Zahl der Drogentoten in Bayern gestiegen

München/Berlin - Entgegen dem Bundestrend sind in Bayern und Baden-Württemberg 2010 mehr Menschen an Drogen gestorben als im Jahr zuvor. Welche Drogen zum Tod führten.

Bundesweit kamen im vergangenen Jahr 1237 Menschen durch Rauschgift ums Leben - so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr. In Bayern waren es dagegen zwölf Opfer mehr als im Jahr 2009 und damit 262 Tote. In Baden-Württemberg stieg die Zahl um 35 auf 168 Rauschgifttote.

Der Polizei fallen immer mehr Konsumenten harter Drogen auf. Außerdem versetzen hoch dosiertes Cannabis und riskante Kräutermischungen die Behörden in Alarmbereitschaft, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, am Donnerstag in Berlin deutlich machten.

An einer Überdosis Heroin oder einem Heroin-Drogencocktail starben den Angaben zufolge in Bayern insgesamt 179 Menschen, 132 an Langzeitschäden nach jahrelangem Konsum. Mehr Augenmerk verdiene die Lage älterer Drogenkranker, die mit den Jahren schlechter werde. Bundesweit waren die meisten Opfer (944) älter als 30 Jahre. Nur 176 der Drogentoten waren Frauen.

Außer in Stuttgart und Nürnberg seien in den deutschen Großstädten durchgängig weniger oder gleich viele Menschen wie im Vorjahr an den Folgen ihres Rauschgiftkonsums gestorben. Regionale Unterschiede sagten aufgrund der geringen absoluten Zahlen allerdings wenig aus, betonte Dyckmans. “Wir müssen den Betroffenen Wege aufzeigen, ihre Unabhängigkeit von Drogen wiederzufinden.“ Dazu zählten Behandlungen mit Ersatzstoffen, Drogenkonsumräume und Kontaktläden.

Besorgt zeigte sich BKA-Chef Ziercke. Der Polizei seien mehr als 18 620 Konsumenten harter Drogen erstmals aufgefallen - ein Anstieg von fast drei Prozent im Vergleich zu 2009. Ziercke machte auf die Gefahren bei Cannabiskonsum aufmerksam, weil dies mit extrem hoher Dosis auf dem Markt sei. Die Polizei habe in Deutschland 46 Cannabis-Plantagen im Freien und 348 Plantagen in Räumen ausgehoben - die meisten in Nordrhein-Westfalen nahe den Niederlanden.

Eindringlich warnte Dyckmans vor neu zusammengemischten Drogen, wie als Kräutermischung, Badesalz oder Lufterfrischer getarnte Produkte. Sie schienen harmlos, aber ihre für die Konsumenten meist unbekannten Inhaltsstoffe könnten lebensbedrohliche Folgen haben, sagte die Drogenbeauftragte.

dpa

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