickelte sich Wunsiedel zu einer Nazi-Hochburg, vor allem, weil die Familie eines der wichtigsten Repräsentanten des Regimes, Rudolf Heß, seit langer Zeit in der Stadt ansässig war. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu keinen größeren Zerstörungen in der Stadt. In den Nachkriegsjahren gehörte Wunsiedel zur amerikanischen Besatzungszone. Landkreis und Stadt Wunsiedel erhielten ihre heutige Form durch die große Bayerische Gebietsreform, die in den 70er-Jahren eine kommunale Neuordnung der Gemeinden bewirkte.

Wunsiedel: Verwaltung und Einwohner

Das Stadtgebiet von Wunsiedel ist in 30 Gemeindeteile gegliedert, dabei handelt es sich unter anderem um die folgenden Stadtteile:

In der Kreisstadt Wunsiedel leben 9.295 Einwohner, im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge wohnen 72.655 Menschen. Die Bevölkerungsdichte in der Kreisstadt liegt bei 169 und im Landkreis bei 120 Einwohnern je Quadratkilometer. (Stand 31. Dezember 2019)

Wunsiedel: Politik und Wirtschaft

Wie in vielen anderen ländlich geprägten Regionen Bayerns übt die Partei CSU auch in Wunsiedel seit Jahrzehnten einen prägenden Einfluss auf die lokale Politik aus. In der Kommunalwahl 2020 erlangte sie acht der 20 Sitze des Stadtrats. Als zweitstärkste Kraft gingen die SPD und die Vereinigung Aktive Bürger mit jeweils drei Sitzen aus den Wahlen hervor. Nicolas Lahovnik von der CSU bekleidet seit 2020 das Amt des Ersten Bürgermeisters von Wunsiedel.

Die Wirtschaft Wunsiedels ist mittelständisch geprägt. In der Stadt sind vor allem Betriebe der folgenden Branchen ansässig:

Traditionell spielen auch Brauereien sowie die Herstellung des bekannten Kräuterlikörs „Sechsämtertropfen“ eine wichtige Rolle. Das Gleiche trifft auf den Fremdenverkehr zu.

Wunsiedel: Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Felsenlabyrinth auf der Luisenburg stellt die mit Abstand wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt Wunsiedel dar. Die spektakulären Felsenformationen locken jedes Jahr unzählige Besucher aus dem In- und Ausland an. Bereits seit 1890 finden im Sommer die „Luisen-Festspiele“ auf einer natürlichen Freilichtbühne im Felsenlabyrinth statt. Die Besucherzahlen liegen dabei regelmäßig bei mehr als 150.000 Personen. Zur Aufführung gebracht werden neben Opern und Theaterstücken auch Operetten und Konzerte.

Das „Wunsiedler Brunnenfest“ findet Jahr für Jahr am letzten Sonnabend vor dem 24. Juni statt und steht als immaterielles Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Seit 2009 wird außerdem im August das „Collis Clamat“, ein mittelalterliches Festival, auf dem Katharinenberg veranstaltet.

Wunsiedel: Weitere Sehenswürdigkeiten

Mit dem Fichtelgebirgs-Museum und dem Deutschen Natursteinarchiv präsentiert Wunsiedel zwei bedeutende naturkundliche Sammlungen.

Zu den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen außerdem:

Auch ein Besuch des Greifvogelparks Katharinenberg lohnt sich. Hier können Gäste das Leben heimischer Raubvögel in ihrer natürlichen Umgebung beobachten und sich über die Geschichte der Beizjagd informieren. Die zu dem Park gehörende Falknerei veranstaltet regelmäßig Flugvorführungen.

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