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Für die Wasserwacht ist der Sommer 2015 im doppelten Sinne heiß.

Tragische Unfälle 

Zahl der Badetoten steigt: Wasserwacht im Dauerstress

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München - Die Zahl der Badetoten steigt: Bis Anfang August kamen in Bayerns Seen und Flüssen 59 Menschen ums Leben. Für die Wasserwacht ist der Sommer 2015 im doppelten Sinne heiß.

Am sichersten ist es in Küstennähe – zumindest was das Baden angeht. An der Nord- und Ostsee gab es in diesem Jahr nur wenige Notfälle. Das sehr wechselhafte Wetter spielt dabei eine Rolle. Hierzulande verhält es sich genau anders herum.

Oliver Welteri st Kreisvorsitzender der Wasserwacht in Dachau.

Allein in Bayerns Flüssen und Seen sind nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes und der Polizei bis Anfang August 59 Menschen gestorben. Die Todesfälle seit Samstag vergangener Woche sind da noch nicht mitgerechnet – es waren mindestens sechs. Erst am Donnerstagmorgen starb eine 78-jährige Frau im Germeringer See (Kreis Fürstenfeldbruck), am Mittag traf es einen Schwimmer in einem Baggersee bei Oberhaid (Kreis Bamberg) Es ist von deutlich über 60 Fällen auszugehen.

Die Zahl ist insofern bemerkenswert, als im gesamten vergangenen Jahr in Bayerns Gewässern 79 Menschen starben, wie eine Statistik der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigt. Das ist auch in der Praxis spürbar. Oliver Welter, 40, sagt: „In diesem Jahr sind es definitiv deutlich mehr als 2014.“

Welter ist Kreisvorsitzender der Wasserwacht in Dachau. Rund 40 Ehrenamtliche kümmern sich hier um Notfälle am und im Karlsfelder See, in der Amper und in den Freibädern im Umkreis. An Wochenenden und Feiertagen halten im Wachhaus am Karlsfelder See fünf bis 15 Leute Wache, in der Ferienzeit ist die Hütte gelegentlich auch unter der Woche besetzt. Hier können zwei Patienten gleichzeitig versorgt werden, wichtiges Gerät wie einen Defibrillator haben die Retter schnell zur Hand.

Das ist in diesem Sommer besonders wichtig, denn die Wasserwacht hat gut zu tun. Einerseits liegt das an den sehr heißen Temperaturen, sagt Welter. Sie treiben mehr Menschen ins Freie, mehr Menschen bedeuten potenziell mehr Notfälle. Andererseits habe die Entwicklung auch mit Unvorsichtigkeit und Selbstüberschätzung zu tun. Allein im Bereich Dachau sind in dieser Saison drei Menschen gestorben.

In der Regel sind die Retter mit dem konfrontiert, was Welter „klassische Badetote“ nennt. Ein Schwächeanfall im Wasser, ein kurzer Aussetzer, der Schwimmer geht unter – und taucht im Zweifel nur tot wieder auf. Allerdings mehren sich jene anderen Fälle, von denen Welter spricht: „wirkliche Ertrinkungsfälle“. Immer häufiger wagen sich Nichtschwimmer in Gewässer und unterschätzen die Gefahren – oder überschätzen sich selbst. Meist seien das Menschen im Alter bis 40 Jahre, immer häufiger auch Flüchtlinge, die in ihren Heimatländern nie schwimmen gelernt haben.

„Das ist ein flächendeckendes Problem“, sagt Welter. „Seit Jahren trommelt die Wasserwacht dafür, dass man etwas für die Schwimmfähigkeit tun muss.“ Stattdessen schließen Schwimmbäder und verschwindet der Schwimmunterricht aus den Schulen. Sein Vorwurf geht in Richtung Politik. Flüchtlingen Schwimmkurse anzubieten, wie es hier und dort diskutiert wird, sei richtig, aber auch ein wenig heuchlerisch. Denn zugleich hätten die Entscheider es jahrelang versäumt, sich um die Schwimmfähigkeiten der Hiesigen zu kümmern.

Die Herausforderungen für die Wasserwacht werden also größer – und das, obwohl das Nachwuchsproblem spürbar ist. Oft genug sind die Einsätze noch erfolgreich – etwa in Germering. Dort rettete die Wasserwacht vor zwei Wochen einem Flüchtling, 16, das Leben.

Wo Gewässer gefährlich werden

Seen, Flüsse und Meere bieten die Chance auf Abkühlung: Aber sie bergen auch Risiken. Wo die Gefahren liegen, erklärt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG):

In Flüssen: Größere Flüsse haben häufig rechtwinklig zum Ufer Ausbuchtungen. Sie verändern die Strömung – selbst geübte Schwimmer können so Probleme bekommen. Auch dort, wo Schiffe und Boote fahren, geht man besser nicht ins Wasser. Außerdem gilt: Bewachsene und sumpfige Uferzonen sind ein Risiko.

In Seen: Fällt das Ufer hier steil ab, kann das schnell gefährlich werden. Auch Ansammlungen von Wasserpflanzen umschwimmt man lieber, sonst kann man hängenbleiben. Riskant sind besonders Kiesgruben als Badesee, weil hier das Ufer abrutschen kann. Auch schlammiger Boden ist gefährlich: Darin kann man stecken bleiben und beim Versuch herauszukommen noch tiefer einsinken. Die DLRG rät, sich durch kräftige Schwimmbewegungen nur mit den Armen zu befreien.

Im Freibad: Hier bergen etwa Ansaugöffnungen für Wasserstrahlanlagen und Strömungskanäle wegen des Sogs Gefahren. Außerdem sind die Bereiche um die Pools oft glatt gefliest: Langsam gehen, sonst rutscht man aus!

An der Küste: Das Meer kann sich durch die Gezeiten schnell verändern: Plötzlich verschwindet dann eine Sandbank unter Wasser, auf der man gerade noch stehen konnte. Außerdem ist die Strömung riskant: Eine Unterströmung etwa kann Kinder selbst im flachen Wasser leicht umreißen. Wer in eine Strömung gerät, sollte versuchen, mit ihr zu schwimmen, auch wenn das einen weiteren Weg zurück zum Strand bedeutet. Am besten geht man am Meer nur in gekennzeichneten Zonen schwimmen, also da, wo der Strandabschnitt überwacht wird.

Von Marcus Mäckler

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